Der Hersteller unbemannter Systeme Quantum Systems ist in den maritimen Bereich eingestiegen und hat mit Seavex und Subvex zwei neue Plattformen vorgestellt. Die Präsentation fand am Rande einer NATO-Übung in Portugal statt.
Quantum Systems erweitert sein Portfolio von Luft- und Landsystemen um den maritimen Bereich. Am 14. September 2026 präsentierte das Unternehmen im portugiesischen Sesimbra das unbemannte Überwasserfahrzeug (USV) Seavex sowie das unbemannte Unterwasserfahrzeug (UUV) Subvex. Nach Unternehmensangaben sollen beide Systeme im Rahmen von Seeerprobungen unter einsatznahen Bedingungen getestet und validiert werden.
Vorstellung im Rahmen von REPMUS
Die Vorstellung erfolgte am Rande der Übung REPMUS (Robotic Experimentation and Prototyping with Maritime Unmanned Systems), die unter anderem von der portugiesischen Marine, der Ingenieurfakultät der Universität Porto, dem NATO Centre for Maritime Research and Experimentation (CMRE), der NATO Joint Capability Group Maritime Unmanned Systems und der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) mitorganisiert wird. Laut der portugiesischen Marine beteiligen sich an der diesjährigen Ausgabe über 1.500 Personen aus 36 Marinen, dazu 60 Unternehmen aus Forschung und Entwicklung, 13 Hochschulen und fünf NATO-Einrichtungen mit Bezug zu maritimen Operationen und unbemannten Systemen. Eingesetzt werden mehr als 300 unbemannte maritime Systeme, unterstützt von 14 Schiffen, in einem Übungsgebiet von mehr als 1.370 Quadratkilometern.
Seavex: Langzeitüberwachung an der Oberfläche
Seavex ist als Überwasserfahrzeug für dauerhafte maritime Aufklärungs- und Überwachungsmissionen (ISR) ausgelegt. Das Unternehmen gibt die Einsatzdauer mit bis zu zwei Monaten an. Zur Ausstattung gehören ein Überwachungsradar, ein Radar zur Drohnenabwehr sowie elektro-optische Sensoren, deren Daten an Bord mithilfe von KI verarbeitet werden. Seavex kann zudem Drohnen starten und bergen. Unterwasserfahrzeuge können an das System andocken, um Energie nachzuladen und Missionsdaten zu übertragen.
Subvex: Aufklärung bis 6.000 Meter Tiefe
Subvex ist ein KI-gestütztes Unterwasserfahrzeug für autonome Aufklärungsmissionen in Tiefen von bis zu 6.000 Metern. Es verfügt über Sonar, akustische Sensoren und eine Datenverarbeitung an Bord. In aktiver Fahrt soll das System bis zu vier Tage operieren können, mehrere Fahrzeuge lassen sich im Verbund einsetzen. Alternativ kann Subvex auf dem Meeresboden abgelegt werden und dort über Wochen passiv überwachen.
Einbindung in MOSAIC UXS
Beide Systeme sind in MOSAIC UXS integriert, die Missionssoftware des Unternehmens. Damit sollen sie gemeinsam mit unbemannten Luft- und Bodensystemen über eine einheitliche Softwarearchitektur eingesetzt werden. Sensordaten aus verschiedenen Systemen und Domänen sollen so in einem gemeinsamen Lagebild zusammengeführt werden. Das System ist laut Hersteller um weitere Plattformen, Sensoren und Fremdtechnologien erweiterbar.
Co-CEO und Gründer Florian Seibel erklärt, der eigentliche Fortschritt liege weniger in der zusätzlichen Domäne als in der Verknüpfung der Einsatzräume Luft, Land und See zu einem gemeinsamen autonomen System. Dirk Zademack, bei Quantum Systems für den maritimen Bereich verantwortlich, verweist auf die Diskrepanz zwischen großen Seegebieten und begrenzten Besatzungen und Mitteln. Das Prinzip zusammenwirkender unbemannter Systeme, das das Unternehmen in der Luft und an Land verfolge, solle nun auf See übertragen werden.
Einsatzzwecke und sicherheitspolitischer Hintergrund
Als Anwendungsfelder nennt das Unternehmen den Schutz kritischer maritimer Infrastruktur, die Sicherung von Seegrenzen, die Überwachung zur U-Boot-Abwehr sowie die Überwachung auf hoher See. Das Thema hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Nach wiederholten Sabotageakten gegen Unterseeinfrastruktur wie Pipelines und Internetkabel beschlossen die Bündnispartner im Januar 2025 die verstärkte NATO-Präsenz im Ostseeraum unter der Bezeichnung Baltic Sentry. Die Mission setzt Fregatten, Seefernaufklärer und eine kleine Flotte von Marinedrohnen ein. Unter Führung des NATO Allied Command Transformation erprobt die Initiative Task Force X zudem unbemannte Über- und Unterwasserfahrzeuge sowie Drohnen in der Ostsee, um das Lagebild zu verbessern und kritische Unterseeinfrastruktur zu schützen.
