Schwerer Waffenträger Infanterie: Erste Ausbilder schießen in Bergen scharf

Schwerer Waffenträger Infanterie: Erste Ausbilder schießen in Bergen scharf
Schwerer Waffenträger Infanterie / Foto: Bundeswehr / Anett Groß

Auf dem Truppenübungsplatz Bergen hat die Bundeswehr die erste Ausbildung am Schweren Waffenträger Infanterie abgeschlossen. Als Nächstes prüft die Truppe den Radpanzer auf seine Einsatztauglichkeit.

Soldaten der Schweren Kompanie des Jägerbataillons 413 haben rund zwei Monate lang an acht fabrikneuen Exemplaren des Schweren Waffenträgers Infanterie (sWaTrgInf) trainiert. Den Abschluss der Industrieausbildung bildete das scharfe Schießen auf einer Schießbahn des niedersächsischen Truppenübungsplatzes Bergen. Eingesetzt wurden dabei das Maschinengewehr, die 30-Millimeter-Maschinenkanone sowie die Nebelmittelwurfanlage ROSY. Das Mehrrollenfähige Leichte Lenkflugkörpersystem MELLS, mit dem das Fahrzeug Panzerabwehraufgaben übernehmen soll, kam bei diesem Durchgang nicht zum Einsatz.

Ausbildung von Multiplikatoren

Geschult wurden ausschließlich Soldatinnen und Soldaten, die künftig selbst als Ausbilder am System eingesetzt werden. Nach Angaben von Oberstleutnant Pascal H. vom Amt für Heeresentwicklung, der das Projekt gemeinsam mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) betreut, entfielen die ersten sechs Wochen auf die Einweisung in Fahrzeug und Waffensysteme, die letzten beiden Wochen ausschließlich auf die praktische Schießausbildung. Trainiert wurde aus dem Stand und aus der Bewegung, auf stehende wie bewegliche Ziele und mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Hintergrund ist die Vorgabe, mit dem Radpanzer Feuerkämpfe über mehrere Kilometer führen zu können.

Nachfolger des Waffenträgers Wiesel

Der sWaTrgInf soll den Waffenträger Wiesel ablösen und die direkte taktische Feuerunterstützung für abgesessen kämpfende Infanterie übernehmen. Pascal H. verweist auf deutliche Zuwächse bei Mobilität, Besatzungsschutz und Feuerkraft gegenüber dem Vorgänger, dessen Reichweite und Panzerung er als begrenzt beschreibt. Das Fahrzeug könne zudem größere Munitionsmengen mitführen, was die Durchhaltefähigkeit erhöhe, und gemeinsam mit anderen Gefechtsfahrzeugen der Mittleren Kräfte auf eigener Achse verlegen – etwa an die NATO-Ostflanke im Baltikum.

Oberleutnant Heiner S. vom Jägerbataillon 413, der künftig einen Zug mit vier Fahrzeugen führen wird, ordnet den Vergleich differenzierter ein: Der Wiesel sei im Gelände wendiger und schwerer aufzuklären, der Radpanzer spiele seine Stärken auf langen Marschstrecken aus. In Summe bedeute das System eine erhebliche Steigerung des Einsatzwerts.

Einsatzprüfung steht noch aus

Die nächste Etappe ist die Prüfung der Einsatztauglichkeit durch die Truppe. Diese Aufgabe fällt dem Zug von Heiner S. zu. Untersucht werden sollen unter anderem die Stabilität der Waffenanlage, die Auswirkungen hoher Schusszahlen auf den Turm und die Wirkung der verschiedenen Munitionsarten. Eine belastbare Aussage über den tatsächlichen Einsatzwert sei erst nach Abschluss dieser Tests möglich.

Insgesamt sollen in den kommenden Jahren 123 Fahrzeuge zulaufen, 26 davon an das Jägerbataillon 413 in Torgelow. Der Bataillonsverband gehört zur Panzerbrigade 21 „Lipperland“ aus Augustdorf, die seit 2023 als erster Großverband des Heeres zur Brigade der Mittleren Kräfte umgebaut wird. Diese Kräftekategorie soll die Lücke zwischen leichter Infanterie und schwerer Panzertruppe schließen und setzt auf radgebundene Systeme, die kurzfristig und weiträumig verlegbar sind. Ergänzt werden soll der Fuhrpark unter anderem um die Radhaubitze RCH 155, deren Beschaffung der Haushaltsausschuss des Bundestages im Dezember 2025 gebilligt hat, sowie um einen Radmörser auf Basis des Patria NEMO.

Beschaffung über einen Regierungsvertrag mit Australien

Der Schwere Waffenträger Infanterie basiert auf dem Boxer-Aufklärungsfahrzeug der australischen Streitkräfte (AUS CRV Recon II) mit dem bemannten Zwei-Mann-Turm Lance. Als Hauptwaffe dient die Maschinenkanone MK30-2 ABM von Rheinmetall, die auch im Schützenpanzer Puma verbaut ist. Der Haushaltsausschuss des Bundestages gab das Vorhaben am 20. März 2024 frei; nach Angaben des Fachportals hartpunkt lag das Volumen bei mehr als 1,9 Milliarden Euro. Die Beschaffung läuft über einen Regierungsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Commonwealth of Australia, bei dem das australische Verteidigungsministerium als Hauptauftragnehmer auftritt und Rheinmetall Defence Australia unterbeauftragt.

Ein erstes Nachweismuster übergab Rheinmetall Landsysteme im Mai 2024 an das BAAINBw. Der ursprüngliche Zeitplan sah 19 Serienfahrzeuge für 2025 und anschließend jährlich rund 25 Fahrzeuge vor. Die Auslieferung verzögerte sich um rund ein Jahr; erste in Deutschland gefertigte Serienfahrzeuge wurden im Frühjahr 2026 übergeben, der Großteil der 123 Systeme wird im australischen Werk Redbank produziert.

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