Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR hat eine Markterkundung zu land- und bodengebundenen Counter-Space-Systemen veröffentlicht. Gesucht werden marktverfügbare Lösungen, die gegnerische Satellitenkommunikation stören, unterbinden oder verfälschen können. Eine Anfangsbefähigung ist für 2029 vorgesehen.
Die Bekanntmachung erschien am 7. September 2026 im Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union (Ausgabe 172/2026) und wurde am 4. September übermittelt. Auftraggeberin ist die Deutsche Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. mit Sitz in Bonn, die das Verfahren für das Bundesministerium der Verteidigung führt. Es handelt sich ausdrücklich nicht um ein Vergabeverfahren, sondern um eine unverbindliche Informationseinholung analog § 28 Vergabeverordnung. Ein Anspruch auf ein späteres Vergabeverfahren oder einen Vertragsabschluss lässt sich daraus nicht ableiten. Die Veröffentlichung einer Auftragsbekanntmachung ist derzeit für den 4. Januar 2027 vorgesehen.
Drei Wirkungsarten im Fokus
Inhaltlich geht es um Systeme, die im elektromagnetischen Spektrum gegen Satellitenkommunikation wirken. Die Agentur unterscheidet drei Effekte: die Minderung der Leistungsfähigkeit (Degrade), die vollständige Unterbrechung der Verbindung (Deny) sowie die Verfälschung der übertragenen Informationen (Manipulate). Angeboten werden können Gesamt- wie Teilsysteme, ortsfeste ebenso wie mobile beziehungsweise verlegefähige Lösungen.
Von interessierten Unternehmen werden Angaben dazu erwartet, in welchen Orbitregimen (LEO, MEO, GEO) und Frequenzbändern ein Wirken möglich ist, welche Daten zur Voreinweisung benötigt werden, etwa Satelliten-Bahndaten, und über welche externen Schnittstellen diese bereitgestellt werden. Abzudecken sind die Klimazonen A2, A3, B1, B3, C0, C1 und C2 gemäß STANAG 4866. Für mobile Systeme werden zusätzlich Aussagen zur Verwendbarkeit unter Bedingungen der Landes- und Bündnisverteidigung sowie zur Geländegängigkeit abseits befestigter Straßen verlangt.
Bemerkenswert ist ein Punkt, den die Agentur selbst hervorhebt: Der Einsatz eigener Wirkmittel im elektromagnetischen Spektrum blockiert die gestörten Frequenzbereiche auch für die eigene Operationsführung. In der Nähe solcher Systeme sei zudem mit Nebeneffekten in weiteren Frequenzbereichen zu rechnen. Anbieter sollen dazu Prognosen abgeben.
Zeitplan und Mengengerüst
Für die Herstellung einer Erstbefähigung sind maximal 24 Monate vorgesehen. Die Vollausstattung zur Abdeckung des Verantwortungsbereichs einer Brigade soll rund dreieinhalb Jahre in Anspruch nehmen, eine Vollbefähigung der Bundeswehr innerhalb von sechs Jahren erreicht sein. Als Referenz für die geforderte Ressourcenplanung nennt die Agentur öffentlich verfügbare Angaben zur Brigade Litauen. Die dort dauerhaft stationierte Panzerbrigade 45 soll nach Planung rund 4.800 Soldaten umfassen und bis Ende 2027 einsatzbereit sein. Anbieter sollen abschätzen, wie viele Sensor-Effektor-Verbünde zur Abdeckung eines solchen Raums nötig wären und in welchen Abständen diese zu disloziieren sind.
Gefordert sind zwei Dokumente in deutscher Sprache: eine Systembeschreibung von maximal 30 Seiten sowie eine Unternehmensdarstellung von maximal zehn Seiten. Abgefragt werden unter anderem nachgewiesene und geplante Fähigkeiten, Wirkweisen gegen Boden-, Nutzer- und Raumsegment, ein Concept of Operations, Preisangaben einschließlich Betriebs- und Instandhaltungskosten über fünf Jahre, Referenzkunden, Informationssicherheitsmaßnahmen sowie Angaben zu Eigentümerstruktur, Umsatz, Zertifizierungen und den drei wichtigsten Zulieferern. Auch mögliche Ausfuhrbeschränkungen, einschließlich ITAR, sind zu benennen. Einsendeschluss ist der 11. Oktober 2026, 20:00 Uhr UTC. Eine Vergütung des Aufwands erfolgt nicht. Für kleine und mittlere Unternehmen ist das Vorhaben laut Bekanntmachung nicht geeignet.
Einordnung
Das Weltraumkommando der Bundeswehr wurde 2021 aufgestellt und nimmt als Space Component Command unter anderem die Erstellung eines militärischen Weltraumlagebildes sowie die Erkennung und Bewertung gegnerischer Counter-Space-Aktivitäten wahr. Die nationale Weltraumsicherheitsstrategie sieht Investitionen von rund 35 Milliarden Euro bis 2030 aus dem Verteidigungshaushalt vor. Bereits zuvor hatte die Deutsche Raumfahrtagentur Markterkundungen zu weltraumgestützten Systemen durchgeführt, darunter ein Inspektorsatellit und ein Satellit mit aktiven Störfähigkeiten. Die aktuelle Abfrage verlagert diesen Ansatz auf die bodengebundene Komponente.
