Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat die Erneuerung der mobilen Hörfunk-Sendeanlagen des Zentrums Operative Kommunikation beauftragt. Bis Mitte 2028 sollen acht containerbasierte Sendeeinheiten entstehen, die neben UKW auch digital über DAB+ ausstrahlen können.
Auftrag an Bremer Unternehmen
Den Zuschlag für die sogenannte Regeneration der Sendekabinen erhielt die FHF Flurfördergeräte GmbH aus Bremen. Das Vorhaben ist in mehrere Meilensteine gegliedert: Bis Ende 2026 soll ein Prototyp gefertigt werden. Nach Erprobung und Abnahme folgen in den Jahren 2027 und 2028 sieben weitere Sendecontainer. Das BAAINBw rechnet mit einem Abschluss der Maßnahme zur Jahresmitte 2028.
Die mobilen Radiosender der Bundeswehr bestehen aus Sendekabine, Gerätetrupp, Stromerzeuger und einer mobilen Antenne von 25 Metern Höhe. Die Gerätetrupps, die Zubehör aufnehmen und transportieren, wurden bereits 2019 überarbeitet und in 20-Fuß-Container eingerüstet, um die Verlastbarkeit zu verbessern. Die Sendekabinen selbst sind bislang nicht modernisiert worden und sollen nun ebenfalls in Containerbauweise überführt werden.
Technische Änderungen
Zentrale Neuerung ist die Erweiterung des Ausstrahlungsspektrums. Künftig kann neben UKW auch im digitalen Standard DAB+ gesendet werden. Digital Audio Broadcasting wird wie UKW terrestrisch verbreitet und benötigt keine Internetverbindung; auf einem Frequenzblock lassen sich mehrere Programme übertragen. In Deutschland ist DAB+ seit Dezember 2020 für neue Autoradios und für Heimgeräte mit Display gesetzlich vorgeschrieben.
Auch die Zuspieltechnik, also die Übertragung des Radiosignals zum Sender, wird umgestellt. Die neuen Anlagen erhalten mehrere voneinander unabhängige Zuspielwege, darunter Mobilfunk und Satellitenverbindung. Damit ist der Sender im abgesetzten Betrieb nicht mehr auf eine vorhandene Fernmelde- oder Netzwerkinfrastruktur angewiesen. Der Stromerzeuger, der bei der bisherigen UKW-Anlage auf einem Anhänger mitgeführt wurde, wird in den Container integriert.
Der zuständige Projektleiter, Oberstleutnant Christoph H., verweist darauf, dass die Modernisierung sowohl die Ausstrahlung als auch die Zuspielung auf einen aktuellen technischen Stand bringe. Die Containerlösung mit eigener Stromversorgung erhöhe zudem die Flexibilität bei der Nutzung durch die Truppe.
Hintergrund: Operative Kommunikation
Das Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr (ZOpKomBw) hat seinen Sitz in Mayen in Rheinland-Pfalz und gehört zum Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum. Seine Aufgabe ist es, das Informationsumfeld in Einsatzgebieten zu analysieren und mit Print-, Audio-, Video- und Onlineprodukten auf definierte Zielgruppen einzuwirken. Adressaten sind gegnerische Streitkräfte, Konfliktparteien sowie die Zivilbevölkerung in Einsatzländern. Ziel ist die Unterstützung eigener und multinationaler Operationen. Neben der Massenkommunikation gehören Direktkommunikation vor Ort, die Auswertung gegnerischer Propaganda sowie Einsatzkameratrupps zum Aufgabenspektrum. Am Standort sind rund 800 Soldatinnen und Soldaten stationiert.
Hörfunk bleibt für diesen Auftrag ein relevanter Verbreitungsweg, weil er auch dort funktioniert, wo digitale Infrastruktur schwach ausgebaut, gestört oder nicht verfügbar ist.
Zweitnutzung im Bevölkerungsschutz
Die Sendeanlagen können nach Angaben des BAAINBw auch im Inland eingesetzt werden, etwa wenn zivile Sendeanlagen infolge einer Unwetterlage ausfallen. Diese Rückfalloption knüpft an die Bedeutung des Rundfunks für die Warnung der Bevölkerung an. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe stuft das Radio als zentrales Warnmittel bei großflächigen Stromausfällen ein, da Fernsehen, Internet und Warn-Apps in solchen Lagen ausfallen, batterie-, kurbel- oder autobetriebene Empfänger jedoch weiter funktionieren.
Mit der Beschaffung will die Bundeswehr die Fähigkeit zur zielgruppenorientierten Hörfunkausstrahlung dauerhaft erhalten, sowohl für Landes- und Bündnisverteidigung als auch für Katastrophenlagen.
