Tomahawks für die Bundeswehr doch Reichweite ist noch keine Fähigkeit

Mit dem Kauf von bis zu 400 Tomahawk-Marschflugkörpern vollzieht Deutschland einen fundamentalen Wandel: Erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges soll die Bundeswehr über ein landgestütztes konventionelles Wirkmittel verfügen, das weit in gegnerisches Territorium wirken kann. Doch strategische Reichweite allein schafft noch keine strategische Fähigkeit – entscheidend sind die dahinterliegende Wirkungskette aus Aufklärung, Zielentwicklung und Missionsplanung, die Verfügbarkeit ausreichender Bestände sowie die Frage, ob Deutschland damit tatsächlich Souveränität gewinnt oder lediglich eine neue Abhängigkeit von amerikanischen Fähigkeiten etabliert.
Foto: Beispielbild – Start eines Tomahawk-Marschflugkörpers (TLAM) vom Lenkwaffenkreuzer USS Cape St. George. Credits: U.S. NAVY

Mit dem Kauf von bis zu 400 Tomahawk-Marschflugkörpern vollzieht Deutschland einen fundamentalen Wandel: Erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges soll die Bundeswehr über ein landgestütztes konventionelles Wirkmittel verfügen, das weit in gegnerisches Territorium wirken kann. Doch strategische Reichweite allein schafft noch keine strategische Fähigkeit – entscheidend sind die dahinterliegende Wirkungskette aus Aufklärung, Zielentwicklung und Missionsplanung, die Verfügbarkeit ausreichender Bestände sowie die Frage, ob Deutschland damit tatsächlich Souveränität gewinnt oder lediglich eine neue Abhängigkeit von amerikanischen Fähigkeiten etabliert.

Einleitung

Im Dezember 2018 sagte Bundesaußenminister Heiko Maas der Deutschen Presse-Agentur,  Europa dürfe „auf gar keinen Fall zum Schauplatz einer Aufrüstungsdebatte werden“, und  sagte einer Stationierung neuer Mittelstreckenraketen breiten Widerstand in Deutschland  voraus. Die Krim war zu diesem Zeitpunkt seit vier Jahren annektiert, im Donbass wurde seit  vier Jahren geschossen. Europa war längst Schauplatz eines Krieges; die Antwort der  Bundesregierung auf das absehbare Ende des INF-Vertrags¹ setzte trotzdem auf  Rüstungskontrolle statt auf eigene Fähigkeiten. 

Am 9. Juli 2026 trat Bundeskanzler Friedrich Merz vor den Bundestag, um über den NATO Gipfel von Ankara zu berichten, und platzierte in einer Regierungserklärung, die vor allem  der Ukraine-Finanzierung und der Lastenteilung gewidmet war, einen einzigen Satz:  Deutschland werde amerikanische Tomahawk²-Marschflugkörper erwerben und in  Deutschland stationieren, man schließe damit „eine wichtige strategische Lücke in unserer  Verteidigung“. Unterzeichnet worden war die Absichtserklärung bereits am Dienstag, dem 7.  Juli, am Rande des Gipfels von Verteidigungsminister Boris Pistorius und seinem  amerikanischen Amtskollegen Pete Hegseth. Die Bundesregierung strebt bis zu 400  Tomahawk der Version Block Vb³ im Wert von rund 1,15 Milliarden Euro an, dazu drei  bodengebundene Feuereinheiten des Typs Typhon⁴ für etwa 220 Millionen Euro; einsetzbar  von Land und von See. 

Die ursprüngliche Vereinbarung aus dem Jahr 2024 sah vor, dass die Vereinigten Staaten  selbst einen mit Tomahawk bewaffneten Verband ab 2026 in Deutschland stationieren, als  Brücke bis zum Zulauf europäischer Systeme in den 2030er Jahren. Diese Zusage kassierte  die Trump-Administration; Politico berichtete im Juni 2026, das Pentagon werde den  Stationierungsplan aufgeben, aus Sorge vor russischer Vergeltung — konkret dem  angedrohten Ende des russischen Mittelstrecken-Moratoriums, das Moskau im August 2025  unter ausdrücklichem Verweis auf die deutschen Stationierungspläne vollzog. Pistorius hatte  bereits im Juli 2025 eine formelle Kaufanfrage für Tomahawk und Typhon gestellt; eine  Antwort stand lange aus. Merz selbst hatte Anfang Mai eingeräumt, die Amerikaner hätten  „zurzeit selbst nicht genug“, der Zug sei aber nicht abgefahren. Zwei Monate später kam das  

Ja, diesmal als Kaufvertrag und nicht als Bündnisleistung. Was Deutschland 2024 kostenlos  beherbergen sollte, wäre ein amerikanisches System unter amerikanischem Kommando  gewesen; was es nun kauft, ist ein eigenes mit nationaler Verfügungsgewalt über den  Abschuss, nicht aber über die Zielkette, die den Flugkörper im Zweifelsfall ins Ziel trägt. 

Noch in derselben Woche, am 8. Juli 2026, unterzeichneten zwölf europäische Staaten,  darunter Deutschland, unter britischer Führung die Deep Precision Strike Capability  Investment Initiative⁵: knapp 51 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre für Präzisionswaffen  mit Reichweiten von 300 bis über 2.000 Kilometer. Und bereits am 7. Juli hatten sechs  Alliierte am Rande desselben Gipfels ein Projekt gestartet, dessen erklärtes Ziel die  Serienfertigung kostengünstiger Marschflugkörper und ballistischer Raketen ist. Deutschland  gehört zu den Unterzeichnern des ersten Papiers. Zu den Gründern des zweiten gehört es  nicht. 

Es lohnt, den Abstand zu vermessen, den die deutsche Politik in acht Jahren zurückgelegt hat.  Auf die Maas-Position von 2018 folgte 2019 ein Bundestag, der mit überwältigender  Mehrheit ablehnte, Aufklärungsdrohnen der Bundeswehr überhaupt zu bewaffnen. Im  Dezember 2020 verweigerte die SPD-Fraktion — Regierungspartei — die Entscheidung über  die Bewaffnung der Heron TP⁶ vollständig; der damalige Parteichef Norbert Walter-Borjans  begründete das damit, die Grenze zwischen dem Schutz der eigenen Soldaten und dem  „Töten per Joystick“ sei hauchdünn. Der verteidigungspolitische Sprecher seiner Fraktion trat  daraufhin zurück. Es ging in diesem Streit gar nicht um Deep Strike Capability’s, sondern um  eine Waffe zum Schutz deutscher Soldaten im Auslandseinsatz — und selbst die war nicht  durchsetzbar. 

Was diese Jahre prägte, war die Friedensdividende und die Überzeugung, Krieg in Europa sei  erledigt. Daraus folgte ein Reflex: Ethik diente nicht dazu, die Fähigkeitsentwicklung  einzuhegen, sondern dazu, ganz auf sie zu verzichten. Wie wenig eine solche Haltung jene  beeindruckt, gegen die sie sich eigentlich richten müsste, brachte ein Bundeswehroffizier auf  den Punkt: Unter einem LinkedIn-Beitrag, in dem eine Rechtsanwältin für rechtliche  Leitplanken für Künstliche Intelligenz in Waffensystemen warb, kommentierte er, man werde  ihren Vortrag in Moskau, Peking und Washington wohlwollend zur Kenntnis nehmen und  danach zur Tagesordnung übergehen. 

Genau darin liegt der Fehler der vergangenen zwei Jahrzehnte. Grenzen und Regeln sind  notwendig und Deutschland sollte sie mitschreiben. Wer aber eine Technologie normativ  verhandeln will, bevor er sie selber besitzt, verhandelt von der Seitenlinie: Ohne eigene  Fähigkeit fehlt das Gewicht, die eigene Position durchzusetzen. Eine einmal erfundene  Technologie wird eingesetzt, von der einen Seite oder von der anderen; die einzige offene  Frage ist, wer am Tisch sitzt, wenn ihre Regeln geschrieben werden. 

Der politische Wille ist damit nicht mehr die interessante Frage. Die ist vollständig  beantwortet: Am 6. April 2022, sechs Wochen nach der Zeitenwende⁷-Rede, gaben  Verteidigungs- und Haushaltsausschuss rund 150 Millionen Euro für die Bewaffnung  derselben Drohne frei, über die man ein Jahrzehnt gestritten hatte. 2023 nannte die Nationale  Sicherheitsstrategie erstmals abstandsfähige Präzisionswaffen als zu fördernde Fähigkeit. Im  Februar und April 2026 beschaffte die Bundeswehr Loitering Munition⁸ in fünfstelliger  Stückzahl. Im Juli 2026 einen Marschflugkörper, der Moskau erreichen könnte. 

Diese Weekly Situation Note fragt, was Deutschland mit dem Kauf amerikanischer  Tomahawks wirklich erwirbt. 

Geprüft wird entlang von drei Indikatoren: 

Erstens: Was der Tomahawk kann — und was für seinen Einsatz außerdem nötig ist. 

Zweitens: Wozu braucht man Marschflugkörper operativ, was treffen sie und in welchen  Mengen — genügen 400 Marschflugkörper der Aufgabe, für die sie gedacht sind? 

Drittens: Verkürzt oder verlängert der amerikanische Zwischenschritt den Weg zur  europäischen Lösung — und ist der europäische Maßstab dabei überhaupt der richtige? 

Der Flugkörper

Die BGM-109 Tomahawk ist ein Unterschall-Marschflugkörper, den die U.S. Navy seit den  1970er Jahren nutzt und im Laufe der Zeit mehrfach modernisiert wurde; die genauen  Leistungsdaten sind klassifiziert, öffentlich zugängliche Angaben nennen für den Block V  eine Reichweite von über 1.600 Kilometern und einen konventionellen Gefechtskopf von  rund 450 Kilogramm. Je nach Variante und Startprofil reichen die publizierten Angaben von  etwa 1.250 bis 2.500 Kilometern. Er fliegt im Tiefflug, geländefolgend, unterschallschnell —  kein Durchbruchssystem gegen dichte, moderne Luftverteidigung, sondern ein Werkzeug für  Ziele, deren Koordinaten bekannt und deren Verteidigung entweder schwach oder bereits  niedergehalten ist. 

Deutschland kauft die fähigste und gleichzeitig teuerste Version von Tomahawks. Der Block  Vb trägt das Joint Multiple Effects Warhead System⁹, das eine primäre Hohlladung mit einem  sekundären Penetrator kombiniert und damit auch gehärtete Ziele zerstören kann. Das ist  erklärungsbedürftig: Mit dem aus deutschen Medien bekannten Taurus KEPD 350¹⁰ und  dessen Nachfolger verfügt die Bundeswehr bereits über einen hochspezialisierten Penetrator Gefechtskopf für genau diese Aufgabe, und der Block Vb ist technisch komplexer und  vermutlich teurer als die Standardversion von Tomahawks, die Exportkunden wie Australien  und Japan bereits für ihre eigenen Streitkräfte gewählt haben. Mit der Block-V-Generation  kommt eine verbesserte Datenverbindung, die es erlaubt, während des Fluges mit dem  Flugkörper zu kommunizieren und ihn umzulenken. Das ist militärisch wertvoll — und es ist  zugleich der Punkt, an dem die Waffe aufhört, ein autonomes Objekt zu sein. 

Zur Waffe gehört die Startplattform. Typhon — bei der U.S. Army als Mid-Range Capability  geführt — ist eine vom Senkrechtstartsystem Mk 41¹¹ abgeleitete Landversion mit vier  Startcontainern auf einem Sattelauflieger; eine Batterie besteht aus vier Werfern, mithin  sechzehn Flugkörpern ohne Nachladen. Seegestützt scheiden die vorhandenen Einheiten  dagegen aus, und zwar aus einem physischen Grund: Der Mk 41 wird in drei Baulängen  gefertigt, und nur die strike length nimmt einen Tomahawk auf. Die F123 Brandenburg¹² führt sechzehn Zellen in Selbstverteidigungslänge, ausgelegt allein für Sea Sparrow¹³ und  ESSM¹⁴; die F124 Sachsen¹⁵ führt zweiunddreißig Zellen in taktischer Länge für SM-2¹⁶ und  ESSM. Beide liegen unter der Marke, die der Tomahawk verlangt — die Rechnung über die  Zahl der Zellen erübrigt sich damit, denn keine von ihnen kann den Flugkörper aufnehmen.  Eine seegestützte Option entsteht erst mit der F127¹⁷ ab den 2030er Jahren, deren  vierundsechzig Zellen in strike length ausgelegt und für den Tomahawk vorgesehen sind. 

Strategisch ist genau das entscheidend: Ein Marschflugkörper ist das letzte Glied einer langen  Wirkungskette. Vor ihr liegen Zielaufklärung, Zielentwicklung, Missionsplanung,  Navigationsdaten, Wirkungsanalyse — und die politische Freigabe. Der Kanzler hat den Kauf  als Souveränitätsgewinn beschrieben, in einer Hinsicht ist er das: Die Flugkörper werden  deutsches Eigentum, ihr Einsatz eine deutsche Entscheidung. In einer anderen Hinsicht ist die  Sache offener. 

Dieses Muster ist alt und europäischer Herkunft. Das European Policy Centre¹⁹ beschreibt es  so: Die NATO habe Tiefenschlag-Konzepte bereits im Kalten Krieg entwickelt, doch die  operative Last sei auf die Vereinigten Staaten übergegangen; die europäischen Verbündeten  hätten sich in der Folge auf amerikanische Aufklärung, amerikanische Wirkmittel und  amerikanische Bestände verlassen. Europas primäre Schwäche liege deshalb weniger im  Fehlen einzelner Fähigkeiten als im Fehlen eines kohärenten Systems, das sie verbindet —  und eine europäische Tiefenschlagfähigkeit müsse auch dann funktionieren, wenn  amerikanische Unterstützung verzögert, teilweise oder gar nicht erfolge. Europa hat  jahrzehntelang die Waffen entwickelt und die Wirkungskette ausgelagert. 

Diese Art von Abhängigkeit ist für die Bundeswehr keine neue Erfahrung. Im Mai 2026 hat  unser Vorstandsvorsitzender und FIBS-Mitgründer Carl Neufert über die deutsche  Drohnenpolitik geschrieben und dabei einen achtmaligen Auslandsveteranen des  Kommandos Spezialkräfte²⁰ zitiert, der es in einem Satz zusammenfasste: Ohne  amerikanische Aufklärungsdrohnen über sich sei man nicht in den Einsatz gegangen.  Zwanzig Jahre später kauft Deutschland einen Flugkörper mit 1.600 Kilometern Reichweite  — die Frage, wer ihn ins Ziel führt, ist dieselbe geblieben. 

Was das im Ernstfall bedeutet, zeigte sich zweimal. Als Washington im März 2025 die  Weitergabe von Aufklärungsdaten an die Ukraine aussetzte, verloren amerikanische  Präzisionswaffen, die auf diese Daten ausgelegt sind, ihre Wirksamkeit; betroffen war unter  anderem der Zugriff auf kryptografisch geschützte GPS-Daten für ATACMS²¹. Und als das  Wall Street Journal im Oktober 2025 berichtete, die USA hätten eine wesentliche  Beschränkung für den Einsatz weitreichender Flugkörper aufgehoben, betraf das  ausdrücklich auch von europäischen Verbündeten gelieferte Waffen wie Storm Shadow²² —  Washington konnte mitreden, weil Kiew auf amerikanische Zieldaten angewiesen war. Ein  europäisch produzierter Flugkörper, der an einer amerikanischen Wirkungskette hängt, bedarf  am Ende einer amerikanischen Freigabe. Für den deutschen Tomahawk verweist das  Fachjournal Hartpunkt²³ auf Medienberichte, denen zufolge sein Einsatz nicht ohne US Beteiligung erfolgen könne. Belastbar öffentlich belegt ist das nicht und man sollte es nicht  härter formulieren, als die Quellenlage es trägt. Aber die Bundesregierung hat es auch nicht  dementiert. 

Die Größenordnung des Problems lässt sich beziffern. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW  Kiel)²⁴ hat im Mai 2026 durchgerechnet, was europäische Verteidigungsautonomie kostet,  und für persistente Aufklärung — als Layer aus Weltraumsensorik, HALE- und MALE Drohnen²⁵, taktischen Systemen, Radar und passiver Sensorik, mit europäisierten Datenlinks  und Auswertekapazitäten, eingespeist in europäische Führungs- und Targeting-Ebenen —  einen Rahmen von 20 bis 30 Milliarden Euro veranschlagt. Und eine Erhebung von Defense  News unter sechzehn europäischen Fachleuten kam im Februar 2026 zu einem  aufschlussreichen Befund: Weitreichender Tiefenschlag gilt als einer der Bereiche, in denen  Europa binnen fünf Jahren aufholen kann; weltraumgestützte Aufklärung dagegen als einer  

der beiden Bereiche mit dem größten Pessimismus, für den eine Mehrheit mehr als fünf Jahre  veranschlagt. 

Europa kann sich also die Waffe schneller beschaffen als die Augen, die sie braucht.  Deutschland gibt 1,37 Milliarden Euro für das letzte Glied der Wirkungskette aus, während  der Rest ein Vielfaches kostet und länger dauert. Der erste Indikator liefert damit ein klares  Ergebnis: Beschafft wird ein reifes, sofort verfügbares System — und mit ihm eine  Abhängigkeit, deren Umfang die Bundesregierung öffentlich nicht beziffert hat. 

Der Zweck

Deep Precision Strike beginnt dort, wo die klassische Raketenartillerie endet. Deren  Reichweite liegt unter 100 Kilometern; die Ziele, die für die Kriegführung eines Gegners  entscheidend sind — Gefechtsstände und Kommandozentralen, Flugplätze, logistische  Knotenpunkte, Depots, Startstellungen, Rüstungsfabriken — liegen aus genau diesem Grund  weiter hinten. Wer sie erreichen will, braucht Systeme wie den Tomahawk. 

Die Bundeswehr hat die Logik selbst sauber formuliert: Luftverteidigungssysteme lassen sich  übersättigen, weil Drohnen und einfache Raketen billiger und schneller zu produzieren sind  als die Abfangflugkörper, die sie abwehren sollen; deshalb müssen die Ausgangspunkte der  Angriffe bekämpfbar sein, und allein die Fähigkeit dazu soll den Gegner abschrecken. Wer  nur abfängt, verliert das Kostenduell: Die Abwehr ist teurer als der Angriff. 

Und sie hat die politische Konsequenz gezogen, die in der öffentlichen Debatte kaum  vorkommt: Gerade weil die Bundesrepublik keine Atommacht ist und auch keine werden  will, sind weitreichende konventionelle Waffen ein unverzichtbarer Beitrag zur  Abschreckung. Das ist der Kern. Deutschland verfügt über kein eigenes strategisches  Instrument, mit dem es einem Gegner Kosten in dessen Tiefe androhen könnte.  Konventioneller Tiefenschlag ist für die Bundesrepublik das einzige Mittel dieser Klasse, das  sie selbst besitzen kann. 

Die SWP²⁶ hat 2024 die operative Doppelfunktion beschrieben: Erstens sollen weitreichende  Systeme jene russischen Fähigkeiten, die das Bündnis auf Distanz halten, hold at risk²⁷ nehmen, bevor sie auf NATO-Gebiet feuern; zweitens sollen sie wenigstens einige  zeitkritische Hochwertziele — mobile Kommandozentralen, Startrampen für ballistische  Raketen und Marschflugkörper — zerstören können, um Russland zu signalisieren, dass die  NATO die Fortsetzung der Kampfhandlungen massiv einschränken kann. 

Ob das funktioniert? Die Ukraine liefert eine empirische Antwort. 

Mit einer Kampagne, die Präsident Selenskyj als „Langstreckensanktionen“ bezeichnet, hat  die Ukraine die Lebensadern der russischen Kriegswirtschaft angegriffen und getroffen. Auf  Primorsk, Ust-Luga und Noworossijsk entfallen nach Berechnungen der Kyiv School of  Economics²⁸ zusammen rund 59 Prozent der seegestützten russischen Ölexporte. Zwischen  dem 22. und 29. März 2026 führte Kiew drei Drohnenangriffe auf die beiden  Ostseeterminals; Satellitenbilder zeigten in Ust-Luga fünfzehn ausgebrannte Lagertanks und  zwei getroffene Verladepiers, in Primorsk einen Verlust an Speicherkapazität von rund 40  Prozent. Die Kyiv School of Economics schätzte den Ausfall an Exporterlösen auf etwa 1,76  Milliarden Dollar; das kremlnahe Zentrum für makroökonomische Analyse²⁹ bezifferte den  Rückgang der Exportkapazität auf rund eine Million Barrel pro Tag, etwa zwanzig Prozent.  

Im Juni 2026 räumte Vize-Regierungschef Alexander Nowak erstmals öffentlich ein, die  russische Ölproduktion liege unter dem Niveau vom Jahresanfang. 

Zur Redlichkeit gehört die Gegenrechnung. Der große Einbruch blieb aus: Nach Daten von  Kpler³⁰ lagen die Rohölexporte im Frühjahr weiterhin bei rund 3,5 Millionen Barrel pro Tag,  weil Russland beschädigte Anlagen binnen Tagen wieder anfuhr und Lieferungen umleitete.  Die Kampagne hat die Ölwirtschaft nicht zum Kollaps gebracht, sondern ihr die Reserve  genommen und sie unter permanente politische Steuerung gestellt. Das entwertet den  Tiefenschlag nicht, es beschreibt ihn realistisch: Er wirkt über die Zeit, indem er den Krieg  verteuert, nicht über den einzelnen Schlag, der ihn entscheidet. 

Die amerikanischen Streitkräfte verschossen im Krieg gegen den Iran mehr als 1.000  Tomahawk, in den ersten 39 Kriegstagen im Schnitt gut fünfundzwanzig pro Tag. Gemessen  daran sind 400 Flugkörper der Umfang von knapp zwei Wochen — gegen einen regionalen  Gegner mit unterlegener Luftverteidigung, nicht gegen Russland. Das ISW³¹ hatte 2024 allein  im 300-Kilometer-Radius der ATACMS mindestens 250 militärische Objekte in Russland  identifiziert; bei 1.600 bis 2.000 Kilometern liegt die Zielmenge um Größenordnungen höher.  Hinzu kommt der Zeitfaktor: Raytheon liefert derzeit unter 200 Stück im Jahr, während die  U.S. Navy selbst erhebliche Mengen nachbestellt hat, deren Zulauf erst gegen Ende des  Jahrzehnts beginnt. Deutschland stellt sich mit 400 Flugkörpern in eine Warteschlange hinter  Japan, Australien, die Niederlande und die U.S. Navy selbst. 

Damit ist der erste Einwand zu behandeln und er ist der ernsthafteste, den man gegen diese  Note vorbringen kann. Wenn es um hold at risk geht und nicht um Kampagnenführung, dann  sind 400 Flugkörper für die Bundeswehr womöglich gar nicht zu wenig — dann zählt die  glaubhafte Drohung gegen wenige Hochwertziele, nicht die Magazintiefe. Das Argument  trägt, führt aber tiefer ins Problem: Wer mobile Kommandozentralen und mobile Startrampen  bedrohen will, braucht zeitkritische Zieldaten — Aufklärung, Auswertung und Freigabe in  Minuten, über tausend Kilometer, gegen einen Gegner, der genau darauf optimiert ist. Das ist  die anspruchsvollste denkbare Wirkungskette. Calibre Defence³² hat 2025 den nüchternen  Satz dazu geschrieben: Deutschland könne jedenfalls zu Kriegsbeginn keine eigenen  Aufklärungsmittel über Russland einsetzen. Der Einwand rechtfertigt zwar die Stückzahl,  verlagert das Problem aber auf die Wirkungskette. 

Der zweite Einwand ist politischer Natur und lautet, die Stationierung hebe Deutschland auf  eine neue Bedrohungsstufe, mache es zum Ziel, provoziere Präemption³³. Politico zufolge  war es genau diese Sorge, die das Pentagon bewog, die eigene Stationierung fallen zu lassen.  Dieser Einwand ist aus zwei Gründen schwächer, als er klingt. 

Zum einen ist Deutschland im Kriegsfall längst Hochwertziel. Es liegt im Herzen des  Kontinents und wird im Krisen- wie im Bündnisfall von den Partnern intensiv über Straße  und Schiene genutzt, um an die Ostflanke zu verlegen: die logistische Drehscheibe der  Allianz. Es ist Standort amerikanischer wie deutscher Verbände und soll nach dem erklärten  Ziel der Bundesregierung die stärkste konventionelle Armee des Kontinents aufstellen. Vor  allem aber ist die Bundesrepublik seit Jahrzehnten Teil der nuklearen Teilhabe³⁴ der NATO  und beschafft mit 35 F-35A³⁵ das Trägersystem, das in dieser Rolle den Tornado³⁶ ablöst.  Wer argumentiert, 400 konventionelle Marschflugkörper hoben Deutschland auf ein qualitativ  neues Bedrohungsniveau, muss erklären, was die nukleare Teilhabe dann sein soll. Der  Zielwert Deutschlands steigt durch den Tomahawk nicht sprunghaft; er wird allenfalls  präziser begründet. 

Zum anderen ist die Eskalationsdrohung empirisch gealtert. Seit Februar 2022 wurde eine  russische rote Linie nach der anderen gezogen und überschritten: HIMARS³⁷, westliche  Kampfpanzer, F-16, ATACMS, Storm Shadow, deren Einsatz gegen Ziele auf russischem  Staatsgebiet, der ukrainische Vorstoß nach Kursk. Die angekündigte Vergeltung blieb jedes  Mal aus oder fiel unter der angedrohten Schwelle aus — die Antworten waren demonstrativ  (der Oreschnik³⁸-Schlag auf Dnipro im November 2024), doktrinär (die abgesenkte nukleare  Schwelle) oder deklaratorisch (das Ende des INF-Moratoriums im August 2025). Russland  reagiert durchaus, aber unterhalb der Schwelle, mit Sabotage, Drohnenüberflügen und  Störsendern — eine Reaktion, die ohnehin bereits läuft. Wer russische Ankündigungen zum  Maßstab eigener Fähigkeitsplanung macht, räumt dem Gegner ein Vetorecht über die eigene  Verteidigung ein, das er sich in vier Jahren Vollinvasion nicht verdient hat. 

Bleibt der industrielle Befund, und er ist der eigentliche. Krieg ist chirurgischer geworden —  keine Flächenbombardements mehr wie früher in Dresden oder London, jedes Ziel wird  einzeln bekämpft. Aber Präzision hat die Masse nicht abgeschafft, sie hat nur ihre Form  verändert: statt Tonnen an Sprengstoff nun Stückzahlen an Präzisionswirkmitteln. Wer 2026  Krieg gegen einen Staat führt, braucht dieselbe industrielle Tiefe wie 1943, nur für teurere  Systeme. Die Vorstellung, wenige perfekte Waffen könnten einen Krieg entscheiden, ist eine  Friedensillusion. Wo sie sich zu bewähren schien — 1945 über Japan —, wirkten die Waffen  als Spitze einer erdrückenden industriellen und maritimen Übermacht, nicht an ihrer Stelle. In  der konventionellen Auseinandersetzung gilt: Am Ende gewinnt, wer länger produzieren und  Krieg führen kann. 

Die Brücke und das Ufer

Der Tomahawk ist ausdrücklich als Zwischenlösung angelegt. Die Frage ist, wohin die  Brücke führt — und ob Europa das richtige Ufer ansteuert. 

Der Bestand ist bekannt und begrenzt. Taurus, Storm Shadow und SCALP³⁹ sind exzellente  Waffen mit einer harten Schranke von rund 500 Kilometern; Langstreckenversionen  existieren nicht. Der europäische Werkzeugkasten für die Tiefe füllt sich gleichwohl: Der  Taurus Neo⁴⁰ läuft ab 2029 in Serie, mit deutschem Triebwerk, weil das bisherige unter US Exportkontrolle steht. Frankreichs landgestützte Land Cruise Missile⁴¹ soll nach MBDA⁴²- Angaben 2029 lieferbar sein — das einzige europäische Gegenstück zum Tomahawk. Unter  dem Trinity-House-Abkommen⁴³ entwickeln Deutschland und Großbritannien Stealth- und  Hyperschallwaffen⁴⁴ mit über 2.000 Kilometern Reichweite. Und in Ankara kam am 8. Juli  die Finanzierung dazu: knapp 51 Milliarden Dollar über zehn Jahre. Defense News hat das  Papier zutreffend als Finanzierungs- und Koordinierungsstruktur eingeordnet, die vorhandene  Programme bündelt — gepoolt wird, nicht neu gebaut. Das erklärt, warum die Summe so  groß und der Zulauf so fern ist. 

Das führt der ukrainische FP-5 „Flamingo“⁴⁵ vor: ein bodengestützter Marschflugkörper mit  rund 3.000 Kilometern Reichweite und einem 1.150-Kilogramm-Gefechtskopf, gemessen an  europäischen Standards ein grobes Gerät — langsamer, ungenauer, verwundbarer als ein  Taurus. Und die Einsatzbilanz war lange ernüchternd: Beim Angriff auf Tscheboksary am 5.  Mai 2026 stürzten fünf von sechs Flugkörpern ab, ein einziger traf. Erst in der Nacht zum 27.  Juni, gegen das Rüstungszentrum Titan-Barrikady⁴⁶ in Wolgograd, erreichten von fünf  gestarteten Flugkörpern drei die Werkshallen.  

Diese Bilanz spricht für billige Massensysteme: Der Flamingo war im Sommer 2025 eine  Ankündigung und im Sommer 2026 eine Waffe, die drei von fünf ins Ziel bringt —  wiederholt unter Feuer, in zwölf Monaten, von einem Land im Existenzkampf. Kein  europäisches Beschaffungsverfahren hätte ihn je zugelassen; keines hätte ihn in zwölf  Monaten so weit gebracht. 

Genau diese Erkenntnis ist in Ankara angekommen — nicht in Berlin. Am 7. Juli starteten  sechs Alliierte — Dänemark, Frankreich, Italien, Norwegen, die Türkei und Großbritannien  — ein Projekt zur Großserienfertigung kostengünstiger Marschflugkörper und ballistischer  Raketen, ausdrücklich an Kosten und Produzierbarkeit ausgerichtet statt an exquisiter  Leistung. Deutschland gehört nicht zu den Gründern. Es hat in derselben Woche 400 der  teuersten Flugkörper des Marktes bestellt. 

Fazit

Deutschland beschafft erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges eine landgestützte  konventionelle Waffe, die tausend Kilometer und mehr in gegnerisches Territorium wirkt —  aus einem Grund, den die Bundeswehr selbst offen ausspricht: Weil die Bundesrepublik keine  Atommacht ist und keine werden will, ist konventioneller Tiefenschlag das einzige  strategische Instrument dieser Klasse, das sie besitzen kann. Dass die Zusage einer  Administration abgerungen wurde, die dieselbe Fähigkeit zwei Monate zuvor verweigert  hatte, verdient Anerkennung. Und die Warnung, Deutschland mache sich damit erst zum Ziel,  hält nicht stand: Wer die logistische Drehscheibe des Bündnisses ist und seit Jahrzehnten an  der nuklearen Teilhabe mitwirkt, steht auf jeder Zielliste, mit oder ohne Typhon und  Tomahawk. 

An dem Maßstab gemessen, an dem Tiefenschlag entschieden wird, ist der Kauf gleichwohl  notwendig, aber nicht hinreichend. Er beschafft die Spitze der Wirkungskette und lässt offen,  wem der Rest gehört — Aufklärung, Missionsplanung, Navigation, Freigabe, jene Glieder,  für die Europa länger braucht als für die Waffe und ein Vielfaches zahlen muss. Er beschafft  400 Flugkörper für eine Aufgabe, deren realer Verbrauch in einem einzigen Feldzug das  Zweieinhalbfache betragen hat. Und er beschafft eine Brücke, deren Tragfähigkeit von einer  Produktionslinie abhängt, die nicht einmal den Bedarf ihres Heimatkunden deckt. 

Die Ukraine führt seit anderthalb Jahren vor, was diese Fähigkeit wert ist: brennende  Terminals in Primorsk und Ust-Luga, eine russische Ölwirtschaft ohne Reserve. Sie führt  zugleich vor, was sie kostet: Masse, Iteration, Fehlversuche — und eine Industrie, die liefert,  während geschossen wird. Denn solche Kriege entscheidet nicht das beste Wirkmittel,  sondern die längere Durchhaltefähigkeit. 

Zwischen den Aussagen von Heiko Maas und Friedrich Merz liegen achteinhalb Jahre, ein  Angriffskrieg und eine vollständig gedrehte deutsche Position. Der Wille ist da. In Ankara  lagen alle drei Wege auf dem Tisch, und Deutschland hat den einen unterschrieben, den  anderen finanziert und den dritten nicht betreten. Der Bundestag könnte fragen, warum: Wie  viele dieser Flugkörper wären ohne amerikanische Zuarbeit einsatzbereit? Warum der Block  Vb aus Tucson und nicht die Land Cruise Missile, die 2029 aus Europa lieferbar wäre?  Und warum trägt das Papier, mit dem sechs Verbündete die billige, produzierbare Masse in  Angriff nehmen, keine deutsche Unterschrift?

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Weitere Informationen zu unserer Arbeit als eingetragener Verein, zu den Aktivitäten der FIBS-Hochschulgruppe an der Universität Konstanz und zu Autor Paul Grupp finden Sie unter den folgenden Links.

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Ein besonderer Dank gilt Clemens Speer und dem gesamten Team von Sicherheit und Verteidigung für die Möglichkeit, unsere Arbeit in Form dieses Fachbeitrags hier veröffentlichen zu dürfen.

FIBS E.V Weekly Situation Note 017 (KW29/26) von Paul Grupp

Die Weekly Situation Note ist eine kurze, auf Open-Source-Quellen basierende und meinungsorientierte Einordnung zentraler außen- und sicherheitspolitischer Entwicklungen der vorangegangenen Kalenderwoche. Sie soll eine begrenzte Anzahl relevanter Indikatoren hervorheben und analytisch einordnen. Dabei ist sie weder eine nachrichtendienstliche Lagebewertung noch belastbare Prognose und stellt keine offizielle Position dar. Die getroffenen Einschätzungen beruhen auf der Interpretation öffentlicher Berichterstattung durch den Autor/die Autorin und können sich bei Verschiebungen in der politischen Lage verändern.

Glossar 

¹ INF-Vertrag — Intermediate-Range Nuclear Forces Treaty (1987, USA/UdSSR); verbot landgestützte  Flugkörper mit 500 bis 5.500 km Reichweite. Die USA kündigten ihn 2019, seither ist die Kategorie unreguliert. 

² Tomahawk (BGM-109) — US-amerikanischer Unterschall-Marschflugkörper, see- und (via Typhon)  landgestützt; Reichweite beim Block V über 1.600 km. Hersteller ist RTX/Raytheon (Endmontage u. a. in  Tucson, Arizona). 

³ Block Vb — neueste Tomahawk-Variante mit dem Mehrzweckgefechtskopf JMEWS, auch gegen gehärtete  Ziele; teurer und komplexer als die von Exportkunden meist gewählte Standardversion. 

Typhon — landgestütztes Startsystem der U.S. Army (Mid-Range Capability), vom Schiffssystem Mk 41  abgeleitet; verschießt Tomahawk und den Flugabwehrflugkörper SM-6. Eine Batterie umfasst vier Werfer mit je  vier Zellen. 

Deep Precision Strike Capability Investment Initiative — am 8. Juli 2026 in Ankara von zwölf  europäischen NATO-Staaten unter britischer Führung unterzeichnete Finanzierungs- und  Koordinierungsstruktur; 50,66 Mrd. US-Dollar über zehn Jahre für Präzisionswaffen mit 300 bis über 2.000 km  Reichweite. 

Heron TP — israelische MALE-Drohne (Aufklärung, bewaffnungsfähig), von der Bundeswehr geleast;  Gegenstand des jahrelangen Streits um die Bewaffnung. 

Zeitenwende — Bezeichnung für die von Bundeskanzler Olaf Scholz am 27. Februar 2022 verkündete  Neuausrichtung der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik nach dem russischen Überfall auf die  Ukraine. 

Loitering Munition — Kampfdrohne, die über dem Zielgebiet „lungert“, bis sie ein Ziel angreift und sich  dabei selbst zerstört; ein Zwischending aus Aufklärungsdrohne und Lenkflugkörper. 

Joint Multiple Effects Warhead System (JMEWS) — Mehrzweckgefechtskopf, der eine primäre  Hohlladung mit einem Penetrator kombiniert und dadurch sowohl Flächen- als auch gehärtete/unterirdische  Ziele bekämpfen kann. 

¹⁰ Taurus KEPD 350 — deutsch-schwedischer luftgestützter Marschflugkörper mit Penetrator-Gefechtskopf,  Reichweite rund 500 km. 

¹¹ Mk 41 — US-amerikanisches Senkrechtstartsystem (Vertical Launching System) auf Kriegsschiffen. Es gibt  drei Baulängen (Selbstverteidigungs-, taktische und strike length); nur die längste („strike length“) nimmt große  Flugkörper wie den Tomahawk auf. 

¹² F123 Brandenburg — deutsche Fregattenklasse, vorrangig zur U-Boot-Jagd; vier Schiffe. ¹³ Sea Sparrow — schiffsgestützter Flugabwehrlenkflugkörper kurzer bis mittlerer Reichweite. ¹⁴ ESSM — Evolved Sea Sparrow Missile, weiterentwickelter Flugabwehrflugkörper mittlerer Reichweite. ¹⁵ F124 Sachsen — deutsche Luftverteidigungsfregatte; drei Schiffe. 

¹⁶ SM-2 — Standard Missile 2, schiffsgestützter Flugabwehrflugkörper größerer Reichweite. 

¹⁷ F127 — geplante deutsche Luftverteidigungsfregatte ab den 2030er Jahren, mit strike-length-Zellen und  damit als erste deutsche Einheit tomahawkfähig. 

¹⁸ Wirkungskette — die Gesamtheit der Schritte von der Zielaufklärung über Zielentwicklung,  Missionsplanung, Navigation und politische Freigabe bis zum Waffeneinsatz. Der Flugkörper ist nur ihr letztes  Glied. 

¹⁹ European Policy Centre (EPC) — unabhängiger Brüsseler Thinktank für europäische Politik. ²⁰ Kommando Spezialkräfte (KSK) — Spezialeinheit des Heeres der Bundeswehr. 

²¹ ATACMS — Army Tactical Missile System, US-amerikanischer boden-/HIMARS-gestützter ballistischer  Kurzstreckenflugkörper (rund 300 km). 

²² Storm Shadow — britisch-französischer luftgestützter Marschflugkörper, Reichweite rund 500 km  (französische Bezeichnung: SCALP). 

²³ Hartpunkt — deutsches Fachmedium für Verteidigung und Sicherheitspolitik. 

²⁴ Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) — wirtschaftswissenschaftliches Forschungsinstitut in Kiel; betreibt  u. a. Analysen zur europäischen Verteidigung und den Ukraine Support Tracker. 

²⁵ HALE-/MALE-Drohnen — unbemannte Fluggeräte mit großer Reichweite und Flugdauer für Dauer Aufklärung; HALE = High-Altitude Long-Endurance (große Höhe), MALE = Medium-Altitude Long Endurance (mittlere Höhe). 

²⁶ SWP — Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin; führender deutscher außen- und sicherheitspolitischer  Thinktank, der Bundestag und Bundesregierung berät. 

²⁷ hold at risk — militärischer Fachbegriff: ein Ziel glaubhaft bedrohen zu können, sodass der Gegner es  jederzeit verlieren könnte — die Fähigkeit dazu wirkt schon vor jedem tatsächlichen Angriff abschreckend. 

²⁸ Kyiv School of Economics (KSE) — ukrainische Hochschule; ihr KSE Institute erfasst die Wirkung der  Russland-Sanktionen, die russische Kriegswirtschaft und die Folgen ukrainischer Tiefenschläge. 

²⁹ Zentrum für makroökonomische Analyse (CMASF) — regierungsnahes russisches  Wirtschaftsforschungsinstitut. 

³⁰ Kpler — kommerzielles Daten- und Analyseunternehmen für Rohstoff- und Schiffsverkehrsdaten; gilt als  führende Quelle beim Tracking von Öltankern und der russischen „Schattenflotte“. 

³¹ ISW — Institute for the Study of War, Washington; Thinktank mit täglicher Lageanalyse zum Ukrainekrieg. ³² Calibre Defence — britisches Fachmedium für Verteidigungsthemen. 

³³ Präemption — vorbeugender (präemptiver) Angriff, um einem für unmittelbar bevorstehend gehaltenen  gegnerischen Schlag zuvorzukommen. 

³⁴ nukleare Teilhabe — NATO-Konzept, bei dem nichtnukleare Mitglieder wie Deutschland im Ernstfall US Atomwaffen mit eigenen Trägerflugzeugen einsetzen und so an der nuklearen Abschreckung mitwirken. 

³⁵ F-35A — US-amerikanisches Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeug (Lockheed Martin); übernimmt in  Deutschland die Rolle des Trägers in der nuklearen Teilhabe. 

³⁶ Tornado — älterer Kampfjet der Bundeswehr, den die F-35A in der Nuklearrolle ablöst. 

³⁷ HIMARS — High Mobility Artillery Rocket System, US-amerikanischer radgestützter  Mehrfachraketenwerfer (u. a. Trägersystem für ATACMS). 

³⁸ Oreschnik — russische nuklearfähige Mittelstreckenrakete, erstmals im November 2024 gegen Dnipro  eingesetzt. 

³⁹ SCALP — französische Version des Storm Shadow (siehe ²²). 

⁴⁰ Taurus Neo — modernisierte Version des Taurus mit deutschem Triebwerk (statt des exportkontrollierten  bisherigen), Serienreife ab 2029. 

⁴¹ Land Cruise Missile — landgestützter französischer Marschflugkörper von MBDA, ab 2029 lieferbar; das  einzige unmittelbare europäische Gegenstück zum Tomahawk. 

⁴² MBDA — europäischer Lenkflugkörperhersteller mit Standorten in Frankreich, Großbritannien, Italien und  Deutschland. 

⁴³ Trinity-House-Abkommen — deutsch-britisches Verteidigungsabkommen von 2024, u. a. zur gemeinsamen  Entwicklung weitreichender Präzisions- und Hyperschallwaffen. 

⁴⁴ Hyperschallwaffen — Flugkörper mit mehr als fünffacher Schallgeschwindigkeit und manövrierfähiger  Flugbahn, dadurch von heutiger Luftverteidigung nur schwer abzufangen. 

⁴⁵ FP-5 „Flamingo“ — ukrainischer bodengestützter Marschflugkörper großer Reichweite (rund 3.000 km),  bewusst einfach und günstig konstruiert. 

⁴⁶ Titan-Barrikady — russisches Rüstungswerk in Wolgograd, u. a. Produktionsstätte für Raketensysteme.

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