Die europäische Rüstungsorganisation OCCAR hat eine Option aus dem Boxer-Serienvertrag gezogen und 69 zusätzliche Radschützenpanzer RCT 30 beauftragt. Die Bundeswehr erhält davon 35 Fahrzeuge, das niederländische Heer 34.
Optionsauslösung aus dem Vertrag von 2025
Das Gemeinschaftsunternehmen ARTEC, an dem KNDS Deutschland und Rheinmetall beteiligt sind, hat nach Unternehmensangaben vom 7. August 2026 den Auftrag über 69 weitere Radschützenpanzer des Typs Boxer RCT 30 für die deutschen und niederländischen Streitkräfte erhalten. Auftraggeber ist die Beschaffungsbehörde OCCAR. Es handelt sich nicht um eine Neubeschaffung, sondern um die Auslösung einer Option aus dem im Oktober 2025 geschlossenen Vertrag über 222 Systeme.
Damit steigt die deutsche Stückzahl von 150 auf 185 Fahrzeuge. Die Niederlande, die bislang 72 Systeme bestellt hatten, kommen mit den zusätzlichen 34 Fahrzeugen auf insgesamt 106 Radschützenpanzer. Beide Nationen zusammen haben nun 291 Systeme unter Vertrag.

Der zugrundeliegende Rahmen war am 17. Oktober 2025 zwischen der OCCAR und ARTEC vereinbart worden, zwei Tage nachdem der Haushaltsausschuss des Bundestages Mittel in Höhe von rund 3,4 Milliarden Euro für die deutsche Grundbeschaffung freigegeben hatte. Der Vertrag umfasst neben den Fahrzeugen ein Logistikpaket mit Ersatzteilen, Ausbildungsmitteln und Sonderwerkzeugen sowie eine Option auf bis zu 248 weitere Systeme, davon 200 für die Bundeswehr. Der jetzige Abruf entspricht damit einer ersten Teilauslösung dieser Option. Der Haushaltsausschuss hatte die dafür erforderliche Vorlage am 24. Juni 2026 gebilligt.
Rolle im Heer
Der Boxer RCT 30 wird in der Bundeswehr unter der Bezeichnung „Schakal“ eingeführt. Er kombiniert das Fahrmodul des Radpanzers Boxer mit dem unbemannten 30-Millimeter-Turm des Schützenpanzers Puma. Nach Herstellerangaben ermöglicht diese Konfiguration die Bekämpfung beweglicher Ziele auch aus der Fahrt heraus. Das System ist zudem zur Drohnen- und Fliegerabwehr befähigt. Über das integrierte Panzerabwehrsystem MELLS, ein mehrrollenfähiges leichtes Lenkflugkörpersystem, können auch Kampfpanzer bekämpft werden. Die Absitzstärke beträgt sechs Soldaten.
Der Schakal soll das primäre Waffensystem der Grenadierverbände in der neu aufgestellten Kräftekategorie „Mittlere Kräfte“ des Heeres werden. Diese Kategorie schließt die Lücke zwischen schweren gepanzerten und leichten Kräften und setzt auf Verlegefähigkeit und Mobilität. Neben dem Schakal sollen das Spähfahrzeug Luchs 2 und die Radhaubitze RCH 155 das Rückgrat dieser Struktur bilden. Ein Teil der veralteten Schützenpanzer Marder soll dadurch ersetzt werden. Die ersten Fahrzeuge werden nach bisheriger Planung ab Ende 2027 ausgeliefert.
Beobachter hatten bereits nach Vertragsschluss im Herbst 2025 mit weiteren Abrufen gerechnet, unter anderem weil die künftige Heeresstruktur noch nicht abschließend festgelegt ist und für den Aufbau einer Umlaufreserve zusätzliche Fahrzeuge benötigt werden. Bei vollständiger Ziehung der Option käme das deutsche Heer auf bis zu 350 Systeme.
Kooperation und Nutzerkreis
KNDS-Deutschland-Chef Florian Hohenwarter verwies auf die langjährige Zusammenarbeit mit den niederländischen Streitkräften, die zuvor bereits beim Leopard 2 und beim Boxer bestanden habe. Er argumentierte, dass gemeinsame Beschaffungen über höhere Stückzahlen zu kürzeren Lieferzeiten führten und sich positiv auf Ausbildung, Logistik und die Interoperabilität der beteiligten Streitkräfte auswirkten.
Der Boxer ist bislang in sieben Nationen im Einsatz. Die Variante RCT 30 steht mit Deutschland und den Niederlanden in vier Staaten unter Vertrag. Die OCCAR, der derzeit Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich angehören, tritt bei dem Programm als Vertragsbehörde auf und begleitet Entwicklung, Beschaffung, Auslieferung und Nutzungsphase.
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