Rheinmetall und Space Norway bündeln Satellitenfähigkeiten zur Seeraumüberwachung

Die Rheinmetall AG und das norwegische Staatsunternehmen Space Norway AS wollen ihre weltraumgestützten Aufklärungsfähigkeiten enger verzahnen. Im Mittelpunkt der am 15. Juli 2026 unterzeichneten Absichtserklärung steht die Überwachung großflächiger Seegebiete in der Arktis und im Nordatlantik.
Foto: Rheinmetall AG

Die Rheinmetall AG und das norwegische Staatsunternehmen Space Norway AS wollen ihre weltraumgestützten Aufklärungsfähigkeiten enger verzahnen. Im Mittelpunkt der am 15. Juli 2026 unterzeichneten Absichtserklärung steht die Überwachung großflächiger Seegebiete in der Arktis und im Nordatlantik.

Rahmen für gemeinsame Vorhaben

Beide Unternehmen haben ein Memorandum of Understanding (MoU) geschlossen, das ihre Zusammenarbeit bei weltraumgestützten Fähigkeiten für Verteidigungsanwendungen ausweiten soll. Die Vereinbarung knüpft an einen bereits bestehenden Austausch an und legt einen Rahmen fest, innerhalb dessen gemeinsame Projektmöglichkeiten geprüft werden.

Inhaltlich geht es um Satellitenkommunikation, Sensoren und Missionssysteme sowie deren Anbindung an übergeordnete Führungs- und Informationssysteme. Ziel ist die Entwicklung künftiger Fähigkeiten zunächst für Kunden in Deutschland und perspektivisch für weitere verbündete Staaten. Im Fokus steht dabei die maritime Lagebilderstellung.

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C-Band und X-Band als sich ergänzende Radarverfahren

Kern der Vereinbarung ist die geplante Einbindung der C-Band-Radarfähigkeiten von Space Norway. Beide Firmen setzen auf Synthetic Aperture Radar (SAR) – ein aktives Radarverfahren, das unabhängig von Tageslicht und Wetterlage Aufnahmen der Erdoberfläche liefert und damit auch durch Wolken oder Niederschlag hindurch Bilder erzeugen kann.

Deutschland verfügt bereits über eine hochauflösende X-Band-SAR-Fähigkeit. Sie wird über das Programm SPOCK-1 (SAR Space System for Persistent Operational Tracking, Stufe 1) durch das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall ICEYE Space Solutions auf Basis der Satellitentechnik des finnischen Herstellers ICEYE bereitgestellt. Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw hatte den Betreibervertrag im Dezember 2025 mit einem Bruttowert von rund 1,7 Milliarden Euro vergeben; die Produktion der Satelliten soll am Rheinmetall-Standort Neuss anlaufen. Die Aufklärungsdaten dienen unter anderem dem Schutz der Brigade Litauen und der Sicherung der NATO-Ostflanke.

Nach Darstellung der Unternehmen ergänzen sich die beiden Frequenzbänder: Während X-Band-SAR die hochauflösende Aufklärung einzelner Ziele erlaubt, liefert C-Band-SAR einen großflächigen Überblick über weite Seegebiete. Für ein durchgängiges maritimes Lagebild seien beide Verfahren erforderlich.

Einordnung: Hoher Norden und das Hansa-Abkommen

Rheinmetall verweist auf die wachsende operative Bedeutung einer kontinuierlichen Seeraumüberwachung in der Arktis und im Nordatlantik. Große Entfernungen, schwierige Wetterbedingungen und die strategische Lage der Region erhöhten den Bedarf an zeitnah verfügbaren und verlässlichen Informationen.

Die Kooperation steht im Kontext des sogenannten Hansa-Abkommens, das die Verteidigungsminister Deutschlands und Norwegens, Boris Pistorius und Tore O. Sandvik, am 14. Februar 2026 am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz unterzeichnet hatten. Das bilaterale Abkommen benennt fünf Schwerpunkte, darunter weltraumgestützte Überwachung sowie maritime Sicherheit und gemeinsame Marineoperationen im Nordatlantik und in der Nordsee. Es soll die Zusammenarbeit beider Länder bei der Entwicklung eigenständiger Verteidigungsfähigkeiten vertiefen. Vor diesem Hintergrund sollen weltraumgestützte Überwachungssysteme dazu beitragen, bestehende Fähigkeitslücken im Hohen Norden zu schließen.

Stimmen zur Vereinbarung

Timo Haas, CEO der Rheinmetall-Division Digital Systems, bezeichnete das Memorandum als Schritt, um sich ergänzende Weltraumfähigkeiten zusammenzuführen und daraus Lösungen für Kundenanforderungen abzuleiten. Der Schwerpunkt liege auf der praktischen Zusammenarbeit bei Aufklärung und maritimer Überwachung sowie auf der Bereitstellung der nötigen Infrastruktur.

Morten Tengs, CEO von Space Norway, erklärte, die Vereinbarung schaffe eine Grundlage, um gemeinsam zu prüfen, wie sich die Satellitenfähigkeiten und Infrastruktur beider Unternehmen in bestehende und künftige Lösungen einbringen lassen. Besonderes Potenzial sieht er in der großflächigen maritimen Überwachung und im Aufbau eigenständiger Fähigkeiten.

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