Unbemannter Hubschrauber „Wespe“ von Avilus absolviert ersten Flug

Wespe I Foto: Avilus

Der deutsche Drohnenhersteller Avilus hat mit seinem unbemannten Hubschrauber „Wespe“ einen ersten Flug durchgeführt. Das Fluggerät zeigte dabei nach Unternehmensangaben ein stabiles und kontrolliertes Flugverhalten.

Ablauf des Erstflugs

Nach Angaben von Avilus hob das erste Exemplar der ersten Generation mit der Kennung „9Y-01“ am vergangenen Donnerstag (28. Mai 2026) erstmals ab. Gesteuert wurde der Flug ferngelenkt über die Bodenstation des firmeneigenen Steuerungssystems RasCore.

Während des Flugs führte das Gerät sowohl einen Schwebeflug als auch Vorwärts- und Seitwärtsbewegungen aus. Damit habe sich, so das Unternehmen, die Funktion des Flugsteuerungssystems bestätigt. Als nächste Entwicklungsschritte nennt Avilus die schrittweise Erweiterung des zulässigen Flugbereichs sowie die Integration von Fähigkeiten zur Missionssteuerung.

Carlos Hünteler, leitender Ingenieur des Wespe-Programms, erklärte sinngemäß, Besatzung und Fluggerät seien vorbereitet gewesen und der Flug habe diese Einschätzung bestätigt. Man sehe den weiteren Entwicklungs- und Flugtestschritten erwartungsvoll entgegen.

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Einordnung des Systems

Die „Wespe“ ist ein unbemannter Drehflügler mit Verbrennungsmotor. Avilus positioniert das Modell für Transport- und Unterstützungsaufgaben mit einer Reichweite von bis zu rund 300 Kilometern; als mögliche Einsatzfelder werden unter anderem Logistik auf Divisionsebene sowie der Transport von Material und Verwundeten genannt. Branchenangaben zufolge verfügt das Fluggerät über gegenläufige Hauptrotoren mit einem Durchmesser von etwa 6,5 Metern und eine Reisegeschwindigkeit von rund 123 Kilometern pro Stunde. Geplant sind demnach eine kolbenmotorbetriebene Variante mit einer maximalen Startmasse von 650 Kilogramm und einer Nutzlast von 200 Kilogramm sowie eine größere, turbinengetriebene Version mit 900 Kilogramm Startmasse und 350 Kilogramm Nutzlast.

Vorgestellt worden waren die „Wespe“ und der Starrflügler „Bussard“ erstmals im Sommer 2025. Beide ergänzen das bisherige Avilus-Portfolio, zu dem auch der vollelektrische Multicopter „Grille“ für Evakuierungseinsätze über kürzere Distanzen gehört. Nach Unternehmensdarstellung zielt diese Geräteklasse auf einen Bereich zwischen kleinen Drohnen mit begrenzter Reichweite und Nutzlast einerseits sowie bemannten Luftfahrzeugen und musterzugelassenen Großdrohnen andererseits.

Hintergrund: Hersteller und Zulassung

Avilus ist ein deutscher Hersteller, der sich auf unbemannte Luftfahrtsysteme mit Startmassen von bis zu rund einer Tonne spezialisiert hat. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über ein Light UAS Operator Certificate (LUC) nach EASA-Regelwerk, mit dem ein zertifizierter Betreiber bestimmte Drohnenflüge in eigener Verantwortung freigeben kann. Mitte April 2026 bestand Avilus zudem ein Audit des Luftfahrt-Bundesamtes im Rahmen der Fortführung dieser Betriebsgenehmigung.

Im Umfeld der laufenden Entwicklung hat Avilus mehrere Kooperationen geschlossen. Dazu zählen eine Zusammenarbeit mit dem Sensorhersteller Hensoldt zur Ausstattung der Plattformen mit Aufklärungstechnik sowie eine Partnerschaft mit dem Aktuatorenhersteller Volz Servos, dessen redundante Stellantriebe für flugkritische Funktionen der „Wespe“ vorgesehen sind. Im April 2026 vereinbarte das Unternehmen darüber hinaus eine strategische Partnerschaft mit dem südkoreanischen Spezialisten UI Helicopter.

Ausblick

Mit dem ersten Flug der „Wespe“ ist die Erprobung des Modells in eine praktische Testphase eingetreten. Der weitere Verlauf hängt nach Unternehmensangaben von der schrittweisen Ausweitung der Flugtests und der Integration zusätzlicher Funktionen für den Missionsbetrieb ab.

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