Der portugiesische Hersteller autonomer Systeme TEKEVER hat mit TEKEVER Deutschland eine Tochtergesellschaft mit Sitz in München gegründet. Zuvor hatte das Unternehmen der Bundeswehr ein erstes unbemanntes Luftfahrtsystem zur Erprobung übergeben.
Das Technologieunternehmen TEKEVER hat die Gründung von TEKEVER Deutschland bekannt gegeben. Die neue Gesellschaft hat ihren Sitz in München und soll als zentraler Standort für Deutschland, Österreich und die Schweiz dienen. Dort sollen die Bereiche Engineering, Geschäftsentwicklung und Kundenbetreuung gebündelt werden. Zugleich soll der Standort die Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit mit deutschen Partnern aus Industrie, Forschung und Technologie bilden. Das Unternehmen kündigt umfangreiche Investitionen in Deutschland an, beziffert diese jedoch nicht.
Erprobung bei der Bundeswehr
Nach Angaben von TEKEVER arbeitet das Unternehmen bereits mit der Bundeswehr zusammen, um mögliche Einsatzfelder autonomer Systeme zu erproben, darunter Logistik und Versorgung der Streitkräfte. Im Rahmen dieser Bewertung hat die Bundeswehr ein erstes unbemanntes Luftfahrtsystem des Herstellers übernommen. Es handelt sich um eine Schwerlastplattform, mit der die Bundeswehr den operativen Nutzen autonomer Systeme mit großer Reichweite untersuchen und Einsatzkonzepte für komplexe Umgebungen weiterentwickeln will. Zudem hat TEKEVER nach eigener Darstellung an militärischen Übungen teilgenommen. Welches Modell übergeben wurde, nennt die Mitteilung nicht.
Im Schwerlastbereich ist TEKEVER erst seit Kurzem aktiv. Anfang September übernahm das Unternehmen den Edinburgher Antriebsentwickler Flowcopter, dessen hydraulische Übertragungstechnik in die neue AR6-Familie einfließt. Diese ist nach Herstellerangaben für mindestens 200 Kilogramm Nutzlast über Distanzen von mehr als 500 Kilometern ausgelegt; als Anwendungen werden unter anderem Logistik und Verwundetentransport genannt.
Finanzierung und Ausbau in Europa
Der Gründung in Deutschland ging eine Series-D-Finanzierungsrunde von bis zu 580 Mio. US-Dollar voraus, die das Unternehmen mit 6,4 Mrd. US-Dollar bewertet. Angeführt wurde die erste Tranche von UC Investments, der Investmentgesellschaft der University of California, sowie von Baillie Gifford. Die Mittel sollen laut TEKEVER in den Ausbau der internationalen Präsenz, der industriellen und technologischen Kapazitäten sowie in strategische Übernahmen fließen.
Parallel investiert TEKEVER in anderen europäischen Ländern. Für Frankreich kündigte das Unternehmen 200 Mio. Euro an. Im Vereinigten Königreich bündelt es seine Investitionen von 400 Mio. Pfund im Programm OVERMATCH. Teil davon ist ein neues Werk in Swindon, der vierte und bislang größte britische Standort. Seit Beginn der russischen Vollinvasion 2022 hat London nach Regierungsangaben TEKEVER-Drohnen im Wert von rund 270 Mio. Pfund für die Ukraine beschafft.
Davon zu unterscheiden ist ein Auftrag der britischen Armee. Über zehn Jahre hat er einen Wert von bis zu 400 Mio. Pfund. Im Programm Corvus soll das Aufklärungssystem AR5 die bisherige Watchkeeper-Fähigkeit ablösen. Nach Unternehmensangaben trägt das AR5 bis zu 50 Kilogramm Sensornutzlast; die autonomen Systeme des Herstellers haben in der Ukraine seit 2022 mehr als 50.000 Flugstunden absolviert.
Unternehmen und Einordnung
TEKEVER beschreibt sich als vertikal integriertes Unternehmen, das Luftfahrttechnik, Fertigung, Antriebe, Nutzlasten, Kommunikation, Software und Datenanalyse unter einem Dach vereint. Es beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Mitarbeitende an Standorten in Portugal, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Estland, der Ukraine und den USA. Die deutsche Gesellschaft ist Teil der Strategie, in wichtigen europäischen Märkten eigene nationale Strukturen aufzubauen.
CEO Ricardo Mendes bezeichnet die Gründung als wichtigen Schritt der europäischen Wachstumsstrategie. Deutschland sei einer der wichtigsten Standorte Europas für Technologie, Innovation und Industrie. Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr habe gezeigt, welchen Nutzen autonome Technologien etwa in der Logistik und Unterstützung der Streitkräfte haben könnten. Die Verbindung deutscher Ingenieurskompetenz mit den eigenen Systemen solle nach seinen Worten zur technologischen Kompetenz Deutschlands und zur strategischen Autonomie Europas beitragen.
