Ukrainische Brigade berichtet über Einsatz von deutschen HX-2-Drohnen

Eine Drohnenbesatzung der 59. ukrainischen Sturmbrigade setzt nach eigenen Angaben bis zu sieben Loitering Munitions vom Typ HX-2 pro Tag ein. Das in Deutschland von Helsing gefertigte System steht seit Monaten im Fokus einer Debatte über seine Wirksamkeit im Fronteinsatz.
HX-2 | Foto: Helsing

Eine Drohnenbesatzung der 59. ukrainischen Sturmbrigade setzt nach eigenen Angaben bis zu sieben Loitering Munitions vom Typ HX-2 pro Tag ein. Das in Deutschland von Helsing gefertigte System steht seit Monaten im Fokus einer Debatte über seine Wirksamkeit im Fronteinsatz.

Angaben aus der Truppe

Ein Angehöriger der 59. Sturmbrigade der ukrainischen Streitkräfte hat in einem Interview mit dem Sender Army TV beschrieben, in welchem Umfang seine Einheit die HX-2 verwendet. Demnach starte eine Besatzung an einem Tag regelmäßig fünf bis sieben dieser Drohnen. Bei anhaltenden russischen Angriffen oder starkem Druck auf die eigene Infanterie erhöhe sich das Tempo weiter; Vorbereitung, Start und Flugdurchführung liefen dann als durchgehender Zyklus ab. Über die Aussagen berichtete das ukrainische Fachportal Militarnyi Ende Juli 2026.

Die Besatzung ordnet die HX-2 nach eigener Darstellung dem Kampf gegen hochwertige Ziele zu. Genannt werden Artilleriesysteme, gepanzerte Fahrzeuge und Munitionslager. Angaben zu Trefferquoten oder Verlusten machte der Soldat nicht.

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Technische Eckdaten

Die HX-2 ist eine elektrisch angetriebene Loitering Munition in X-Wing-Konfiguration. Das Gesamtgewicht liegt bei rund zwölf Kilogramm, der Gefechtskopf bei etwa 2,5 Kilogramm. Vier Elektromotoren ermöglichen eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 220 km/h, die Einsatzreichweite gibt der Hersteller mit bis zu 100 Kilometern an. Eine integrierte Bildverarbeitung übernimmt Zielerkennung und Zielverfolgung und soll die Drohne in der Endphase des Anflugs auch ohne durchgehende Datenverbindung ins Ziel führen. Über die Steuerungssoftware Altra können nach Herstellerangaben mehrere Systeme von einem Bediener als Verbund geführt werden.

Lieferungen an die Ukraine

Helsing hatte die HX-2 Ende 2024 vorgestellt. Im Februar 2025 kündigte das Unternehmen die Produktion von 6.000 Stück für die ukrainischen Streitkräfte an; zuvor waren bereits 4.000 einfachere Systeme des Typs HF-1 vereinbart worden. Die Finanzierung erfolgte zunächst über einen nicht genannten internationalen Geber, später bestätigte sich eine Beteiligung der Bundesregierung. Parallel eröffnete Helsing in Süddeutschland eine als „Resilience Factory“ bezeichnete Fertigungsstätte.

Nach Herstellerangaben laufen Lieferungen seit Ende 2025; im Zeitraum Dezember bis Februar seien über 1.000 Systeme in die Ukraine gegangen. Öffentlich dokumentierte Einsätze wurden erstmals Anfang März 2026 bekannt, als russische Quellen Trümmerteile veröffentlichten und von Angriffen auf Instandsetzungs- und Pioniertrupps im rückwärtigen Bereich berichteten.

Umstrittene Bewertung

Die Einsatzberichte fallen unterschiedlich aus. Im Januar 2026 berichtete Bloomberg unter Berufung auf eine Präsentation der Bundeswehr sowie auf ukrainische und deutsche Quellen von Startschwierigkeiten bei Erprobungen durch das 14. Regiment der ukrainischen Unmanned Systems Forces. Zudem sei es frontnah durch elektronische Störmaßnahmen zu Abbrüchen der Datenverbindung gekommen. Helsing wies die Darstellung als irreführend zurück und verwies auf die dokumentierte Trefferquote erster Einsätze sowie auf laufende Nachfragen aus der Truppe.

Auch außerhalb der Ukraine wird das System erprobt: Bei der Drohnenabwehrübung „Project Flytrap“ auf dem litauischen Truppenübungsplatz Pabradė testete die U.S. Army die HX-2 nach Unternehmensangaben im Frühjahr 2026.

Beschaffung durch die Bundeswehr

Für die Bundeswehr ist die HX-2 Teil der ersten Beschaffung von Angriffsdrohnen überhaupt. Ende Februar 2026 gab der Haushaltsausschuss des Bundestages Aufträge im Umfang von rund 540 Millionen Euro an Helsing und den Konkurrenten Stark Defence frei. Ursprünglich hatte das Verteidigungsministerium ein Volumen von bis zu 4,3 Milliarden Euro vorgesehen. Der Ausschuss begrenzte den Gesamtauftragswert je Unternehmen auf eine Milliarde Euro und knüpfte Folgebestellungen an eine jeweils gesonderte Zustimmung – ein Verfahren, das von der üblichen Praxis abweicht. Die Systeme sind vorrangig für Verbände an der NATO-Ostflanke vorgesehen.

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