SPOCK 1: Bundeswehr nimmt Aufklärungssatellitensystem in Betrieb

SPOCK 1: Bundeswehr nimmt Aufklärungssatellitensystem in Betrieb
Satellitenkonstellation | Foto: Rheinmetall ICEYE Space Solutions

Seit dem 1. Oktober 2026 liefert das Satellitensystem SPOCK 1 der Bundeswehr Radarbilder für die taktische und operative Ebene. Die volle Operationsfähigkeit soll im kommenden Jahr erreicht werden.

Die Bundeswehr hat den operationellen Betrieb ihres neuen Aufklärungssatellitensystems SPOCK 1 aufgenommen. Die Abkürzung steht für „SAR Spacesystem for persistent operational tracking Stufe 1“. Das System stellt weltweit Aufnahmen von Radarsatelliten bereit. Damit sollen Truppenbewegungen und Kräftezusammenfassungen eines Gegners frühzeitig erkannt und landbasierte Operationen der Bundeswehr unterstützt werden. Betrieben wird SPOCK 1 von der Rheinmetall ICEYE Space Solutions (RISS), einem Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und dem finnischen Unternehmen ICEYE.

Ausrichtung auf die Operationsführung

SPOCK 1 ergänzt die als strategisch eingestuften Satellitensysteme SAR-Lupe und SARah. Der Schwerpunkt liegt nach Angaben der Bundeswehr auf den Anforderungen der Operationsführung: Bilder sollen schnell geliefert und dieselben Gebiete in kurzen Abständen erneut erfasst werden. Die Auswertung erfolgt automatisiert mit Hilfe künstlicher Intelligenz.

SAR-Lupe ist seit 2007 im Einsatz. Das Nachfolgesystem SARah besteht aus drei Satelliten. Beide Systeme nutzen wie SPOCK 1 das Verfahren „Synthetic Aperture Radar“ (SAR). Dabei wird die Erdoberfläche mit Radar statt mit Sonnenlicht abgetastet, sodass Aufnahmen unabhängig von Tageszeit und Wetter möglich sind.

Bedeutung für die Brigade in Litauen

Die Bundeswehr wertet den Betriebsbeginn als Meilenstein für die an der NATO-Ostflanke stationierte Panzerbrigade 45 in Litauen. Nutzer des Systems ist die Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum (CIR). Deren Weltraumbeauftragter, Generalmajor Armin Fleischmann, betont, dass die Aufklärungsfähigkeiten mit SPOCK 1 in kurzer Zeit erweitert worden seien. Für den Schutz der Ostflanke und der Brigade sei dies wesentlich, weil Warnungen früher vorlägen. Zusammen mit den geplanten Ergänzungen sei das System zudem ein Schritt für die Fähigkeiten der Teilstreitkraft und für die Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung.

Bereits bei der Billigung der Haushaltsmittel im Dezember 2025 hatte das Verteidigungsministerium das Vorhaben mit der Lage an der NATO-Ostflanke und dem Einsatz der deutschen Brigade in Litauen begründet.

Betreibermodell mit Rheinmetall und ICEYE

Die Bundeswehr kauft bei SPOCK 1 keine eigenen Satelliten, sondern bezieht Aufklärungsdaten über einen Betreibervertrag. Diesen schloss das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) am 18. Dezember 2025 mit RISS, einen Tag nach der Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestages. Das Volumen wurde vom Fachmagazin ESUT mit 1,7 Milliarden Euro angegeben. Die Konstellation bleibt demnach Eigentum des Betreibers, die Bundeswehr erhält exklusiven Zugang. Zum Leistungsumfang gehören der Betrieb, das Management der Bodenstation und eine KI-gestützte Erstauswertung der Bilder.

Das Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Neuss wurde im November 2025 gegründet. Rheinmetall hält 60 Prozent der Anteile, ICEYE 40 Prozent. Der Vertrag läuft laut ESUT bis Ende 2030 und kann zweimal um je ein Jahr verlängert werden.

Zeitplan und weiterer Ausbau

Nach Angaben der Bundeswehr wurde das Vorhaben seit dem Projektstart im Februar 2025 ohne Verzögerungen umgesetzt. Der Betriebsbeginn am 1. Oktober 2026 entspricht dem Termin, der bei Vertragsschluss für die anfängliche Betriebsfähigkeit genannt worden war.

In den kommenden Monaten soll das Satellitennetz erweitert werden, außerdem kommen weitere Auswertefunktionen hinzu. Die volle Operationsfähigkeit ist laut Bundeswehr für 2027 vorgesehen.

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