Rheinmetall sieht einen Bedarf von über 1.000 Flugabwehrkanonenpanzern des Typs Skyranger 30 – mehr als die Hälfte davon allein für die Bundeswehr. Bestellt wurden bislang jedoch lediglich 93 Systeme von vier verschiedenen Staaten. Höchste Zeit also, einen genaueren Blick auf die bisherigen Bestellungen und Interessenten für den Skyranger 30 zu werfen.
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Technische Daten
Beim Skyranger 30 handelt es sich um ein integriertes, mobiles Flugabwehrsystem, das in der Lage ist, Ziele selbstständig aufzuklären, zu verfolgen und zu bekämpfen. Der Skyranger-30-Turm wiegt rund drei Tonnen und verfügt über ein ballistisches Schutzniveau von bis zu STANAG 4569 Level 4. Darüber hinaus ist der Turm mit dem Schnellnebelsystem ROSY ausgestattet, um sich der feindlichen Sicht zu entziehen.
Die Bewaffnung besteht aus einer 30-mm-Revolverkanone vom Typ Oerlikon KCE-ABM sowie Flugabwehrraketen kurzer Reichweite. Der Skyranger 30 A3 stellt damit eine Hybridlösung dar. Der Vorteil dieses Konzepts liegt darin, dass sich Kanone und Flugabwehrraketen optimal ergänzen. Während Flugabwehrraketen in der Regel eine innere Todeszone von rund einem Kilometer aufweisen, kann die Kanone in diesem Entfernungsbereich wirksam eingesetzt werden. Umgekehrt gleichen die Flugabwehrraketen die begrenzte maximale Kampfentfernung der Kanone aus.
Die maximale Kampfentfernung der Revolverkanone wird mit rund 3.000 Metern angegeben, variiert jedoch je nach Zielart. Kleinere Luftziele können effektiv bis etwa 1.200 Meter bekämpft werden, größere Ziele wie beispielsweise Hubschrauber auf Entfernungen von zwei bis drei Kilometern. Zu den bekämpfbaren Luftzielen zählen unter anderem Flugzeuge, Hubschrauber, Drohnen sowie sogenannte RAM-Bedrohungen. RAM steht dabei für Rocket, Artillery und Mortar. Der Skyranger 30 ist jedoch klar auf die Bekämpfung unbemannter Luftfahrzeuge spezialisiert. Darüber hinaus ist auch die Bekämpfung ungepanzerter und leicht gepanzerter Bodenziele möglich.
Laut Dr. Vischer, dem konzeptionellen Vater des Skyranger 30, ist auch eine Bekämpfung aus der Bewegung heraus grundsätzlich möglich, wobei die Trefferwahrscheinlichkeit dabei sinkt. Während die Zielaufklärung aus der Bewegung problemlos erfolgen kann, wird für die Bekämpfung von Luftzielen ein kurzer Halt empfohlen.
Die Feuerrate der Kanone liegt bei bis zu 1.250 Schuss pro Minute, der Munitionsvorrat beträgt bis zu 300 Schuss. Eingesetzt wird programmierbare Airburst-Munition. Diese enthält eine große Anzahl von Subprojektilen, die zu einem individuell elektronisch programmierten Zeitpunkt ausgestoßen werden und so das Ziel zerstören. Dadurch wird eine deutlich höhere Wirkung bei geringerem Munitionsverbrauch erzielt.
Neben der 30-mm-Revolverkanone verfügt der Skyranger 30 über Flugabwehrraketen kurzer Reichweite. Je nach Typ können zwei bis vier Lenkflugkörper mitgeführt werden. Zur Auswahl stehen unter anderem Stinger, Mistral sowie die Small Anti Drone Missile (SADM) von MBDA. Von letzterer können aufgrund ihrer geringeren Größe sogar bis zu neun Stück integriert werden. Laut Dr. Vischer ist auch die Integration weiterer Flugabwehrraketen kurzer Reichweite, beispielsweise der RBS 70, grundsätzlich denkbar.
Die Sensorik des Systems basiert auf dem Spexer-2000-Radar von Hensoldt. Dabei handelt es sich um ein AESA-Radar mit einer instrumentierten Reichweite von rund 35 Kilometern. Ergänzt wird dieses durch eine vollstabilisierte elektrooptische Sensoreinheit mit Video- und Infrarotkamera sowie zwei Laserentfernungsmessern, von denen einer für Luftziele und der andere für Bodenziele optimiert ist. In Verbindung mit dem Skymaster-Führungssystem ist der Skyranger 30 in der Lage, ein eigenes Luftlagebild zu erzeugen und zusätzlich Zieldaten externer Radare und Führungssysteme zu verarbeiten. Optional kann das System mit dem Infrarotsensor FIRST sowie einem Ku-Band-Zielverfolgungsradar ergänzt werden.
Als Trägerplattformen kommen grundsätzlich 6×6- oder 8×8-Radfahrzeuge sowie Kettenfahrzeuge infrage. Die Besatzung besteht aus drei Personen: Kommandant, Richtschütze und Fahrer.
Bestellungen
Deutschland
Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages genehmigte am 21. Februar 2024 die Beschaffung des Flugabwehrkanonenpanzers Skyranger 30. Bereits wenige Tage später, am 27. Februar 2024, erteilte die Bundeswehr Rheinmetall einen Auftrag im Wert von 595 Millionen Euro für die Entwicklung und Lieferung des Systems im Rahmen des Teilprojekts 3 des Luftverteidigungssystems Nah- und Nächstbereichsschutz (LVS NNbS).
Der Vertrag umfasst die Lieferung eines Nachweismusters sowie 18 Serienfahrzeugen und damit insgesamt 19 Flugabwehrkanonenpanzer. Darüber hinaus besteht eine Option auf 30 weitere Systeme, wodurch sich die Stückzahl auf bis zu 49 Fahrzeuge erhöhen könnte. Neben den Flugabwehrkanonenpanzern beinhaltet der Vertrag auch acht Nachladefahrzeuge zur Munitionsversorgung, acht Werkstattausstattungen für die Instandhaltung sowie 18 On-Board-Simulatoren zur Ausbildung der Besatzungen. Die Finanzierung erfolgt nahezu vollständig aus dem Sondervermögen der Bundeswehr.
Als Trägerplattform kommt der GTK Boxer zum Einsatz. Als Sekundärbewaffnung entschied sich die Bundeswehr für die Small Anti Drone Missile (SADM) von MBDA.
Ende Januar 2025 übergab Rheinmetall das Nachweismuster an die Bundeswehr. Die Übergabe war ursprünglich bereits für Ende 2024 vorgesehen. Nach der Einweisung der Besatzungen in die Bedienung des komplexen Waffensystems begann im Frühjahr 2025 die Erprobung durch die Bundeswehr. Aufgrund von Kapazitätsengpässen bei der Produktion der Fahrmodule sowie bei der Integration der Türme auf die GTK Boxer verzögert sich die Auslieferung der Serienfahrzeuge jedoch um rund 18 Monate. Aktuell ist davon auszugehen, dass die Truppe erst ab 2028 mit den dringend benötigten Flugabwehrkanonenpanzern rechnen kann.
Der tatsächliche Bedarf der Bundeswehr geht jedoch deutlich über die bislang beauftragten Systeme hinaus. Gut informierten Kreisen zufolge besteht über alle Teilstreitkräfte hinweg ein Bedarf von rund 500 bis 600 Skyranger 30. Das geschätzte Kostenvolumen für eine Beschaffung in diesem Umfang würde sich auf etwa sechs bis neun Milliarden Euro belaufen.

Österreich
Österreich markiert einen bedeutenden Meilenstein für den Skyranger 30, da das Land den ersten Serienauftrag für dieses Flugabwehrsystem erteilt hat. Im Rahmen des Aufwuchsplans des Österreichischen Bundesheeres wurde Rheinmetall mit der Lieferung von 36 Flugabwehrkanonenpanzern beauftragt. Der Auftrag hat ein Volumen im mittleren dreistelligen Millionenbereich, wobei die genaue Summe nicht öffentlich kommuniziert wurde.
Bei diesem Vorhaben fungiert Rheinmetall als Unterauftragnehmer des Fahrzeugherstellers General Dynamics European Land Systems (GDELS). GDELS ist im Rahmen der Mobilitätsoffensive der österreichischen Streitkräfte mit der Erneuerung der gesamten Pandur-Fahrzeugflotte beauftragt. Als Trägerplattform dient daher das 6×6-Radfahrzeug Pandur EVO, das sich durch hohe Mobilität und einen modularen Aufbau auszeichnet und bereits in verschiedenen Varianten bei den österreichischen Streitkräften im Einsatz ist.
Als Sekundärbewaffnung hat sich das Österreichische Bundesheer für die Flugabwehrrakete Mistral aus französischer Produktion entschieden. Die Auslieferung der 36 Systeme soll noch in diesem Jahr beginnen.

Niederlande
Die Niederlande kündigten bereits im Januar 2025 die Beschaffung von 22 Skyranger 30 an, bevor am 11. Dezember 2025 die formelle Bestellung ausgelöst wurde. Rheinmetall bestätigte den Auftrag über eine zweistellige Anzahl von Skyranger-Flugabwehrsystemen in einer Pressemitteilung. Der Auftragswert bewegt sich im hohen dreistelligen Millionenbereich.
Als Trägerplattform wählten die niederländischen Streitkräfte das Armoured Combat Support Vehicle (ACSV) G5 des Unternehmens FFG. Der ACSV G5 dient ebenfalls als Trägerplattform für das niederländische National Manoeuvre Air Defence System (NOMADS), einen Flugabwehrraketenpanzer zum Schutz von Manöverelementen der Landstreitkräfte in Frontnähe. Diese Plattformgleichheit ermöglicht erhebliche logistische Synergien und vereinfacht sowohl Ausbildung als auch Instandhaltung.
Hinsichtlich der Lenkflugkörperbewaffnung verfolgen die Niederlande einen zweistufigen Ansatz. Als Übergangslösung sollen zunächst Stinger-Flugabwehrraketen integriert werden. In einer späteren Phase könnten spezialisierte Anti-Drohnen-Flugkörper nachgerüstet werden, um der zunehmenden Bedrohung durch unbemannte Luftfahrzeuge noch wirksamer zu begegnen.
Neben den Waffensystemen umfasst der Vertrag auch die Integration in die bestehende niederländische Luftverteidigungsarchitektur. Darüber hinaus werden stationäre Simulatoren für die Ausbildung sowie ein umfassendes Logistikpaket bereitgestellt. Ergänzend haben die Niederlande taktische Führungscontainer und Transportplattformen für den rein stationären Einsatz bestellt, was auf eine hohe Flexibilität in der Verwendung des Systems hindeutet.
Die Produktion erfolgt gestaffelt: Die ersten drei Prototypen werden in der Schweiz gefertigt, wo Rheinmetall über entsprechende Produktionskapazitäten verfügt. Die Fertigung der restlichen Systeme soll anschließend in den Niederlanden erfolgen, um lokale Wertschöpfung zu generieren und technologisches Know-how im Land zu stärken. Die Auslieferung der Systeme ist für den Zeitraum zwischen Ende 2028 und Ende 2029 geplant.

Dänemark
Die dänische Beschaffungsbehörde FMI unterzeichnete am 27. September 2024 einen Vertrag mit der Rheinmetall-Tochter Rheinmetall Air Defence über die Lieferung von 16 Skyranger 30. Der Auftragswert liegt im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Zusätzlich zu den Waffensystemen bestellte Dänemark Munition im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.
Der Lieferplan ist gestaffelt: Vier Prototypen sollen bis Ende 2026 ausgeliefert werden, um frühzeitige Tests und die Ausbildung der Besatzungen zu ermöglichen. Die restlichen zwölf Systeme folgen in den Jahren 2027 und 2028.
Als Trägerplattform wählte das dänische Heer den Piranha V 8×8 von GDELS, der bereits seit geraumer Zeit in verschiedenen Konfigurationen bei den dänischen Streitkräften im Einsatz ist. Bei der Zweitbewaffnung setzen die dänischen Streitkräfte – ebenso wie die österreichischen – auf den französischen Boden-Luft-Flugkörper Mistral 3, die neueste Generation dieser bewährten Lenkwaffe.

Ungarn
Ungarn verfolgt einen eigenen Entwicklungsansatz für den Skyranger 30. Am 15. Dezember 2023 wurde in Budapest ein Vertrag zwischen dem NATO- und EU-Mitgliedstaat und Rheinmetall Hungary über die konzeptionelle Entwicklung des Skyranger-30-Turms für die zukünftige Flugabwehrvariante des Lynx KF41 unterzeichnet. Der Entwicklungsvertrag hat einen Wert von nahezu 30 Millionen Euro und markiert einen wichtigen Schritt in der Modernisierung der ungarischen Luftverteidigung.
Ungarn setzt damit – ebenso wie die Niederlande – auf ein Kettenfahrzeug. Der Lynx ist ein moderner Schützenpanzer, der ebenfalls von Rheinmetall entwickelt wurde und sich durch hohe Mobilität, starken Schutz und Modularität auszeichnet. Die Integration des Skyranger-30-Turms auf das Lynx-Chassis erfordert umfangreiche Anpassungsentwicklungen, da die Schnittstellen, Stabilisierungssysteme sowie die Integration in die Fahrzeugelektronik neu konzipiert werden müssen.
Laut der Zeitschrift ES&T plant Ungarn die Beschaffung von 18 Systemen. Über den genauen Zeitplan für die Serienproduktion und Auslieferung sowie über die Gesamtkosten des Vorhabens liegen derzeit keine offiziellen Informationen vor.

Interessenten
Abgesehen von den bisher recht überschaubaren Bestellungen gibt es jedoch eine ganze Reihe von Staaten, die Interesse an der Beschaffung des Skyranger 30 bekundet haben.
Italien plant im Rahmen des Vorhabens „Army Armoured Combat System“, kurz A2CS, die Beschaffung von bis zu 1.050 Lynx KF41 in 16 verschiedenen Varianten. Darunter befindet sich auch eine Flugabwehrvariante mit Skyranger-30-Turm. Wie viele Skyranger 30 Italien beschaffen will, ist bislang nicht bekannt. Das Kostenvolumen des Gesamtvorhabens wird auf bis zu 16 Milliarden Euro geschätzt.
Auch Polen soll nach der russischen Drohnenattacke am 18. September 2025 bei Rheinmetall bezüglich des Skyranger 30 angeklopft haben. Bei dem Vorfall flogen mindestens 19 russische Kamikazedrohnen teilweise Hunderte Kilometer weit nach Polen hinein, wobei nur eine Handvoll abgeschossen werden konnte. Dieser Zwischenfall schreckte die NATO auf und verdeutlichte Lücken in der polnischen Luftverteidigung. Abgesehen davon, dass Polen Interesse am System Skyranger 30 hat, sind keine weiteren Details bekannt.
Neben Polen soll auch Rumänien Interesse am Skyranger 30 von Rheinmetall haben, möglicherweise ebenfalls auf Basis des Lynx KF41.
Auch Litauen prüft nach Angaben von Rheinmetall die Einführung des Skyranger 30 auf Basis des GTK Boxer.
Die tschechische Armee zeigte auf der Messe IDET 2025 Interesse am Skyranger 30. Die tschechischen Streitkräfte sind aktuell auf der Suche nach einem mobilen Flugabwehrsystem für den Nah- und Nächstbereich, und der Skyranger 30 könnte gut in dieses Anforderungsprofil passen. Bis zu einem möglichen Vertragsabschluss dürfte es jedoch noch etwas dauern.
Am 24. Juni 2025 bestätigte der belgische Verteidigungsminister Theo Francken, dass Belgien Interesse an der Beschaffung des Skyranger 30 hat. Die Ankündigung erfolgte im Rahmen des Programms Strategic Vision 2025, das Beschaffungs- und Fähigkeitsziele für den Zeitraum von 2026 bis 2034 festlegt. Die Beschaffung soll dazu beitragen, die NATO-Fähigkeitsziele zu erfüllen und die Fähigkeitslücke in der mobilen Nah- und Nächstbereichsflugabwehr zu schließen. Laut der belgischen Zeitung De Morgen denkt man in Belgien über die Beschaffung von 20 Systemen nach.
Armasuisse-Chef Urs Loher sagte im Oktober des vergangenen Jahres, dass man den Skyranger auch für die Schweiz ins Auge fasse. Allerdings dürfte eine Beschaffung erst ab 2030 spruchreif werden. Bei der Flugabwehr für kurze Distanzen ist eine Beschaffung ab 2032 geplant, da erst dann die aktuellen Systeme ihr Nutzungsende erreichen. Sowohl die schultergestützten Stinger-Raketen als auch die aus den 1960er-Jahren stammenden Fliegerabwehrkanonen sind für die moderne Drohnenabwehr ungeeignet.
Zu guter Letzt ist bekannt, dass auch Saudi-Arabien Interesse an der Beschaffung des Skyranger 30 hat.
Fazit
Der Skyranger 30 ist zweifelsohne einer der leistungsfähigsten und modernsten Flugabwehrkanonenpanzer auf dem Markt. Mit festen Bestellungen aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Dänemark sowie einem Entwicklungsauftrag aus Ungarn hat das System seinen Durchbruch am Markt bereits geschafft. Insgesamt wurden bislang 93 Systeme fest bestellt. Rheinmetall geht davon aus, deutlich mehr als 1.000 Skyranger verkaufen zu können, so Rheinmetall-CEO Armin Papperger.
Das große Interesse weiterer NATO-Staaten wie Italien, Polen, Tschechien, Belgien und Rumänien sowie neutraler Länder wie der Schweiz legt nahe, dass sich diese Einschätzung künftig bewahrheiten könnte. Rheinmetall steht nun vor der Herausforderung, die stark gestiegene Nachfrage zu bewältigen. Mit den erwarteten Folgeaufträgen der Bundeswehr im Wert von sechs bis neun Milliarden Euro und dem Interesse der genannten Staaten könnte der Skyranger 30 zu einem der kommerziell erfolgreichsten Flugabwehrsysteme der kommenden Jahre werden. Die aktuelle geopolitische Lage und die zunehmende Bedrohung durch Drohnen dürften die Nachfrage nach diesem System weiter befeuern.
