Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat einen Milliardenauftrag der Bundeswehr für autonome Kampfdrohnen erhalten. Der Vertrag wurde am 22. April 2026 in Koblenz unterzeichnet.
Auftrag und Umfang
Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hatte dem Rahmenvertrag am 15. April 2026 zugestimmt. Das Vertragsvolumen beläuft sich laut übereinstimmenden Berichten auf bis zu 2,4 Milliarden Euro. Im ersten Abruf sind zunächst 2.500 Drohnen des Typs FV-014 für rund 300 Millionen Euro fest beauftragt. Optional sieht der Rahmenvertrag eine fünfstellige Gesamtstückzahl vor. Der Auftrag wird im April 2026 verbucht.
Die Beschaffung des FV-014 ergänzt zwei bereits im Februar 2026 geschlossene Rahmenvereinbarungen mit den Unternehmen Helsing und Stark Defence, die ebenfalls Loitering-Munition-Systeme mittlerer Reichweite für die Bundeswehr liefern sollen. Damit setzt das Verteidigungsministerium einen beschleunigten Beschaffungsweg fort, bei dem Qualifizierung, Produktanpassungen und erste Truppentests parallel ablaufen.

Technische Merkmale des FV-014
Das FV-014 ist für den Einsatz auf Reichweiten bis zu 100 Kilometer ausgelegt und vereint Aufklärung und Wirkung in einem einzigen System. Das Startgewicht beträgt rund 20 Kilogramm bei einem Nutzlastanteil von etwa 6 Kilogramm. Der Gefechtskopf vom Typ HEDP (High-Explosive Dual Purpose) ist in der Lage, mehr als 600 mm Panzerstahl zu durchdringen und wirkt darüber hinaus auch gegen ungepanzerte Ziele und Infrastruktur.
Die Flugdauer beträgt bis zu 70 Minuten, was ausreichend Zeit für Beobachtung, Zielauswahl und Angriffsentscheidung lässt. Start und Transport erfolgen aus einem Behälter mittels Booster-Antrieb; nach dem Start entfalten sich die Klappflügel.
Ein wesentliches Merkmal des Systems ist die durchgehende Einbindung des Bedieners in den Entscheidungsprozess (Human-in-the-Loop). Der Operator kann Ziele identifizieren, den Angriff einleiten oder die Mission bei veränderten Bedingungen abbrechen. Darüber hinaus ist das System für den Einsatz in GNSS-gestörten Umgebungen ausgelegt und für niedrige akustische sowie thermische Signaturen optimiert.
Erprobung und Serienproduktion
Rheinmetall demonstrierte das FV-014 am 18. Februar 2026 im Nationalen Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Cochstedt, Sachsen-Anhalt, erfolgreich vor einem potenziellen NATO-Kunden.
Die Qualifizierung des Systems soll bis September 2026 abgeschlossen sein, danach ist die unmittelbare Serienproduktion vorgesehen – voraussichtlich in einem umgewidmeten Werk in Neuss. Die erste Auslieferung an die Bundeswehr ist für die erste Jahreshälfte 2027 geplant. Die Bundeswehr strebt bis 2028 eine erste Einsatzbereitschaft mit den Loitering-Munition-Systemen an. Geliefert werden soll in Einsatzsets, bestehend aus Fluggeräten, einer Bodenkontrollstation sowie Logistik- und Ausbildungspaketen.
Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger betonte, das Unternehmen werde das System in Kürze im industriellen Maßstab produzieren und sehe darin einen wichtigen Beitrag zum Schutz eigener Kräfte sowie zur präzisen Bekämpfung militärischer Ziele.
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