Neuer Marinestützpunkt: Emden soll zweiter Nordseehafen werden

Neuer Marinestützpunkt: Emden soll zweiter Nordseehafen werden
Quelle: Bundesanstalt für Wasserbau / MArs WHV

Die Deutsche Marine soll nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa einen neuen Stützpunkt im ostfriesischen Emden bekommen. Einzelheiten wollen Verteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies am kommenden Montag vor Ort vorstellen.

Die Bundeswehr plant an der Nordseeküste einen zweiten Marinehafen neben Wilhelmshaven. Nach dpa-Angaben ist die Wahl auf Emden gefallen. Eine offizielle Bestätigung steht aus: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) äußerte sich auf Nachfrage nicht zu einer möglichen Standortentscheidung.

Liegeplätze für Fregatten, Minensucher und Schlepper

Laut dpa soll der neue Stützpunkt Liegeplätze für sieben Fregatten, zehn Minensucher und zehn Schlepper bieten. Am Standort sollen voraussichtlich mehr als tausend Soldatinnen, Soldaten und zivile Beschäftigte arbeiten. Die Ostfriesen-Zeitung nennt rund 1.500 Soldatinnen und Soldaten, die im neuen Marinestützpunkt stationiert werden sollen. Nach dpa-Informationen benötigt die Marine eine Fläche von 40 Hektar mit Option auf weitere 10 Hektar.

Das Verteidigungsministerium hat bislang keine Angaben zum Auswahlverfahren, zu den Kriterien oder zu den geprüften Orten gemacht. Es verwies zuletzt auf veränderte Anforderungen an Standorte und Liegenschaften, die sich aus dem geplanten personellen Aufwuchs der Streitkräfte ergäben.

Termin in Emden am 5. Oktober

Für Montag, den 5. Oktober, werden Pistorius und Lies (SPD) in Emden erwartet. Laut einer Einladung der niedersächsischen Staatskanzlei wollen sie über das weitere Vorgehen zu einem möglichen neuen Marinestützpunkt informieren. Teilnehmen sollen auch der neue Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Wilhelm Tobias Abry, sowie Emdens Erster Stadtrat Horst Jahnke (SPD).

Die Landesregierung in Hannover hatte sich zuvor für Emden als Marinestandort ausgesprochen. Eine Sprecherin des Ministerpräsidenten bezeichnete Niedersachsen als wichtigstes Bundeswehr-Bundesland und verwies auf das Interesse der Landesregierung an einem starken Standort Emden. Laut dem Fachmagazin Marineforum soll die Stadt Emden zugesichert haben, die Unterbringung von bis zu 1.600 Bundeswehrangehörigen im Stadtgebiet zu ermöglichen.

Suche nach einem zweiten Standort

Bislang verfügt die Marine an der Nordsee nur über den Stützpunkt in Wilhelmshaven. Seit April ist bekannt, dass ein weiterer Standort gesucht wird; als Kandidaten galten unter anderem Emden und Bremerhaven. In Emden selbst ist das Vorhaben nicht unumstritten: Widerstand gegen einen zweiten Marinehafen kommt vor allem aus friedenspolitischen Kreisen, zudem wird befürchtet, die Stadt könne im Konfliktfall selbst zum militärischen Ziel werden.

Für Emden wäre es eine Rückkehr der Marine. Bis 1997 unterhielt die Bundeswehr in der größten Stadt Ostfrieslands einen Marinestützpunkt, der dann aufgelöst wurde.

Rysumer Nacken als mögliche Fläche

Nach Angaben der landeseigenen Hafengesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts) verfügt Emden unter allen niedersächsischen Häfen über das größte ungenutzte Flächenpotenzial. Als mögliches Areal gilt der Rysumer Nacken, eine Hafenerweiterungsfläche an der Ems westlich der Stadt. Laut Stadt Emden umfasst das Gebiet rund 234 Hektar Hafenerweiterungsflächen im Eigentum von Niedersachsen Ports.

Stadt, NPorts und Land beraten seit Jahren über die Nutzung der Fläche; bisher waren ausschließlich zivile Projekte vorgesehen. Voraussetzung für eine Entwicklung ist eine bessere Anbindung: Gemeinsam mit der Stadt Emden soll eine mögliche Straßenanbindung an das Entwicklungsgebiet am Rysumer Nacken geplant werden.

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