Bei der Übung Komet 26 hat die Luftlandebrigade 1 im Gefechtsübungszentrum Heer die Verteidigung eines urbanen Raums trainiert. Im Mittelpunkt standen der Schutz kritischer Infrastruktur, der erstmalige Einsatz eines schweren Drohnenkampfzugs und eine vorgezogene chirurgische Versorgung von Verwundeten.
Übung in der Letzlinger Heide
Mehr als 1.200 Soldatinnen und Soldaten der Luftlandebrigade 1 haben in der Übungsstadt Schnöggersburg die Operationsart Verteidigung geübt. Den Kern der Übungstruppe stellte das Fallschirmjägerregiment 26, ergänzt um österreichische Jagdkampfspezialisten. Die Bundeswehr berichtete am 13. Oktober 2026 über die Übung. Das Regiment ist auf die Standorte Zweibrücken in Rheinland-Pfalz und Merzig im Saarland verteilt. Fallschirmjäger kämpfen nach infanteristischen Grundsätzen und sind insbesondere für Luftlandeoperationen ausgebildet und ausgerüstet.
Das Gefechtsübungszentrum Heer erfasst das Geschehen mit Simulationssystemen in Echtzeit. Bewegungen, Feuerkampf sowie Sprech- und Datenfunk werden aufgezeichnet, sodass die Übenden ihr taktisches Verhalten anschließend in der Gruppe und einzeln auswerten können. Schiedsrichter begleiten die Truppe durchgehend. Die im März 2020 fertiggestellte Übungsstadt verfügt über 520 Gebäude, einen Fluss, Brücken, einen rund 400 Meter langen U-Bahn-Tunnel und 800 Meter Kanalisation. Seit 2003 wurden dort nach Angaben der Bundeswehr rund 240.000 Soldatinnen und Soldaten ausgebildet, inzwischen teils bis zu 14.000 pro Jahr. Auch Streitkräfte aus Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und weiteren Staaten nutzen die Anlage.
Schutz kritischer Infrastruktur als Hauptauftrag
Hauptauftrag für die Kompaniechefs war der Schutz kritischer Infrastruktur. In das Szenario flossen Erkenntnisse aus aktuellen Konflikten und aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ein. Soldatinnen und Soldaten aus mehr als vier Kompanien teilten die Stadt in Sektoren auf und bereiteten die Verteidigung vor. Dabei arbeiteten die Fallschirmjäger eng mit der Luftlandepionierkompanie 260 und der Luftlandeaufklärungskompanie 260 zusammen.
Die Pioniere verstärkten das Gelände mit Barrikaden sowie Verlege-, Richt- und Wurfminensperren. Hauptzufahrten und Autobahn wurden gesperrt, enge Straßen zu Sackgassen umgebaut. Bereits in der Vorbereitungsphase setzten die Aufklärer Drohnen ein, um Position und Stärke des Gegners festzustellen.
Auf ziviler Seite gilt seit diesem Jahr ein neuer Rechtsrahmen für den Schutz solcher Anlagen. Das KRITIS-Dachgesetz ist am 17. März 2026 in Kraft getreten und fasst erstmals Sektoren wie Energie, Verkehr, Gesundheit, Trinkwasser, Telekommunikation und öffentliche Verwaltung zusammen. Als Richtwert für eine kritische Anlage auf Bundesebene gilt die Versorgung von mehr als 500.000 Personen.
Erstmals schwerer Drohnenkampfzug
Brigadegeneral Markus Meyer, Kommandeur der Luftlandebrigade 1, bezeichnet das Szenario als realistisch und anspruchsvoll. Er verweist darauf, dass die Brigade erstmals einen schweren Drohnenkampfzug einsetzt und neue Ansätze erprobt. Von der Truppe erwartet er Leistung und die Bereitschaft, aus der Übung zu lernen.
In dem neuen Zug sind Aufklärungsdrohnen für den Nahbereich sowie Kampf- und Abwehrdrohnen gebündelt. Die Kompaniechefs greifen je nach Lage auf diese Fähigkeit zurück. Zum Einsatz kam unter anderem die Minidrohne Black Hornet 4 für die Aufklärung im unmittelbaren Umfeld. Nach Angaben eines Drohnenpiloten dienen die Systeme zwei Zwecken: In der frühen Phase klären sie auf, wo der Gegner seine Kräfte sammelt, im Gefecht richten sie sich direkt gegen feindliche Fahrzeuge und Soldaten. Während der Übung waren nahezu durchgehend Drohnen über dem Gefechtsfeld.
Verlauf des Gefechts
Der Gegner griff mit Kampfpanzern und Artillerieunterstützung schnell über offene Flächen an. Am Stadtrand verzahnten sich Angreifer und Verteidiger, Gebäude wurden umkämpft, genommen und wieder aufgegeben. Für die Fallschirmjäger galt es, den Angriff zu stoppen und den Gegner möglichst zu zerschlagen. Dazu mussten Sicherung, Feindberührung, Feuer und Bewegung sowie der Einsatz der Artillerie koordiniert werden. Als Waffenträger nutzten die Fallschirmjäger den leicht gepanzerten und lufttransportfähigen Wiesel.
Chirurgische Versorgung nahe am Gefecht
Auch im Sanitätsdienst wurden Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine umgesetzt. Ärzte, Rettungsassistenten und Rettungssanitäter waren als luftbewegliche Trupps in den Gefechtsverband eingebunden. Die Luftlanderettungsstation als erste Behandlungsebene nach der Selbst- und Kameradenhilfe ist innerhalb von 30 Minuten einsatzbereit. In diesem Übungsdurchgang wurde sie um ein chirurgisches Element ergänzt, das frühe lebensrettende Eingriffe ermöglicht. Ziel ist, Blutungen möglichst früh zu lokalisieren und zu stillen.
Bilanz
Die abschließende Auswertung ergab hohe Verluste sowohl bei den Verteidigern als auch bei den Angreifern. Nach Einschätzung der Bundeswehr zeigen diese Ergebnisse, dass die neuen Ansätze in der Gefechtsführung weiterentwickelt werden müssen.
