Der Überlinger Rüstungskonzern Diehl Defence und der Satellitendatenanbieter Spire Global wollen künftig im Bereich weltraumgestützter Aufklärung kooperieren. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten beide Unternehmen auf der Luft- und Raumfahrtmesse ILA in Berlin.
Diehl Defence erweitert sein Produktportfolio um weltraumgestützte Komponenten. Grundlage ist eine am 10. Juni 2026 auf der ILA 2026 in Berlin unterzeichnete Vereinbarung mit dem US-amerikanischen Unternehmen Spire Global, das Satellitendaten, -analysen und Aufklärungsleistungen auf Basis einer eigenen Satellitenkonstellation anbietet. Nach Angaben beider Seiten handelt es sich um eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding), die eine mögliche Zusammenarbeit zunächst skizziert.

Inhalt der Vereinbarung
Im Zentrum der geplanten Kooperation stehen die satellitengestützte Aufklärung sowie die Frühwarnung vor ballistischen und Hyperschall-Flugkörpern. Beide Unternehmen wollen dazu ihre jeweiligen Fähigkeiten bündeln: Spire steuert den Bau und Betrieb seiner Kleinsatelliten sowie die Bereitstellung weltraumgestützter Daten bei, Diehl Defence seine Erfahrung als Systemintegrator im Verteidigungsbereich.
Diehl-Defence-Chef Helmut Rauch ordnete den Schritt als Ausbau der Rolle des Unternehmens als Systemhaus ein, das Informationen aus dem Weltraum mit Waffensystemen und Kommandozentralen verknüpfe. Spire-CEO Theresa Condor verwies auf die vertikal integrierte Aufstellung ihres Unternehmens – vom Satellitenbau bis zur Datenauswertung – und auf das Ziel, die Sicherheit Deutschlands und Europas auch im Weltraum zu stärken.
Einordnung: nationale Weltraumsicherheitsstrategie
Die Vereinbarung steht im Zusammenhang mit der ersten nationalen Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung, die das Bundeskabinett am 19. November 2025 beschlossen hat. Sie wurde von Verteidigungsminister Boris Pistorius und Außenminister Johann Wadephul vorgestellt und definiert drei strategische Handlungsfelder: das Erkennen von Gefahren und Bedrohungen, internationale Kooperation sowie den Aufbau von Abschreckung und Resilienz. Erklärtes Ziel ist es, Deutschlands Handlungsfähigkeit im Weltraum im zivilen wie militärischen Bereich zu sichern. Im Kontext der Strategie hat das Verteidigungsministerium zugesagt, bis 2030 rund 35 Milliarden Euro für Raumfahrt und Weltraumsicherheit bereitzustellen.
Hintergrund zu den Partnern
Spire Global (NYSE: SPIR) betreibt eine Konstellation kleiner Satelliten und ist nach eigenen Angaben im Segment der funkbasierten Aufklärung tätig. Das Unternehmen eröffnete jüngst eine Satellitenproduktionsstätte im Raum München (Taufkirchen) mit einem ISO-zertifizierten Reinraum und einer Kapazität von bis zu 100 Satelliten pro Jahr. Damit will Spire eine Grundlage für souveräne, kurzfristig einsetzbare Satellitenmissionen in Deutschland schaffen.
Diehl Defence mit Hauptsitz in Überlingen versteht sich als Systemhaus für Luftverteidigung. Zum Portfolio zählen unter anderem bodengebundene Luftverteidigungssysteme, Lenkflugkörper, Munition sowie Schutzsysteme und Schlüsselkomponenten wie Infrarot-Module und Spezialbatterien. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 6.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von über 2,5 Milliarden Euro.
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