Bundeswehr setzt Aktionsplan für Luftlandetruppe in Kraft

Bundeswehr setzt Aktionsplan für Luftlandetruppe in Kraft
Foto: Bundeswehr/Trotzki

Nach schwerwiegenden Vorwürfen gegen das Fallschirmjägerregiment 26 leitet die Bundeswehr umfassende Reformen ein. Der Heeresinspekteur hat heute einen Aktionsplan verabschiedet, der auf vier zentralen Handlungsfeldern aufbaut.

Vorfälle als Auslöser

Grundlage des Aktionsplans sind Missstände im Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken, die im Herbst 2024 erstmals bekannt wurden. Nach Angaben der Bundeswehr kam es zu extremistischen Handlungen, sexuellen Übergriffen und Drogenkonsum. Zwei Soldatinnen hatten die Vorwürfe bei der damaligen Wehrbeauftragten eingereicht. Die laufenden Ermittlungen richten sich gegen 55 Beschuldigte; bislang wurden neun Soldaten entlassen, vier weitere Entlassungsverfahren sind eingeleitet.

Intensivierte Aufsicht und Struktur

Ein wesentlicher Schwerpunkt des Plans liegt auf der Dienstaufsicht. Die Heeresleitung intensiviert den Austausch mit der Luftlandetruppe an allen Standorten. Der Beauftragte für Erziehung und Ausbildung des Generalinspekteurs wird regelmäßig Besuche durchführen. Parallel dazu prüft das Kommando Heer eine Weiterentwicklung der Führungsstrukturen, um die Effektivität der Vorgesetzten zu erhöhen. Personalabteilungen sowie die Bereiche für militärische Sicherheit sollen auf Regiments- und Brigadeebene temporär verstärkt werden.

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Prävention durch Werte und Ausbildung

Das zweite Handlungsfeld fokussiert auf Prävention und psychische Widerstandskraft. Verbindliche Trainings- und Beratungsprogramme in den Bereichen Menschenführung, Persönlichkeitsbildung und mentale Stärke werden in den Arbeitsalltag integriert. Das Herzstück ist die Entwicklung eines neuen Leitbildes für die Luftlandetruppe, das als moralischer Kompass dienen und klare Vorgaben für kameradschaftliches Miteinander etablieren soll. Die Leitlinien sind speziell auf das anspruchsvolle Einsatzprofil dieser Truppengattung zugeschnitten.

Erweiterung von Erfahrungshorizonten

Die militärischen Karrierewege innerhalb der Luftlandetruppe werden angepasst. Ziel ist es, dass Soldaten und Soldatinnen auch außerhalb ihrer Truppengattung tätig werden und so ihren Erfahrungshorizont erweitern. Zudem erhält die Besetzung von Schlüsselpositionen erhöhte Aufmerksamkeit.

Begleitung und Evaluation

Die Umsetzung erfolgt unter enger Beteiligung der militärischen und politischen Führungsebene. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, das Bundesverteidigungsministerium und der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages werden regelmäßig über Fortschritte informiert. Eine umfassende Evaluierung des Plans ist für Ende 2026 geplant. Die Aufarbeitung der bisherigen Vorfälle soll bis Ostern 2026 abgeschlossen sein.

Der Aktionsplan steht im Kontext des Anspruchs der Bundeswehr auf wertegebundene Führungskultur. Das Konzept der „Inneren Führung“ – einer Organisationsethik, die Militär an die Verfassungswerte bindet – bildet dabei die normative Grundlage. Die geplanten Reformen sollen sicherstellen, dass dieses Konzept auch in der operativen Praxis gelebt wird.

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