Die NATO hat mit der Planung einer Mission zum Schutz der Arktisregion begonnen. Die Operation trägt den Namen Arctic Sentry und entsteht vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen den USA und europäischen Bündnispartnern wegen Grönland.
Bestätigung durch NATO-Sprecher
Oberst Martin O’Donnell, Sprecher des obersten NATO-Kommandos in Europa (SHAPE), bestätigte am Dienstag den Beginn der Planungen. Bei Arctic Sentry handelt es sich um eine sogenannte „Enhanced Vigilance Activity“, eine Maßnahme zur verstärkten Wachsamkeit des Bündnisses. Weitere Details wollte O’Donnell zunächst nicht nennen, da die Planungen gerade erst angelaufen seien.
Nach Angaben aus NATO-Kreisen sind vor allem zusätzliche Patrouillen mit Schiffen und Flugzeugen sowie Übungen zur Steigerung der militärischen Präsenz in der Region vorgesehen. Die Mission soll die Stellung der NATO in der Arktis und im hohen Norden weiter stärken.

Hintergrund: Streit um Grönland
Auslöser für die beschleunigte Planung sind wiederholte Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der Anspruch auf die zu Dänemark gehörende autonome Insel Grönland erhoben hat. Laut Trump benötigen die USA Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit und drohte das Gebiet notfalls mit Gewalt zu „nehmen“. Der US-Präsident begründete dies mit mangelnder Sicherung der strategisch wichtigen Insel gegen Russland oder China durch die europäischen Verbündeten.
Die Auseinandersetzung führte zu erheblichen Spannungen zwischen Washington und Kopenhagen sowie innerhalb der NATO. Dänemark lehnt die Übernahmepläne der USA kategorisch ab. NATO-Generalsekretär Mark Rutte hatte nach einem Treffen mit Trump im Januar erklärt, man wolle gemeinsam die Sicherheit der Arktis gewährleisten – nicht nur für Grönland, sondern für alle sieben NATO-Staaten mit arktischem Territorium.
Besondere Befugnisse des obersten Befehlshabers
Eine Besonderheit der geplanten Mission liegt in ihrer rechtlichen Grundlage: Der NATO-Oberbefehlshaber für Europa, US-General Alexus Grynkewich, verfügt über die Befugnis, Enhanced Vigilance Activities eigenständig zu planen und umzusetzen. Dafür ist keine einstimmige Zustimmung aller Bündnispartner erforderlich. Enhanced Vigilance Activities sind defensive Maßnahmen zur Erhöhung der Bündnisverteidigungsfähigkeiten, die der Abschreckung möglicher Bedrohungen von außen dienen.
Unklar ist bislang, ob das Thema bei der Konferenz der NATO-Verteidigungsminister am 12. Februar in Brüssel auf der Tagesordnung stehen wird.
Reaktionen: Dänemark begrüßt NATO-Engagement
Der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen zeigte sich erfreut über die beginnenden Planungen. Es sei entscheidend, gemeinsam mit den NATO-Partnern die Sicherheit in der Arktis und im Nordatlantik zu erhöhen, erklärte er über die Plattform X. Dänemark hatte zuvor selbst um eine dauerhaftere NATO-Präsenz auf Grönland gebeten und parallel die eigene Militärpräsenz auf der Insel verstärkt.
Strategische Bedeutung der Arktis
Die Arktis entwickelt sich zunehmend zu einem geopolitischen Brennpunkt. Der Klimawandel lässt das Polareis schneller schmelzen als erwartet – die Nordpolarregion erwärmt sich viermal schneller als der globale Durchschnitt. Dies eröffnet neue Schifffahrtsrouten zwischen Asien und Europa und erleichtert den Zugang zu Rohstoffvorkommen.
Russland hat in den vergangenen Jahren mehr als 50 sowjetische Militärbasen entlang der arktischen Küste reaktiviert und seine militärische Präsenz massiv ausgebaut. Auch China verfolgt wirtschaftliche Interessen in der Region und bezeichnet sich selbst als „arktisnahen Staat“. Für die USA ist Grönland von strategischer Bedeutung, da sich dort der US-Militärstützpunkt Thule im Nordwesten befindet, der eine zentrale Rolle für die amerikanische Raketenabwehr spielt.
Die USA und Dänemark sind bereits seit 1951 durch ein Verteidigungsabkommen für Grönland verbunden, das den Vereinigten Staaten umfassende Möglichkeiten zum Ausbau ihrer Militärbasen auf der Insel einräumt. Derzeit sind dort etwa 200 US-Soldaten stationiert.
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