Bis zu zwölf U-Boote vom Typ 212CD: Kanada entscheidet sich für TKMS

Bis zu zwölf U-Boote vom Typ 212CD: Kanada entscheidet sich für TKMS
U212CD | Foto: TKMS

Kanada hat den deutschen Marineschiffbauer Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) als bevorzugten Anbieter für den Bau von bis zu 12 U-Booten ausgewählt. Das Beschaffungsvorhaben gilt als das größte in der Geschichte des kanadischen Verteidigungswesens.

Premierminister Mark Carney gab die Entscheidung am 6. Juli 2026 auf dem Marinestützpunkt Canadian Forces Base Halifax in Nova Scotia bekannt. Kanada und TKMS nehmen nun Verhandlungen über die Lieferung von bis zu zwölf U-Booten des Typs 212CD auf, die die veraltete Victoria-Klasse der Royal Canadian Navy (RCN) ersetzen sollen. Der Vertragsabschluss ist spätestens für Ende 2027 vorgesehen, die ersten vier Boote sollen 2034 ausgeliefert werden. Sollten die Verhandlungen scheitern, kann die Regierung nach eigenen Angaben auf den südkoreanischen Anbieter Hanwha Ocean als Reserveanbieter ausweichen.

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Ersatz für eine überalterte Flotte

Hintergrund der Beschaffung ist der schlechte Zustand der aktuellen kanadischen U-Boot-Flotte: Von den vier Booten der Victoria-Klasse ist nach Regierungsangaben derzeit nur eines einsatzbereit. Die Boote wurden Ende der 1990er-Jahre gebraucht von der britischen Royal Navy übernommen und gelten seit Jahren als wartungsintensiv. Sie sollen bis zur Einführung der neuen Flotte Mitte bis Ende der 2030er-Jahre im Dienst bleiben.

Die Regierung begründet das Vorhaben zudem mit der veränderten Sicherheitslage, insbesondere in der Arktis. Die Region erwärmt sich nach Regierungsangaben fast dreimal so schnell wie der globale Durchschnitt, was neue Zugangswege eröffnet, die auch potenzielle Gegner nutzen könnten. Kanada verfügt über die längste Küstenlinie der Welt und grenzt an drei Ozeane.

Der Typ 212CD: deutsch-norwegisches Gemeinschaftsprojekt

Beim Typ 212CD („Common Design“) handelt es sich um ein U-Boot, das TKMS gemeinsam für die deutsche und die norwegische Marine entwickelt. Beide Länder haben jeweils sechs Boote bestellt. Der konventionell angetriebene Typ verfügt über einen außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantrieb, ist rund 73 Meter lang und verdrängt etwa 2.500 Tonnen. Die kanadische Regierung hebt die geringe akustische und magnetische Signatur des Bootes hervor sowie dessen Eignung für Arktis-Patrouillen, Unterwasseraufklärung und den Einsatz von Spezialkräften. Zudem sei das System vollständig NATO-interoperabel und werde bereits von zwei engen Verbündeten genutzt.

Die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren: Nach einer Markterkundung von September 2024 bis Februar 2025 wurden im August 2025 zwei qualifizierte Anbieter benannt – TKMS und Hanwha Ocean. Die Angebote wurden im März 2026 eingereicht, ein Klarstellungs- und Nachbesserungsverfahren endete im April 2026. Verteidigungsstaatssekretär Stephen Fuhr wertete den Abschluss des Wettbewerbs innerhalb von rund acht Monaten als Beleg für ein modernisiertes Beschaffungswesen. Analysten schätzen die Gesamtkosten des Programms über den gesamten Lebenszyklus auf mehr als 60 Milliarden kanadische Dollar.

Einordnung: Aufrüstung nach Jahren der Zurückhaltung

Das U-Boot-Programm fällt in eine Phase deutlich steigender kanadischer Verteidigungsausgaben. Im März 2026 hatte Carney verkündet, dass Kanada erstmals seit dem Fall der Berliner Mauer das NATO-Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung erreicht. Die NATO-Staaten haben sich darüber hinaus verpflichtet, ihre Ausgaben langfristig auf insgesamt fünf Prozent des BIP zu erhöhen.

Abgewickelt wird das Projekt über die neu geschaffene Defence Investment Agency im Rahmen der kanadischen Verteidigungsindustriestrategie. Die Regierung betont, dass die Beschaffung Investitionen in die heimische Lieferkette priorisieren und Arbeitsplätze in Kanada schaffen soll. Industrieministerin Mélanie Joly verwies auf die Industrial and Technological Benefits Policy, die langfristige wirtschaftliche Vorteile im ganzen Land sichern solle. Verteidigungsminister David McGuinty bezeichnete die Entscheidung als kritische Fähigkeit zur Sicherung der ausgedehnten kanadischen Küsten.

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