Airbus und Kawasaki Heavy Industries wollen gemeinsam eine japanische Version des europäischen Drohnensystems Eurodrohne für die U-Boot-Jagd untersuchen. Die beiden Konzerne unterzeichneten dazu in Tokio eine Absichtserklärung.
Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus und der japanische Industriekonzern Kawasaki Heavy Industries haben in Tokio eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) geschlossen. Auf dieser Grundlage wollen beide Unternehmen ausloten, ob sich aus dem unbemannten Aufklärungssystem Eurodrohne eine auf die U-Boot-Bekämpfung (Anti-Submarine Warfare, ASW) ausgelegte japanische Variante entwickeln lässt. Japan ist seit November 2023 als Beobachter am Eurodrohne-Programm beteiligt.

Überwachung großer Seeräume
Nach Darstellung von Airbus eignet sich das System besonders für Staaten mit ausgedehnten Seegebieten. Als Vorteile gegenüber Konkurrenzmustern nennt der Hersteller eine lange Flugdauer und eine vergleichsweise hohe Nutzlast, mit der sich auch ASW-Ausrüstung wie Sonarbojen und Torpedos mitführen lasse. Japan könnte mit einem solchen unbemannten Muster seine bestehende, bemannte Flotte zur U-Boot-Jagd ergänzen – darunter das von Kawasaki gebaute Seefernaufklärungsflugzeug P-1 – und so seine maritime Überwachung ausbauen.
Geplante Zusammenarbeit
Im nächsten Schritt wollen Airbus und Kawasaki Optionen für Konstruktion, Entwicklung und Vermarktung einer künftigen maritimen Eurodrone-Variante erarbeiten. Dazu zählen mögliche Konfigurationen, die Integration japanischer Sensoren und Wirkmittel sowie eine industrielle Beteiligung japanischer Unternehmen bei Produktion und Instandhaltung. Erklärtes Ziel ist es, dass Japan das System im Fall einer Beschaffung eigenständig und ohne externe Beschränkungen betreiben kann.
Medienberichten zufolge ist eine gemeinsame Präsentation des Vorhabens beim japanischen Verteidigungsministerium vorgesehen. Für Kawasaki wäre es die erste Kooperation mit einem ausländischen Großkonzern im Bereich militärischer Drohnen.
Hintergrund: Das Eurodrone-Programm
Die Eurodrohne ist ein Gemeinschaftsvorhaben der vier Nationen Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Die Steuerung liegt bei der europäischen Rüstungsagentur OCCAR (Organisation for Joint Armament Cooperation); industrieller Hauptauftragnehmer ist Airbus Defence and Space, an der Entwicklung sind zudem Dassault Aviation und Leonardo beteiligt. Bestellt sind 20 Systeme mit insgesamt 60 Luftfahrzeugen, die sich auf Deutschland (21), Italien (15), Frankreich (12) und Spanien (12) verteilen.
Das zweimotorige System ist für ein breites Einsatzspektrum ausgelegt – von Aufklärung, Überwachung und Zielerfassung über Frühwarnung und elektronische Aufklärung bis hin zur maritimen Patrouille und U-Boot-Jagd. Die maximale Nutzlast (ohne Treibstoff) gibt der Hersteller mit bis zu 2,3 Tonnen an, die Flugdauer mit bis zu 40 Stunden. Die Eurodrohne soll für den Betrieb im zivilen Luftraum zugelassen werden und sich damit auch über offener See einsetzen lassen.
Nach öffentlich verfügbaren Programmangaben ist der Erstflug für 2027 vorgesehen; die Indienststellung wird gegen Ende des Jahrzehnts erwartet. Neben Japan hat auch Indien – seit Januar 2025 – einen Beobachterstatus im Programm. Mit der Kooperation will Airbus das Eurodrohne-Programm stärken und zugleich den Rahmen der europäisch-japanischen Rüstungszusammenarbeit ausweiten.
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