Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall soll für Rumänien Gefechtsfahrzeuge, Flugabwehrsysteme, Munition und Marineschiffe liefern. Finanziert wird der Auftrag über das EU-Programm SAFE.
Rumänien hat Rheinmetall mit der Durchführung mehrerer Rüstungsprojekte beauftragt. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um das größte internationale Auftragspaket der jüngeren Firmengeschichte. Die Verträge wurden am 29. Mai 2026 durch das rumänische Generaldirektorat Rüstung vergeben und inzwischen unterzeichnet. Rheinmetall beziffert den Gesamtwert auf 5,7 Milliarden Euro.
Zwischen den Wertangaben gibt es allerdings Abweichungen. Das rumänische Verteidigungsministerium und mehrere Fachmedien nennen für die unterzeichneten Verträge ein Nettovolumen von rund 4,768 Milliarden Euro. Die Differenz dürfte unter anderem auf die Mehrwertsteuer sowie auf Fahrzeuge zurückgehen, die außerhalb des SAFE-Rahmens in Folgeverträgen beschafft werden sollen.

Inhalt des Auftrags
Kernstück des Pakets ist eine Rahmenvereinbarung über 298 Gefechtsfahrzeuge der Lynx-Familie (Typ KF41). Den größten Anteil sollen Schützenpanzer ausmachen; hinzu kommen Varianten als Spähpanzer, Gefechtsstandfahrzeug und Sanitätsfahrzeug. Vertragspartner ist nach Medienberichten die mehrheitlich zum Konzern gehörende rumänische Gesellschaft Rheinmetall Automecanica.
Daneben bestellt Rumänien Flugabwehrsysteme des Typs Skyranger, die ebenfalls auf dem Lynx basieren. Bis zu deren Einführung will Rheinmetall die derzeit genutzten Flugabwehrkanonenpanzer vom Typ Gepard einsatzfähig halten. Hinzu kommen Mittelkalibermunition für Flugabwehr und Schützenpanzer sowie vier Marineschiffe – zwei Offshore-Patrouillenboote und zwei Taucherunterstützungsboote. Die Schiffe gehören zu den frühen Aufträgen für die neue Marinesparte des Konzerns.
Die Auslieferungen sollen 2028 beginnen und bis 2030 abgeschlossen sein.
Wertschöpfung in Rumänien
Rheinmetall kündigte Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro in Rumänien an. Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung soll in dem NATO- und EU-Mitgliedstaat erfolgen; nach Unternehmensangaben sollen mehr als die Hälfte der Produktion in Rumänien oder gemeinsam mit lokalen Firmen erbracht werden. Vorgesehen sind eine vierstellige Zahl neuer Arbeitsplätze und die Einbindung von über 200 Unterauftragnehmern. Rumänien zählt bereits zu den Märkten mit eigener Konzernpräsenz; die Tochter Rheinmetall Automecanica hat ihren Sitz im siebenbürgischen Mediaș.
Ein Vertreter der rumänischen Regierung ordnete den Vertrag als Schritt zur Modernisierung der Streitkräfte und zur Stärkung der nationalen Verteidigungsindustrie ein. Konzernchef Armin Papperger bezeichnete den Auftrag als bedeutenden Erfolg und verwies auf den geplanten Aufbau eines Verteidigungs-Ökosystems gemeinsam mit rumänischen Partnern.
Hintergrund: Das SAFE-Programm
Finanziert wird die Beschaffung über das EU-Instrument „Security Action for Europe“ (SAFE). Dabei handelt es sich um ein Darlehensinstrument von bis zu 150 Milliarden Euro, mit dem die EU-Mitgliedstaaten ihre Verteidigungsinvestitionen über gemeinsame Beschaffung rasch ausweiten sollen. Die zugrunde liegende Verordnung trat am 29. Mai 2025 in Kraft. SAFE gilt als erste Säule des Plans „ReArm Europe / Readiness 2030“. Die Kredite werden über EU-Anleihen am Kapitalmarkt aufgenommen und zu vergleichsweise günstigen Konditionen weitergereicht; sie haben eine Laufzeit von bis zu 45 Jahren, müssen in den ersten zehn Jahren nicht bedient werden, und auf die beschaffte Ausrüstung fällt keine Mehrwertsteuer an.
Rumänien gehört zu den größten Interessenten des Programms. Nach Angaben aus dem Verteidigungssektor hat das Land SAFE-Kredite über insgesamt 16,7 Milliarden Euro beantragt und liegt damit hinter Polen an zweiter Stelle. Das nun vergebene Rheinmetall-Paket bindet einen erheblichen Teil dieser Mittel. Der Vertragsabschluss erfolgte den Angaben zufolge kurz vor Ablauf einer programmbedingten Frist Ende Mai 2026.
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