Rumänien beschafft bis zu 298 Lynx Schützenpanzer

Rumänien wird seine veralteten Schützenpanzer durch den Rheinmetall Lynx KF41 ersetzen. Das Gesamtprogramm über 298 Fahrzeuge hat ein Volumen von rund 3,3 Milliarden Euro – der größte Teil davon wird über das EU-Rüstungskreditprogramm SAFE finanziert.
Lynx KF-41 | Foto: Rheinmetall AG

Rumänien wird seine veralteten Schützenpanzer durch den Rheinmetall Lynx KF41 ersetzen. Das Beschaffungsvorhaben von 298 Fahrzeugen hat ein Volumen von rund 3,3 Milliarden Euro – der größte Teil davon wird über das EU-Rüstungskreditprogramm SAFE finanziert.

Parlament erhält Liste der SAFE-Auftragnehmer

Das rumänische Parlament hat vom Kabinett eine Liste der im Rahmen des EU-Finanzierungsmechanismus SAFE ausgewählten Unternehmen erhalten. Das mit Abstand größte Einzelvorhaben auf dieser Liste ist die Beschaffung neuer Infanterie-Kampffahrzeuge (rumänisch: MLI – Mașina de Luptă a Infanteriei). Als Auftragnehmer wurde Rheinmetall Automecanica SRL (RAM), die rumänische Tochtergesellschaft des deutschen Rüstungskonzerns, bestimmt. Grundlage des Verfahrens ist eine Verhandlungsvergabe ohne vorherige Bekanntmachung, gestützt auf eine rumänische Notstandsverordnung aus dem Jahr 2025.

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Auftragssplitting: 232 Fahrzeuge über SAFE, 66 aus dem Nationalbudget

Ursprünglich war die Beschaffung von 298 Lynx-Fahrzeugen geplant, die vollständig über SAFE finanziert werden sollten. Das nun offiziell übermittelte Dokument sieht vor, dass lediglich 232 Fahrzeuge und Derivate im Wert von rund 2,598 Milliarden Euro aus SAFE-Mitteln bezogen werden. Die verbleibenden 66 Fahrzeuge, auf rund 739 Millionen Euro veranschlagt, sollen über spätere Folgeverträge – voraussichtlich aus dem Nationalbudget – beschafft werden. Damit bleibt der Gesamtrahmenvertrag über alle 298 Einheiten bestehen, wird aber in zwei Finanzierungsströme aufgeteilt.

Vorgeschichte: Preisstreit und politische Kontroversen

Im Vorfeld der Entscheidung hatte Verteidigungsminister Radu Miruță eingeräumt, dass einige für SAFE-Programme ausgewählte Lieferanten ihre Preise im Vergleich zu ursprünglichen Angeboten um bis zu 30 Prozent angehoben hatten – Rheinmetall soll darunter gewesen sein. Die Regierung in Bukarest hatte öffentlich betont, keine überhöhten Preise akzeptieren zu wollen. Kritisch angemerkt wurde zudem, dass der Lynx offenbar nicht in einem offenen Wettbewerb mit konkurrierenden Fahrzeugen bewertet wurde, sondern vor allem aufgrund von Offset-Vereinbarungen und Industrieinvestitionen in Rumänien den Zuschlag erhalten haben soll.

Das Fahrzeug: Lynx KF41

Die Lynx-Baureihe wurde 2016 erstmals öffentlich vorgestellt; die heute maßgebliche Version KF41 debütierte 2018 auf der Rüstungsmesse Eurosatory. Das Fahrzeug wiegt in der Standardkonfiguration rund 44 Tonnen und bietet Platz für eine dreiköpfige Besatzung sowie bis zu acht abgesessene Infanteristen. Es ist mit dem LANCE-Turm ausgestattet, der wahlweise ein 30- oder 35-mm-Automatikgeschütz trägt und die Integration von Panzerabwehrraketen ermöglicht.

Der Antrieb erfolgt über einen Liebherr-Dieselmotor mit 850 kW (1.140 PS), der eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h und eine Reichweite von rund 500 Kilometern ermöglicht. Der Schutz reicht im Frontbereich bis zu 30-mm-Projektilen und seitlich bis zu 14,5-mm-Beschuss; der Unterboden ist für Explosionen bis zu einer Wirkung von 10 Kilogramm TNT-Äquivalent ausgelegt.

Ungarn nutzt den Lynx bereits; die Serienproduktion für Rumänien soll im Werk Rheinmetall Automecanica im siebenbürgischen Mediaș zentralisiert werden.

Industrielle Einbettung und SAFE-Kontext

Im Rahmen seiner Rumänien-Strategie hat Rheinmetall unter anderem ein Joint Venture mit dem staatlichen Unternehmen Pirochim Victoria gegründet, das eine neue Treibladungspulverfabrik in Victoria (Kreis Brașov) mit einem Investitionsvolumen von rund 535 Millionen Euro errichten soll. Das EU-Instrument SAFE stellt EU-Mitgliedstaaten zinsgünstige Darlehen bereit, wobei mindestens 65 Prozent des Produktwerts aus EU-Ländern oder Partnerstaaten stammen müssen. Rumänien soll im Rahmen von SAFE insgesamt rund 9,6 Milliarden Euro für Rüstungsbeschaffungen erhalten.

Die neuen Lynx IFVs werden die seit Jahrzehnten im Dienst stehenden MLI-84 Jderul ablösen, die auf sowjetischer Konstruktion basieren.


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