Schutz kritischer Infrastruktur: Bundeswehr und Industrie testen autonome Systeme

Schutz kritischer Infrastruktur: Bundeswehr und Industrie testen autonome Systeme
AMC12 | Foto: Rheinmetall AG

Beim diesjährigen SeaSEC-Manöver in der Mecklenburger Bucht hat die Rheinmetall-Division Naval Systems ihren autonomen Versuchsträger AMC12 erstmals unter Realbedingungen eingesetzt. Gleichzeitig hat das Unternehmen eine Technologiekooperation mit IBM, Anschütz und besecke zur Weiterentwicklung autonomer Überwasserfahrzeuge geschlossen.

Hintergrund: SeaSEC 2026

Die SeaSEC-Challenge Weeks „Data2Sea“ fanden vom 13. bis 24. April 2026 vor Warnemünde statt, organisiert von der Deutschen Marine gemeinsam mit dem Rostock Institute for Ocean Technology (RIOT) und dem Seabed Security Experimentation Center. An der Veranstaltung beteiligten sich 47 Unternehmen aus Industrie und Forschung, um Lösungen für den Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur zu erproben. Der Hintergrund ist konkret: Die Sabotage der Nord-Stream-Pipelines und wiederholt beschädigte Unterwasserkabel haben die Verwundbarkeit maritimer Infrastruktur in der Ostsee in den politischen Fokus gerückt.

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Der Versuchsträger AMC12

Das AMC12 ist ein zwölf Meter langes, modular aufgebautes Einsatzboot, das Rheinmetall Naval Systems als erstes Fahrzeug der AMC-Plattformreihe entwickelt hat. Das Konzept erlaubt den Austausch unterschiedlicher Missionsmodule – von Navigations- und Sensorsystemen über Kommunikationslösungen bis hin zu KI-Anwendungen. Das Boot absolvierte erste Probefahrten bereits im Werfthafen des Rheinmetall-Standorts Blohm+Voss in Hamburg; bei der SeaSEC demonstrierte es erstmals einen neuen autonomen Fahrmodus unter realen Seebedingungen.

Aufgaben im SeaSEC-Einsatz

Konkrete Aufgabe des AMC12 bei der Übung war die Aufklärung zum Schutz kritischer maritimer Infrastruktur – darunter Pipelines und Offshore-Windparks. Das Fahrzeug ist dabei Teil eines vernetzten Systemverbunds aus bemannten Mutterschiffen sowie unbemannten Unter- und Überwasserfahrzeugen und Luftfahrzeugen. Der CEO der Rheinmetall-Division Naval Systems, Tim Wagner, betont, dass autonome Systeme angesichts aktueller Konflikterfahrungen und Bedrohungen für maritime Infrastruktur in Nord- und Ostsee eine notwendige Antwort der Verteidigung darstellen.

Technologiepartner und ihre Beiträge

Das Konsortium hinter dem AMC12 vereint mehrere Spezialisten, die jeweils definierte Systemkomponenten liefern:

  • IBM stellt KI-Fähigkeiten, quantensichere Verschlüsselung sowie eine Container-Cloud-Plattform für die schnelle Aktualisierung von Software bereit, ergänzt durch Software Defined Defense (SDD)-Technologie.
  • Anschütz (Kiel) liefert das integrierte Führungssystem Navigation, das sowohl autonomen als auch fernüberwachten Betrieb ermöglicht, inklusive eines COLREG-konformen Kollisionsverhütungssystems und automatischer Zielerfassung.
  • besecke (Bremen/Rostock) verantwortet die Schiffsautomation und ersetzt manuelle Eingriffe durch redundante, dezentral organisierte Automatikfunktionen.
  • MacArtney Germany stellt ein hochauflösendes Fächerlot samt GNSS/INS-Lösung bereit, das Objekte am Meeresgrund detektieren und georeferenzierte Daten für ein Unterwasserlagebilder liefern kann.

Die Gesamtintegration der Plattform liegt bei Rheinmetall Naval Systems. Der Versuchsträger wurde vollständig von den Industriepartnern in Vorleistung finanziert und entwickelt.

Einordnung: Schutz maritimer Infrastruktur als Priorität

Die Bedrohungslage für kritische Infrastruktur in der Ostsee – Windparks, Datenkabel und Pipelines – gilt laut einer Analyse der Bundesakademie für Sicherheitspolitik als besonders komplex, weil die rechtlichen und operativen Möglichkeiten der Küstenstaaten bislang begrenzt sind. SeaSEC wurde Ende 2023 von den Verteidigungsministerien mehrerer Ostsee- und Nordsee-Anrainerstaaten initiiert, um Technologien unter realen Bedingungen zu testen. Autonome, KI-gestützte Systeme wie das AMC12 sollen künftig dazu beitragen, Besatzungen zu entlasten und die Reaktionsfähigkeit bei solchen Bedrohungslagen zu erhöhen.

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