Deutsch-indischer U-Boot-Deal vor dem Abschluss

Deutsch-indischer U-Boot-Deal vor dem Abschluss
Der Bundesminister der Verteidigung, Boris Pistorius mit seinem Indischen Amtskollegen Rajnath Singh I Foto: Bundeswehr / Theska

Beim Besuch der Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems signalisieren Deutschlands und Indiens Verteidigungsminister, dass die Unterzeichnung eines milliardenschweren U-Boot-Vertrags kurz bevorsteht.


Ministerbesuch bei TKMS in Kiel

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat am 22. April 2026 seinen indischen Amtskollegen Rajnath Singh zu einem Besuch bei thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) am Standort Kiel empfangen. Zuvor hatten beide Minister im Berliner Bendlerblock ein bilaterales Gespräch geführt, bevor es weiter nach Kiel ging. Dort besichtigten Pistorius und Singh die Produktionshallen des Unternehmens sowie das U-Boot U34 der Deutschen Marine und sprachen mit der Besatzung über deren Einsatzerfahrungen.

Für Pistorius hatte der Besuch auch einen persönlichen Hintergrund: Singh folgte damit einer Einladung, die Pistorius beim ersten Treffen beider Minister im Juni 2023 in Neu-Delhi ausgesprochen hatte.  2026 jährt sich zudem die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Indien zum 75. Mal.

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Projekt P75(I): Vertragsunterzeichnung erwartet

Im Mittelpunkt des Treffens stand das deutsch-indische U-Boot-Projekt P75(I). Dabei geht es um den Bau von sechs konventionellen U-Booten für die indische Marine. Das Auftragsvolumen wird auf rund 6,8 Milliarden Euro geschätzt und zählt damit zu den bedeutendsten Marineprojekten weltweit.

Pistorius zeigte sich nach den Gesprächen zuversichtlich, dass der Vertrag bald unterzeichnet werden kann. Singh habe in den Gesprächen bekräftigt, dass die Verhandlungen planmäßig verliefen und innerhalb der nächsten drei Monate mit einer formellen Unterzeichnung gerechnet werde.

Bereits im September 2025 hatten TKMS und die staatliche indische Werft Mazagon Dock Shipbuilders (MDL) offiziell Vertragsverhandlungen aufgenommen. Das Angebot von TKMS und MDL war das einzige, das in Feldversuchen sämtliche Anforderungen der indischen Marine erfüllte. Der letzte verbliebene Wettbewerber, das spanische Unternehmen Navantia mit dem Entwurf S-80+, schied aus, da wesentliche Technologien nicht in einsatzreifen Booten nachgewiesen werden konnten. 

Technologie und industrielle Zusammenarbeit

Im Projekt übernimmt TKMS die Rolle des Technologie- und Systemlieferanten, während der vollständige Bau der U-Boote in Indien stattfinden soll. Zentrales Element ist die sogenannte Air-Independent-Propulsion-Technologie (AIP), ein außenluftunabhängiges Antriebssystem auf Basis von Brennstoffzellen. Dieser Antrieb ist von TKMS und Siemens seit Jahren in weltweit mehr als 35 Booten im operationellen Einsatz  und gilt als technologisch ausgereift.

Das Kooperationsmodell entspricht der indischen „Make in India“-Strategie: Nicht nur die Produktion, auch der Aufbau von technischem Know-how in Indien ist Teil der Vereinbarung. TKMS-Chef Oliver Burkhard sieht darin eine Partnerschaft, die über den konkreten Auftrag hinausgeht und Indien langfristig als Standort für U-Boot-Technologie stärken soll. 

Zwei Abkommen unterzeichnet

Neben dem U-Boot-Projekt unterzeichneten Pistorius und Singh in Berlin zwei weitere Dokumente. Zum einen ein Memorandum of Understanding zur Zusammenarbeit beim UN-Peacekeeping, mit Fokus auf Ausbildung — einem Bereich, in dem Deutschland traditionell eine führende Rolle einnimmt. Indien gilt seit vielen Jahren als verlässlicher Partner bei UN-Friedensmissionen. 

Zum anderen vereinbarten beide Seiten eine Defence Industrial Cooperation Roadmap. Das Dokument legt einen Zehnjahresplan für die vertiefte rüstungsindustrielle Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Produktion fest.

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