Frankreichs Verteidigungsministerium will die Lücke zwischen dem alternden Leclerc-Kampfpanzer und dem um rund ein Jahrzehnt verzögerten MGCS-Programm mit einem Interimspanzer schließen. Als bevorzugte Lösung gilt die Kombination eines französischen Turms mit einem deutschen Fahrgestell.
Hintergrund: MGCS deutlich in Verzug
Das Programm MGCS (Main Ground Combat System), das Deutschland und Frankreich seit 2017 gemeinsam entwickeln, um die Leclerc- und Leopard-2-Panzer zu ersetzen, hat sich erheblich verzögert. Die Indienststellung des MGCS wird nun für den Zeitraum 2040 bis 2045 erwartet. Der Leclerc hingegen soll ab 2037 schrittweise außer Dienst gestellt werden, womit eine potenzielle Fähigkeitslücke von mehr als zehn Jahren entsteht.
Frankreich modernisiert derzeit rund 200 Leclerc-Panzer auf den Standard XLR, um die Flotte bis Ende des Jahrzehnts einsatzfähig zu halten. Diese Maßnahme überbrückt die Lücke bis zur MGCS-Einführung jedoch nicht vollständig.
Drei Optionen geprüft
Bei einer Anhörung des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten am 23. Februar 2026 präsentierte Patrick Pailloux, Generaldelegierter der Rüstungsbehörde DGA, drei Szenarien für einen Zwischenpanzer mit einem Ziel von 200 Fahrzeugen:
- Französischer Turm auf deutschem Fahrgestell – als rationellste und schnellste Variante bezeichnet
- Rein französische Konstruktion – höhere Entwicklungszeit, stärkere industrielle Eigenständigkeit
- Regalzukauf in Deutschland – schnell verfügbar, aber mit dem Risiko, industrielle Kompetenz dauerhaft zu verlieren
Hélène Conway-Mouret, Berichterstatterin im Senatsausschuss für das Rüstungsprogramm 146, hatte zuvor auf genau diese drei Optionen hingewiesen.

Ministerium entscheidet sich für Hybridvariante
Am 8. April 2026 bestätigte Verteidigungsministerin Vautrin vor der Nationalversammlung im Rahmen der Beratungen zur Aktualisierung des Militärprogrammgesetzes (LPM 2024–30), dass eine Studie zur vorläufigen Kampfpanzerkapazität finanziert werde. Den Angaben zufolge hat ein internes Schiedsverfahren inzwischen zugunsten der Integrationslösung entschieden: ein französischer Turm – höchstwahrscheinlich mit der ASCALON-Kanone von KNDS France – auf einem deutschen Chassis.
Die ASCALON-Kanone (Autoloaded and SCALable Outperforming guN) ist ein von KNDS entwickeltes Waffensystem in den Kalibern 140 mm und 120 mm, das seit 2022 im Rahmen des MGCS-Programms erprobt wird und nach Unternehmensangaben die Leistungsfähigkeit bisheriger Systeme übertrifft. Vautrin betonte, die Zwischenlösung solle kein Panzer der alten Generation sein, sondern der erste Baustein der neuen.
Armeechef skeptisch gegenüber klassischem Übergangskauf
Reservierter gegenüber diesem Ansatz äußert sich Generalstabschef General Pierre Schill. Bereits im November 2025 hatte er im Senat klargemacht, dass der bloße Kauf von 200 Übergangspanzern keine Option sei, weil deren Kosten notwendige Investitionen in die Robotisierung von Anfang an verhinderten. Am 9. April 2026 bekräftigte er diese Position vor der Nationalversammlung: Frankreich wolle nicht einen klassischen Zwischenpanzer beschaffen, sondern die ersten Bausteine einer neuen Panzergeneration – die bei ausbleibender Annäherung mit Deutschland vollständig französisch sein solle. Schill verwies dabei auf die sich beschleunigende Entwicklung in den Bereichen künstliche Intelligenz und Robotik.
Industrielle Dimension und offene Fragen
Mit der Hybridvariante soll ein Kompromiss zwischen Kostenwirksamkeit und dem Erhalt französischer Rüstungskompetenzen erreicht werden. Als zentrale Industriepartner kämen KNDS France als Turmhersteller sowie KNDS Deutschland (ehemals Krauss-Maffei Wegmann) als möglicher Chassis-Lieferant in Betracht. Ungeklärt ist, ob ein solches Gemeinschaftsprodukt exportierbar wäre und welche Rolle das mögliche Scheitern des MGCS langfristig für die deutsch-französische Rüstungskooperation spielen würde.
Eine endgültige Beschaffungsentscheidung steht noch aus. Laut Angaben des französischen Verteidigungsministeriums könnte sie noch im laufenden Jahr getroffen werden.
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