Im Gefechtsübungszentrum des Heeres in Sachsen-Anhalt hat die Bundeswehr ein neuartiges Konzept erprobt: Unbemannte Drohnen und Loitering-Munition arbeiten hier erstmals vollständig automatisiert zusammen – von der Zielerkennung bis zum Angriff.
Die HUSAR-Drohne als Kernstück
Im Mittelpunkt des Tests stand die LUNA NG, die bei der Bundeswehr unter dem Projekttitel HUSAR (Hocheffizientes Unbemanntes System zur Aufklärung mittlerer Reichweite) bekannt ist. Der Technologiekonzern Rheinmetall hatte das Fluggerät erfolgreich an das zentrale Kontroll- und Verwaltungssystem der Bundeswehr angebunden. Damit wurde die Voraussetzung geschaffen, dass die LUNA NG mit anderen Drohnen und Loitering-Munition koordiniert agieren kann.
Die Drohne beeindruckt durch ihre technischen Daten: Mit einer maximalen Flughöhe von 5.000 Metern und einer Einsatzdauer von über 12 Stunden kann sie ein Gebiet von bis zu 150 Kilometern Entfernung von ihrer Basis aus überwachen. Im Flug ist das System besonders bei großer Höhe kaum zu hören, was für verdeckte Aufklärungsmissionen vorteilhaft ist.

Der Ablauf des automatisierten Drohnenschwarms
Das Konzept des Aufklärungs- und Wirkverbunds funktioniert nach einem neuartigen Schema: Aufklärungsdrohnen kreisen über einem zugewiesenen Gebiet und suchen nach feindlichen Aktivitäten. Eine künstliche Intelligenz unterstützt die Soldaten bei der Erkennung und markiert verdächtige Fahrzeuge automatisch in der digitalen Lagekarte. Sobald ein potenzielles Ziel identifiziert ist, wird die Entscheidung über eine mögliche Bekämpfung von einem Menschen getroffen – nicht von der Maschine.
Für den tatsächlichen Angriff kommen dann Kamikazedrohnen (Loitering-Munition) zum Einsatz. Diese erhalten während ihres Flugs kontinuierliche Aktualisierungen zu den Zielkoordinaten und ein Foto des Zielobjekts. Die Munition vergleicht diese Daten mit ihren eigenen Sensoren, um sicherzustellen, dass es das richtige Ziel trifft. Bei Übereinstimmung führt das System den Angriff aus.
Drastische Zeitersparnis durch Vernetzung
Das Experiment zeigte ein beeindruckendes Ergebnis: Durch die enge Zusammenarbeit der unbemannten Systeme verkürzte sich die Zeit zwischen Zielerkennung und Bekämpfung erheblich. Im klassischen Verfahren sind dafür mehrere Schritte und häufig verschiedene Personen oder Abteilungen eingebunden. Mit dem neuen Drohnenschwarm-Konzept läuft dieser Prozess automatisiert und parallel ab.
Ein zentraler Vorteil der Digitalisierung liegt auch in der Echtzeitinformation: Alle Bodeneinheiten, die an das Kontrollsystem angebunden sind, erhalten live Lageinformationen über große Einsatzgebiete sowie hochauflösende Zielinformationen. Dies ermöglicht dem Kommandostab ein vollständiges und aktuelles Lagebild.
Rüstungspolitische Bedeutung
Die erfolgreiche Erprobung ist für die deutsche Rüstungsindustrie und die Streitkräfte gleichermaßen bedeutsam. Die Bundeswehr hat insgesamt 13 HUSAR-Systeme bestellt – zwölf für den regulären Einsatz und eines für Ausbildungszwecke. Das Investitionsvolumen liegt bei etwa 290 Millionen Euro. Die Kosten für den gesamten 15-jährigen Nutzungszeitraum bis 2043 werden auf etwa 417 Millionen Euro veranschätzt.
Das erste Seriensystem sollte eigentliche 2025 ausgeliefert werden. Allerdings verzögert sich die Auslieferung der HUSAR. Ziel der Bundeswehr ist es, das Konzept des Aufklärungs- und Wirkverbunds bis 2027 einsatzbereit zu machen und dann als erstes der Brigade Litauen zur Verfügung zu stellen. Damit reagiert die Bundeswehr auf geopolitische Spannungen und die Erkenntnisse aus dem Ukraine-Krieg, wo Echtzeit-Aufklärung sich als entscheidend für militärische Operationen erwiesen hat.
Globale Trends bei Drohnenschwärmen
Unbemannte Drohnenschwärme gelten weltweit als zukunftsträchtige, aber auch noch wenig erprobte Technologie. Das deutsche Experiment zeigt, dass strukturierte und zentral gesteuerte Schwärme mit künstlicher Intelligenz und hoher Automatisierung praktikabel sind – unter Beibehaltung der menschlichen Kontrolle bei kritischen Entscheidungen.
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