Verteidigungsminister Boris Pistorius hat auf der Bundeswehrtagung in Berlin eine umfangreiche Reformoffensive angekündigt. Unter dem Motto „Verteidigung ist Teamarbeit“ verteilte der SPD-Politiker klare Aufträge an die Führungsspitze des Ministeriums. Seine zentrale Forderung: Die Bundeswehr muss schneller, moderner und einsatzbereiter werden – mit deutlich weniger Bürokratie und mehr Eigenverantwortung. Alle Vorhaben tragen nun den Vermerk „Eilt sehr“.
Ehrgeiziger Zeitplan bis Ostern 2026
Bereits zu Ostern 2026 soll der Generalinspekteur eine neue Reservestrategie vorlegen, die Ausrüstung und Aufwuchs der Reserve sicherstellt. Begleitet wird dies von einem Gesetz zur Stärkung der Reserve, das unter anderem die Freistellung von Reservisten garantieren soll.
Parallel dazu arbeiten die Staatssekretäre Hilmer und Stöß an einem neuen Aufwuchsplan für die aktive Truppe mit konkreten Maßnahmen und messbaren Zwischenzielen. Staatssekretär Stöß erhielt zudem den Auftrag, eine Modernisierungs- und Entbürokratisierungsagenda 2.0 vorzulegen, die sicherstellt, dass Vorschriften der Auftragserfüllung dienen und nicht im Weg stehen.
Schon im Januar 2026 will das Verteidigungsministerium ein Gesetz einbringen, das Baumaßnahmen für die Infrastruktur beschleunigt.
Militärstrategie & Fähigkeitsprofil
Bis zum Frühjahr 2026 wird der Generalinspekteur eine neue Militärstrategie und ein darauf aufbauendes Fähigkeitsprofil der Bundeswehr entwickeln. Damit wird konkret definiert, welche Aufgaben die Streitkräfte erfüllen sollen und welche Fähigkeiten dafür erforderlich sind.
Beschaffungsamt wird umgebaut
Im Mai 2026 soll ein Strukturkonzept für das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr vorliegen. Pistorius kündigte an, dass wahrscheinlich weitere Standorte neben Koblenz entstehen werden. Hauptziele der Umstrukturierung sind ein schnellerer Materialaufwuchs, die zügigere Umsetzung von Innovationen und die Fähigkeit, langfristig hohe Auftragszahlen zu bewältigen. Gleichzeitig wird ein neuer Planungsprozess für die Rüstungsbeschaffung erarbeitet, der Innovation und Beschleunigung miteinander verbindet.
Wehrdienst
Der Generalinspekteur wurde beauftragt, den „Neuen Wehrdienst“ bis zum Frühjahr 2026 zu evaluieren, um die Ausbildung für künftige Wehrdienstleistende zu optimieren.
Weitere Maßnahmen
Zu den zusätzlichen Reformvorhaben gehört eine Erhöhung des Anteils für Forschung und Entwicklung im Verteidigungshaushalt. Außerdem wird ein Vorschlagspapier zur Überarbeitung des Beschaffungsplanungsprozesses erarbeitet, das Schnelligkeit und Innovation in den Mittelpunkt stellt.
Um erfahrene Kräfte zu halten, sollen alle Soldatinnen und Soldaten, die kurz vor dem Ausscheiden stehen, ein persönliches Anschreiben erhalten. Damit will das Ministerium erfahrenes Personal für einen Verbleib in der Truppe gewinnen.
Die angekündigten Reformen zeigen den Willen zur grundlegenden Modernisierung der Bundeswehr angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage. Ob die ehrgeizigen Zeitpläne eingehalten werden können, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Immer bestens informiert!
Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:
