E5-Treffen in Paris: Luftverteidigung der Ukraine im Fokus

Die Verteidigungsminister Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Polens haben am 26. Oktober 2026 in Paris über die weitere Unterstützung der Ukraine beraten. Zugleich beschlossen sie, das Format der Group of Five künftig operativer auszurichten.
Foto: Bundeswehr/Tom Twardy

Die Verteidigungsminister Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Polens haben am 26. Oktober 2026 in Paris über die weitere Unterstützung der Ukraine beraten. Zugleich beschlossen sie, das Format der Group of Five künftig operativer auszurichten.

Treffen in Paris

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius ist am 26. Oktober 2026 in Paris mit seinen Amtskollegen aus Frankreich, Großbritannien und Italien, Catherine Vautrin, Wes Streeting und Guido Crosetto, zusammengekommen. Polen war durch Staatssekretär Paweł Zalewski vertreten. Außerdem nahmen die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius und die stellvertretende NATO-Generalsekretärin Radmila Shekerinska teil. Der ukrainische Verteidigungsminister Ievheniy Khmara war per Video zugeschaltet. Zuletzt hatte die Group of Five, auch E5 genannt, am 4. Juni 2026 virtuell getagt.

Ukraine vor dem Winter

Pistorius erklärte nach Angaben des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg), es gebe keine Anzeichen dafür, dass der russische Präsident Wladimir Putin an einem Frieden mit Kiew interessiert sei. Da sich die russischen Streitkräfte auf dem Gefechtsfeld nicht durchsetzen könnten, rechne er im Winter erneut mit Angriffen auf ukrainische Städte und die zivile Infrastruktur. Diese träfen gezielt die Zivilbevölkerung, Pistorius bezeichnete sie als Terror.

Die fünf Staaten sicherten der Ukraine weitere Unterstützung zu. Sie wollen sich zudem dafür einsetzen, dass die USA Kiew weiterhin mit nachrichtendienstlichen Erkenntnissen und Satellitendaten versorgen. Gemeinsam mit der Ukraine arbeiten die Partner laut Pistorius an dem Luftverteidigungssystem Freyja, das neben dem US-System Patriot und weiteren Systemen vor Angriffen aus der Luft schützen soll. Das Projekt soll eine ukrainische Abfangrakete mit Radaren und weiterer Technik europäischer Rüstungsunternehmen verbinden; beteiligt waren zum Auftakt unter anderem MBDA, Thales, Saab, Leonardo, Eurosam, Diehl Defence, Kongsberg und das ukrainische Unternehmen Fire Point. Nach Angaben des zuständigen ukrainischen Projektverantwortlichen soll ein Prototyp in der ersten Hälfte des kommenden Jahres bereitstehen. Das System ist mit einer offenen Architektur geplant, sodass Komponenten verschiedener Hersteller austauschbar sein sollen.

Bundeswehr bei Übung Koalicja 2026

Die Bundeswehr beteiligt sich mit zehn Stabsoffizierinnen und Stabsoffizieren, zwei Transportflugzeugen A400M zur Luftbetankung sowie logistischer Unterstützung an der Übung Koalicja 2026. Sie findet im November 2026 unter dem Dach der Coalition of the Willing in Polen, im Luftraum über Rumänien und im westlichen Schwarzen Meer statt. Deutschland gilt dabei als Drehscheibe für Truppenverlegungen nach Osten.

Erstmals sollen die Verlegung der Multinational Force Ukraine (MNF-U) im Volltruppenansatz sowie ihre Bereitstellung unter gemeinsamer multinationaler Führung geübt werden. Die MNF-U ist Teil der multilateralen Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Nach einem Waffenstillstand soll sie die ukrainischen Streitkräfte bei ihrer Regeneration unterstützen sowie zur Sicherung des Luftraums und der Seewege beitragen.

Neue Gesprächsebene ab Ende 2026

Neben dem Krieg gegen die Ukraine befassten sich die Minister mit hybriden Angriffen Russlands auf europäische Staaten, die nach Einschätzung von Pistorius stark zunehmen. Die Group of Five war vor rund zwei Jahren gegründet worden, das erste Treffen fand am 25. November 2024 in Berlin statt. Künftig wollen die Partner enger und strukturierter zusammenarbeiten. Dazu wird das Ministertreffen um sogenannte Policy and Planning Talks ergänzt, an denen die stellvertretenden Generalstabschefs und die Politischen Direktoren teilnehmen. Die Gespräche sollen noch 2026 in Berlin beginnen und konkrete Projekte anstoßen.

Schnellere Rüstungsprojekte

Die Partner vereinbarten zudem, innovative Rüstungsvorhaben stärker voranzutreiben. Statt auf fertige Angebote der Industrie für große Waffensysteme zu warten, sollen Innovationen und Erprobungen gezielt eingefordert werden. Als Beispiel nennt das BMVg die Initiative LEAP (Low-Cost Effectors & Autonomous Platforms) zur schnellen Entwicklung kostengünstiger und autonomer Drohnenabwehrsysteme. Die fünf Staaten hatten LEAP am 20. Februar 2026 in Krakau gestartet. Laut britischem Verteidigungsministerium soll ein erstes Projekt bis 2027 vorliegen; Vorschläge sollen sowohl von großen Rüstungsherstellern als auch von kleinen und mittleren Unternehmen kommen. Den deutschen Anteil koordiniert das Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding.

Gemeinsame Erklärung

In ihrer gemeinsamen Erklärung bewerten die fünf Staaten Russland als größte unmittelbare und dauerhafte Bedrohung für die euro-atlantische Sicherheit. Europa müsse mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen, zunächst durch eine stärkere Rolle der europäischen Verbündeten in der NATO. Die USA bleiben aus Sicht der Unterzeichner ein unverzichtbarer Partner. Die Minister bekräftigen, die in Den Haag und Ankara eingegangenen NATO-Verpflichtungen und die vereinbarten Fähigkeitsziele umzusetzen. EU-Initiativen sollen die NATO ergänzen, Doppelstrukturen vermeiden und unter bestimmten Bedingungen auch Nicht-EU-Verbündeten offenstehen. Zudem wollen die Staaten im Einklang mit dem Völkerrecht weiter gegen die russische Schattenflotte vorgehen.

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