Frankreich prüft Weiterbetrieb der Charles de Gaulle über 2038 hinaus

Frankreich lässt prüfen, ob der nuklear angetriebene Flugzeugträger Charles de Gaulle über das geplante Dienstzeitende 2038 hinaus betrieben werden kann. Die Marine nationale hätte damit über die Indienststellung des Nachfolgers France Libre hinaus zwei Träger zur Verfügung.
Foto: Metaxakis Kostas/Anadolu via Getty Images

Frankreich lässt prüfen, ob der nuklear angetriebene Flugzeugträger Charles de Gaulle über das geplante Dienstzeitende 2038 hinaus betrieben werden kann. Die Marine nationale hätte damit über die Indienststellung des Nachfolgers France Libre hinaus zwei Träger zur Verfügung.

Der Generalstabschef der französischen Marine, Admiral Christophe Cluzel, hat am 14. Oktober 2026 vor dem Verteidigungsausschuss der Nationalversammlung in Paris erläutert, dass die Marine nationale einen Weiterbetrieb der Charles de Gaulle über 2038 hinaus untersucht. Bislang ist vorgesehen, den 2001 in Dienst gestellten Träger in jenem Jahr durch den Neubau France Libre zu ersetzen. Die Charles de Gaulle ist derzeit der einzige nuklear angetriebene Flugzeugträger, der außerhalb der US Navy im Einsatz ist.

Prüfung während der nächsten Großinstandsetzung

Die Untersuchung erfolgt im Rahmen der anstehenden großen Instandsetzung des Schiffes. Dieses dritte große technische Werftliegen (ATM3) ist für 2027/2028 vorgesehen. Nach Angaben Cluzels stehen der Verschleiß der Reaktorkerne und die Frage im Mittelpunkt, ob der Kernbrennstoff länger an Bord verbleiben und so der Betrieb verlängert werden kann. Darüber hinaus werden alle Hilfs- und Versorgungssysteme des Schiffes geprüft. Der Admiral begründet dies damit, dass die Verfügbarkeit des Trägers nicht vom Zustand eines einzelnen Nebensystems abhängen dürfe. Die Ergebnisse werden Anfang 2029 erwartet und sollen über eine Verlängerung entscheiden.

Lücke während der Werftzeiten

Mit nur einem Träger verfügt Frankreich während jeder planmäßigen Wartung über keinen einsatzbereiten Flugzeugträger. Nach Angaben der Marine ist die Charles de Gaulle rund 65 Prozent der Zeit verfügbar. Cluzel erklärte, dass zwei Träger eine ständige Bereitschaft aus dem Heimathafen Toulon ermöglichen würden, eine dauerhafte Präsenz auf See jedoch drei Träger erfordere. Die Entscheidung über einen zweiten Träger bezeichnete er als politische Frage, die nicht in seiner Zuständigkeit liege. Ein Hindernis sind die Kosten: Das Budget für die France Libre wird auf rund 10 Milliarden Euro geschätzt. Defense News zufolge entspricht dies dem Gegenwert von mindestens zehn Fregatten der FDI-Klasse.

Überlappung von 2036 bis 2038

Unabhängig von der Verlängerungsstudie sind beide Träger von 2036 bis 2038 parallel im Dienst, mit zwei aktiven Besatzungen. Cluzel hält diese Überlappung für notwendig, damit die Fähigkeiten ohne Unterbrechung übergeben werden können. Ein Bruch würde aus seiner Sicht zu einem Verlust von Fachwissen führen, dessen Wiederaufbau sehr lange dauern würde. Zuletzt verfügte Frankreich Ende der 1990er-Jahre über zwei Träger, die konventionell angetriebene Foch und Clemenceau.

Größerer Nachfolger mit US-Katapulten

Den Namen France Libre gab Präsident Emmanuel Macron am 18. März 2026 bekannt; Erprobungen auf See sind ab 2036 geplant. Der Neubau soll 310 Meter lang sein und rund 80.000 Tonnen verdrängen. Die Charles de Gaulle misst 261,5 Meter bei 42.000 Tonnen und kann 40 Luftfahrzeuge aufnehmen, überwiegend Rafale M, dazu zwei E-2C Hawkeye und Hubschrauber. Für die France Libre sind eine Besatzung von knapp 2.000 Soldaten und etwa 40 Flugzeuge vorgesehen. Naval Group und Chantiers de l’Atlantique sollen den Rumpf zwischen 2031 und 2034 in Blöcken bauen, die Ausrüstung folgt 2034 bis 2036.

Frankreich hält an elektromagnetischen Katapulten aus US-Produktion fest, obwohl US-Präsident Donald Trump die US Navy angewiesen hat, zu Dampfkatapulten zurückzukehren. Cluzel kündigte an, das Thema mit seinem US-Amtskollegen Admiral Daryl Caudle in Washington zu besprechen. Er verwies auf knapp 40.000 Starts seit Einführung der Technik und eine Verfügbarkeit von rund 98 Prozent. Den Vertrag sieht er nicht gefährdet, da bereits drei US-Träger mit dem System ausgestattet sind und damit Fertigung und Instandhaltung gesichert seien. Um Abhängigkeiten zu begrenzen, will Frankreich zu Programmbeginn einen umfangreichen Ersatzteilbestand beschaffen. Flugzeuge mit Kurzstart- und Senkrechtlandefähigkeit hält Cluzel wegen Einbußen bei Reichweite oder Bewaffnung für nicht erforderlich. Die France Libre soll nach seiner Darstellung die Luft- und Seeherrschaft in einem Einsatzgebiet herstellen können.

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