Kiellegung für zweites italienisches U-Boot vom Typ U212 NFS

Auf der Fincantieri-Werft in Muggiano bei La Spezia ist am 30. September 2026 der Kiel für das zweite U-Boot der Klasse U212 Near Future Submarine (NFS) gelegt worden. Die „Pietro Calvi“ gehört zu einem Programm über vier Boote, das die Organisation Conjointe de Coopération en matière d'Armement (OCCAR) im Auftrag der italienischen Marine verwaltet.
Foto: OCCAR

Auf der Fincantieri-Werft in Muggiano bei La Spezia ist am 30. September 2026 der Kiel für das zweite U-Boot der Klasse U212 Near Future Submarine (NFS) gelegt worden. Die „Pietro Calvi“ gehört zu einem Programm über vier Boote, das die Organisation Conjointe de Coopération en matière d’Armement (OCCAR) im Auftrag der italienischen Marine verwaltet.

    Übergang zur Montage

    Nach Angaben der OCCAR ist die Kiellegung einer der zentralen Meilensteine im U-Boot-Bau. Neben ihrer traditionellen zeremoniellen Bedeutung markiert sie den Übergang von der Fertigung einzelner Sektionen zu deren Zusammenbau zu einer vollständig integrierten Plattform. Die Organisation führt den erreichten Stand auf die Zusammenarbeit zwischen der Marina Militare, den nationalen Behörden und den beteiligten Industriepartnern zurück. Das Programm umfasse technische, operative und industrielle Aufgaben über Entwurf, Entwicklung, Produktion und Integration hinweg. Die OCCAR sieht ihre Aufgabe darin, diese Tätigkeiten zu koordinieren und einen zeitgerechten Programmfortschritt sicherzustellen.

    Der Kiel des ersten Bootes war bereits im Februar gelegt worden. Fincantieri meldete die Kiellegung der ersten Einheit am 27. Februar 2026 in Muggiano und nannte 2029 als Liefertermin. Die Auslieferung des zweiten Bootes ist laut Werft für 2030 vorgesehen.

    Vier Boote, schrittweise beauftragt

    Im Februar 2021 erhielt Fincantieri über die OCCAR im Auftrag des italienischen Verteidigungsministeriums einen Vertrag über 1,35 Milliarden Euro für die ersten beiden Boote mit einer Option auf zwei weitere. Die Option für das dritte Boot wurde im Juni 2023 gezogen. Am 28. Juni folgte die Option für das vierte Boot, zeitgleich mit dem Baubeginn der dritten Einheit in Muggiano. Der Wert dieser Option lag bei rund 500 Millionen Euro, die Unterzeichnung erfolgte 2024. Mit derselben Vertragsänderung wurden zudem die Wartung und Unterstützung der ersten drei Boote abgeschlossen sowie die Industrialisierung und Integration eines neuen Lithium-Ionen-Batteriesystems angestoßen, beginnend mit dem ersten Boot der Klasse.

    Der Programmumfang umfasst Entwurf, Bau und Auslieferung der vier Boote, zehn Jahre Betriebsunterstützung sowie Ausbildungsgeräte. Nach Angaben von Fincantieri wurde der Vertrag kürzlich um Leistungen zu neuen technologischen Fähigkeiten und zur integrierten logistischen Unterstützung erweitert.

    Technische Grundlage aus Deutschland

    Die Boote basieren auf dem Entwurf der Klasse 212A, der auch von der Deutschen Marine genutzt wird. Entwickelt wurde dieser Ende der 1990er Jahre von der Werft HDW, heute Teil von TKMS. Grundlage für den Bau in Italien ist ein Abkommen zur industriellen Zusammenarbeit, das thyssenkrupp Marine Systems und Fincantieri 2018 geschlossen haben. Italien betreibt bereits vier Boote der Todaro-Klasse (U212A), die zwischen 2006 und 2017 ausgeliefert wurden.

    Gegenüber diesen Booten soll der Anteil italienischer Technologie deutlich steigen. Leonardo erhielt im Februar 2021 einen Auftrag über 150 Millionen Euro für die Entwicklung eines neuen Führungs- und Waffeneinsatzsystems. An der Lithium-Ionen-Batterie arbeiten FIB-FAAM, das Gemeinschaftsunternehmen Power4Future, Cetena und TÜV Rheinland unter Projektleitung von Fincantieri. Die Boote sind jeweils 59 Meter lang und für eine Besatzung von mehr als 20 Personen ausgelegt. Vorgesehen sind sechs Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter für Schwergewichtstorpedos vom Typ Black Shark.

    Ersatz für die Sauro-Klasse

    Die neuen Boote sollen die älteren U-Boote der verbesserten Sauro-Klasse ersetzen, damit die Marine dauerhaft über mindestens acht Plattformen verfügt. Die Sauro-Boote waren zwischen Ende der 1980er und Mitte der 1990er Jahre in Dienst gestellt worden. Vorgesehene Aufgaben der Nachfolger sind unter anderem Einsätze gegen Piraterie und Terrorismus, die Sicherung von Energieversorgungswegen sowie der Schutz von Offshore- und Unterwasserinfrastruktur.

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