Mit 210 fest bestellten Systemen für drei Nationen, einem Rahmenvertrag über bis zu 500 Stück und einem laufenden Kriegseinsatz in der Ukraine hat sich die Radhaubitze RCH 155 von KNDS binnen weniger Jahre von einem eigenfinanzierten Messedemonstrator zu einem der gefragtesten Rohrartilleriesysteme Europas entwickelt. Auf dem größten Verteidigungsmarkt der Welt, den USA, musste das System im August 2026 jedoch eine empfindliche Niederlage hinnehmen. Der folgende Fachbeitrag gibt einen Überblick über die technischen Daten der RCH 155, die bisherigen Bestellungen und die Interessenten und erläutert, weshalb die Haubitze aus Kassel in Amerika unterlag.
Table of Contents
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Technische Daten
Die Bezeichnung RCH 155 steht für Remote Controlled Howitzer 155 Millimeter. Es handelt sich um eine geschützte Radhaubitze, die auf dem 8×8-Fahrmodul des GTK Boxer aufbaut. Entwicklung und Fertigung liegen bei KNDS Deutschland, der früheren Krauss-Maffei Wegmann, in Kassel. Hauptauftragnehmer bei den Verträgen mit der Bundeswehr und Großbritannien ist die ARTEC GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von KNDS und Rheinmetall. Rheinmetall liefert Waffenanlage, Elektrik und Software, Hensoldt das Rundumsichtsystem. Die Entwicklung finanziert KNDS seit 2003 vollständig aus eigenen Mitteln. 2008 präsentierte das Unternehmen das Artillerie-Geschütz-Modul (AGM) erstmals auf dem Kettenfahrgestell ASCOD unter dem Namen DONAR; 2014 folgte auf der Eurosatory die Kombination mit dem Boxer. Seit 2021 ist der Turm um 30 Zentimeter niedriger und entspricht damit dem Bahnverlademaß. Am 18. August 2021 wurde erstmals scharf aus der Fahrt geschossen, Anfang 2022 schloss der Hersteller die firmenseitige Qualifikation ab.
Grundlegend unterscheidet sich das Konzept von klassischen Panzerhaubitzen: Das Geschütz befindet sich in einem unbemannten, vollautomatischen und fernbedienbaren Turm, während die auf zwei Personen reduzierte Besatzung aus Kommandant und Kraftfahrer geschützt im Fahrmodul verbleibt. Laden und Richten erfolgen in jeder Rohrstellung vollautomatisch, die Zünder werden während des Ladevorgangs induktiv programmiert. Laut KNDS umfasst der Seitenrichtbereich volle 360 Grad bei bis zu sechs modularen Treibladungen. Eine Abstützung ist dafür nicht erforderlich, da das Fahrgestell Rückstoßkräfte von bis zu 60 Tonnen unmittelbar aufnimmt. Der Höhenrichtbereich liegt zwischen minus 2,5 und plus 65 Grad.
Hauptwaffe ist die 155-Millimeter-Waffenanlage L/52 von Rheinmetall, eine vollautomatisierte Weiterentwicklung der Waffenanlage der Panzerhaubitze 2000. Sie ist JBMoU-kompatibel und kann somit die standardisierte 155-Millimeter-Munition der NATO-Staaten verschießen; die Kadenz liegt bei acht bis neun Schuss pro Minute. Die Reichweite beträgt mit Base-Bleed-Geschossen bis zu 40 Kilometer, mit reichweitengesteigerten V-LAP-Geschossen 54 Kilometer und mit der gelenkten Munition VULCANO bis zu 70 Kilometer. Vorgesehen ist zudem das gelenkte Geschoss Excalibur. Im automatischen Zugriff lagern 30 bezünderte Geschosse und 144 modulare Treibladungen, was dem halben Vorrat einer Panzerhaubitze 2000 entspricht. Die Nachmunitionierung erfolgt über Heck- und Turmklappe; mit einem Beladecontainer benötigen zwei Soldaten dafür weniger als zehn Minuten.
Ihr wichtigstes Alleinstellungsmerkmal zeigt die RCH 155 in der Bewegung: Sie kann aus der Fahrt heraus in alle Richtungen feuern. Dazu erfasst der Rechner fortlaufend die Lage von Fahrzeug und Rohr und gibt den Schuss nur bei exakter Ausrichtung frei. Nach Herstellerangaben ist präzises Feuer bis etwa 36 km/h möglich; bereits 2021 wurden drei Schuss in kurzer Folge aus der Bewegung abgegeben. Darüber hinaus beherrscht das System MRSI (Multiple Round Simultaneous Impact). Dabei werden mehrere Geschosse auf unterschiedlichen Flugbahnen so verschossen, dass sie nahezu gleichzeitig im Ziel einschlagen. Die RCH 155 erreicht hier bis zu fünf Schuss mit einem Abstand von weniger als zwei Sekunden beim Einschlag. Die Haubitze ist in weniger als zehn Sekunden feuerbereit, auch das Beziehen und Verlassen einer Stellung nimmt jeweils nur rund zehn Sekunden in Anspruch. Angesichts allgegenwärtiger Drohnen ist dies ein entscheidender Vorteil für die Überlebensfähigkeit.

Als Fahrmodul nutzt KNDS den bewährten Boxer. Ein MTU-V8-Dieselmotor mit bis zu 815 PS bringt das knapp 40 Tonnen schwere Fahrzeug auf mehr als 100 km/h. Der Fahrbereich übersteigt 700 Kilometer, und das Triebwerk kann im Feld innerhalb von 30 Minuten gewechselt werden. Im A400M lässt sich die Haubitze transportieren, allerdings nur mit getrennt verladenem Missions- und Fahrmodul.
Beim Schutz kommt der Besatzung das Grundkonzept zugute, da sie im Fahrmodul vollständig vom unbemannten Turm getrennt untergebracht ist. Ein mehrlagiger Boden schützt vor Minen und Sprengfallen, die modular verstärkbare Panzerung vor schweren Maschinengewehren, Mittelkalibern, Bomblets und Artilleriesplittern. Ergänzt wird dies durch eine ABC-Schutzanlage und eine Brandunterdrückungsanlage im Kampfraum. Optional sind eine Nebelmittelwurfanlage und eine fernbedienbare Waffenstation verfügbar, wie 2021 etwa mit der FLW 200 und einem MG5 vorgeführt. Konkrete Schutzstufen sind öffentlich nicht belegt. Das Heer kommt zu einer differenzierten Bewertung: Auf der Straße und in leichtem Gelände bietet das System Vorteile gegenüber der Panzerhaubitze 2000, in schwerem Gelände hingegen Nachteile. Zudem erreichen Schutz und Munitionsvorrat nicht ganz deren Niveau.
Schließlich ist das Geschützmodul nicht an den Boxer gebunden. Neben dem ASCOD bietet KNDS das AGM auch auf Piranha-Fahrgestellen an, General Dynamics vermarktet es auf dem LAV 10×10. Im Oktober 2025 stellte KNDS mit der RCH 155 TRACKED zudem eine Kettenversion auf Basis des Boxer Tracked vor, die rund 45 Tonnen wiegt, bis zu 900 Kilowatt leistet und 70 km/h erreicht. Im Juni 2026 folgte das Konzept RCH 155 tracked LORAS mit einem längeren L/58-Rohr, das mit Standardmunition mehr als 60 und mit Spezialmunition bis zu 100 Kilometer Reichweite erzielen soll. Diese Modularität spielt bei mehreren der nachfolgend beschriebenen Beschaffungen eine Rolle.
Bestellungen
Den Anfang macht der Kunde, der die RCH 155 nicht auf dem Übungsplatz, sondern im Gefecht einsetzt: die Ukraine. Nach einem Antrag vom 14. Juli 2022 genehmigte die Bundesregierung im September 2022 zunächst 18 Systeme, 2023 kamen 36 weitere hinzu. Im Juni 2024 bestätigte KNDS den Vertrag über insgesamt 54 Haubitzen. Verteidigungsminister Pistorius bezifferte die Kosten auf 890 Millionen Euro, finanziert aus der Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung. Die erste Übergabe erfolgte am 13. Januar 2025 in Kassel; bis 2027 soll die gesamte Bestellung ausgeliefert sein. Die ersten Fahrzeuge verblieben jedoch zunächst zu Ausbildungszwecken in Deutschland und erreichten die Ukraine nach Angaben von Pistorius erst Anfang 2026. Wie viele der 54 Systeme inzwischen übergeben wurden, ist nicht bekannt. Die Ukraine rüstet mit den Haubitzen drei Artilleriebataillone zu je 18 Systemen aus, ergänzt um neun Feuerleitfahrzeuge auf Basis des Boxer RCT30. Zusätzlich erhalten die Fahrzeuge das Rundumsichtsystem SETAS von Hensoldt. Bis März 2026 wurden an der Artillerieschule mehr als 600 Ukrainerinnen und Ukrainer ausgebildet; seit April 2026 werten beide Länder die Einsatzerfahrungen gemeinsam aus.
Größter Kunde ist die Bundeswehr. Unter der Projektbezeichnung „Zukünftiges System Indirektes Feuer mittlere Reichweite“ suchte das Heer eine Radhaubitze mit der L/52-Waffenanlage der Panzerhaubitze 2000, einer Besatzung von höchstens zwei Soldaten und einem bereits eingeführten Radfahrgestell. Diese Anforderungen entsprachen nahezu exakt dem Profil der RCH 155. Am 17. Dezember 2025 billigte der Haushaltsausschuss das Vorhaben; zwei Tage später wurden der Rahmenvertrag über bis zu 500 Systeme sowie der Abruf von 84 Stück unterzeichnet. Darunter befinden sich vier Nachweismuster, von denen eines für Großbritannien vorgesehen ist. Die 84 Systeme kosten einschließlich Ausbildungsmitteln, Service und Logistik rund 1,2 Milliarden Euro. Insgesamt plant die Bundeswehr mit 229 Haubitzen für rund 3,4 Milliarden Euro, bestehend aus den 80 Serienfahrzeugen des ersten Abrufs und 149 weiteren. Rheinmetall liefert die Waffenanlagen von 2027 bis 2029; die 80 Serienfahrzeuge sollen zwischen 2028 und Ende 2030 zulaufen, alle 229 bis 2032. Für die Einordnung ist wesentlich, dass die RCH 155 die Panzerhaubitze 2000 nicht ersetzt, sondern ergänzt. Sie ist für die Artilleriebataillone der Mittleren Kräfte und die Divisionsartilleriebataillone vorgesehen, während die Panzerhaubitze in den schweren Brigaden bis in die 2040er-Jahre im Dienst bleiben soll. Erster Verband ist das am 7. Oktober 2025 aufgestellte Artilleriebataillon 215 in Augustdorf mit drei Batterien zu je neun Haubitzen. Dank der Zwei-Mann-Besatzung kommt das Bataillon mit rund 340 statt 555 Dienstposten aus.
Auch Großbritannien hat sich für die RCH 155 entschieden. Die Auswahl wurde im April 2024 bekanntgegeben und im Oktober 2024 im deutsch-britischen Trinity-House-Abkommen bekräftigt. Am 13. Mai 2026 wurde schließlich der Auftrag über 72 Systeme bekannt, den die europäische Rüstungsorganisation OCCAR an ARTEC vergab. Das Volumen beläuft sich auf knapp eine Milliarde Pfund, umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro, einschließlich Ausbildung und Betreuung im Betrieb. Bereits zuvor waren im Dezember 2025 52 Millionen Pfund für drei Erprobungsfahrzeuge und im März 2026 weitere 53 Millionen Pfund für 37 Waffenanlagen bereitgestellt worden; 30 Millionen davon flossen in die neue Rohrfertigung von Rheinmetall im englischen Telford. Die Fahrzeuge sollen ab 2028 zulaufen, die Waffenanlagen liefert Rheinmetall von Mai 2028 bis Juni 2031. Die RCH 155 ersetzt die Panzerhaubitzen AS90, von denen Großbritannien 32 an die Ukraine abgegeben hat; bis dahin überbrücken 14 schwedische Archer die Lücke. Die Fahrmodule fertigt KNDS UK in Stockport, die Waffenanlagen stammen aus Telford. Insgesamt sollen mindestens 500 Arbeitsplätze entstehen. Aus diesem Grund beschafft London nicht über den deutschen Rahmenvertrag, die Qualifikation erfolgt jedoch gemeinsam mit Deutschland.
Vierter Vertragskunde ist die Schweiz, die allerdings einen Sonderweg geht. Im Projekt „Artillerie Wirkplattform und Wirkmittel 2026“ sucht die Armee einen Nachfolger für ihre Panzerhaubitzen M109, von denen 2022 noch 133 im Bestand waren. Von Januar 2023 bis Juni 2024 wurde die RCH 155 als eines von drei Systemen erprobt, neben dem Archer und dem Geschützmodul auf Piranha-Fahrgestell. Am 5. November 2024 entschied sich die Schweiz für Letzteres auf dem Piranha IV 10×10, das als „vorteilhaftestes Angebot“ bewertet wurde. Gegen den Boxer sprach, dass für ihn eine vollständig neue Logistikkette hätte aufgebaut werden müssen, während Piranha-Fahrzeuge in der Armee seit Langem eingeführt sind. Die Schweiz beschafft somit keine RCH 155 im engeren Sinne, wohl aber deren Kernkomponente, das AGM. Der Vertrag vom 8. Juni 2026 umfasst 32 Seriensysteme, 32 Munitionsbeladungscontainer sowie einen Prototyp, Ausbildungsmittel und eine erste Munitionsausstattung. Der Prototyp soll 2027 fertiggestellt und 2028 qualifiziert werden; die Serie folgt ab 2031.
Hinzu kommt Katar als zurückhaltendster Kunde auf der Liste. KNDS führt das Emirat als Vertragsnation, die Stückzahl von zwölf nennt jedoch ausschließlich die Zeitschrift ES&T. Die Haubitzen sind Teil eines Pakets von 22 Boxern, das auch Radschützenpanzer RCT30 umfasst. Zugrunde liegt ein Tauschgeschäft: Katar soll zwölf seiner 24 Panzerhaubitzen 2000 abgeben, die nach einer Überholung an die Ukraine gehen, und erhält im Gegenzug die RCH 155. Kosten, Vertragsdatum und Zeitplan sind nicht bekannt; weder die Bundesregierung noch KNDS haben sich bislang offiziell dazu geäußert. Belegt ist lediglich, dass die ersten sechs RCT30 im Dezember 2025 geliefert wurden.
Interessenten
Neben den festen Bestellungen gibt es mehrere Interessenten. Der bedeutendste ist Kanada: Im Vorhaben „Indirect Fires Modernization“ wollen die kanadischen Streitkräfte ihre 33 gezogenen Haubitzen M777 durch Selbstfahrhaubitzen ersetzen. Der formulierte Bedarf liegt bei 80 bis 98 Geschützen. Eine Informationsanfrage vom Mai 2025 forderte mindestens 80 Haubitzen mit L/52-Rohr sowie eine Reichweite von 30 Kilometern mit Standard- und 40 Kilometern mit Base-Bleed-Munition. Zudem soll eine Batterie aus sechs Geschützen innerhalb von drei Minuten 96 Schuss abgeben und danach die Stellung räumen können. Für diese Anforderungen erscheint die RCH 155 wie geschaffen. Rheinmetall Canada kündigte für die Messe CANSEC im Mai 2026 Modelle von Boxer und RCH 155 an und verweist auf die Zusammenarbeit der Boxer-Nutzerstaaten. Bemerkenswert ist, dass die Konkurrenz aus dem eigenen Lager kommt: GDLS Canada bietet dasselbe Geschützmodul auf einem in Kanada gefertigten LAV 10×10 an.

Auch in Italien zeichnet sich eine Entwicklung ab. Am 16. Dezember 2025 unterzeichneten KNDS Deutschland und Leonardo eine Absichtserklärung, das Geschützmodul auf einer verbesserten Radplattform von Leonardo für das anstehende Programm des italienischen Heeres anzubieten. Laut ES&T kommen Centauro oder Freccia als Trägerfahrzeug in Betracht. Die Niederlande zählte Rheinmetall-Chef Armin Papperger im August 2024 zu den Kunden oder potenziellen Kunden; nach aktuellem Planungsstand setzt das Land jedoch auf 46 Panzerhaubitzen 2000 und 20 Raketenwerfer PULS. In Spanien präsentierten GDELS und KNDS im Mai 2025 das Geschützmodul unter dem Namen Nemesis auf dem Kettenfahrzeug ASCOD als möglichen Ersatz für die M109. Eine Entscheidung ist bislang nicht belegt.
Rückschlag in den USA
Die eingangs erwähnte Niederlage betrifft die U.S. Army, die sich gegen die RCH 155 entschieden hat. Im Programm „Mobile Tactical Cannon“ will sie die gezogene M777 in ausgewählten Verbänden durch Radhaubitzen ersetzen. American Rheinmetall Vehicles hatte die RCH 155 zusammen mit KNDS und ARTEC angeboten; im Oktober 2024 beauftragte die Army fünf Anbieter mit Vorführungen. Im August 2026 entschied sie sich jedoch für die K9 MH des südkoreanischen Herstellers Hanwha. Dabei handelt es sich um eine Radversion der Panzerhaubitze K9, die den vollautomatischen Turm der K9 A2 auf einem 8×8-Lkw-Fahrgestell trägt. Hanwha Defense USA entwickelt und liefert nun sechs Prototypen für rund 100 Millionen US-Dollar; eine Option auf bis zu zwölf weitere erhöht den Auftragswert auf fast 263 Millionen. Unterlegen waren neben der RCH 155 auch Archer, Caesar, Sigma sowie das von General Dynamics angebotene Geschützmodul auf Basis des Piranha 10×10. Das AGM scheiterte in den USA damit in zwei Ausführungen zugleich. Endgültig verloren ist der Markt jedoch nicht: Über die Serienbeschaffung der K9 MH ist noch nicht entschieden, und die Prototypen werden vier Jahre lang erprobt. Soldat & Technik wertet die Auswahl daher lediglich als Vorentscheid. Unabhängig davon präsentierte KNDS im Oktober 2025 in Washington die RCH 155 TRACKED, was hartpunkt als Angebot für die Nachfolge der Panzerhaubitze M109A7 interpretiert.
Fazit
In der Bilanz ergeben 54 Systeme für die Ukraine, 84 für die Bundeswehr mit einer Perspektive auf 229 sowie 72 für Großbritannien insgesamt 210 fest bestellte RCH 155. Hinzu kommen Berichten zufolge zwölf Systeme für Katar sowie 32 Geschützmodule auf Piranha für die Schweiz; der Rahmenvertrag über bis zu 500 Systeme steht zudem den Verbündeten offen. Weniger als vier Jahre nach der Qualifikation hat sich die RCH 155 damit als eine der Standard-Radhaubitzen der europäischen NATO- und Partnerstaaten etabliert, obwohl die Auslieferungen erst begonnen haben.
Die Gründe dafür sind naheliegend. Die Zwei-Mann-Besatzung spart je Bataillon mehr als 200 Dienstposten ein, was angesichts des anhaltenden Personalmangels ein gewichtiges Argument darstellt. Der unbemannte Turm schützt die Besatzung, Feuer aus der Fahrt und Stellungswechsel im Zehn-Sekunden-Takt sind eine geeignete Antwort auf ein von Aufklärungsdrohnen geprägtes Gefechtsfeld, und das modulare Geschützmodul lässt sich auf nahezu jedes geeignete Fahrgestell integrieren.
Ein Selbstläufer ist die Radhaubitze dennoch nicht. Das deutsche Heer sieht Nachteile im schweren Gelände sowie Abstriche bei Schutz und Munitionsvorrat gegenüber der Panzerhaubitze 2000. Die RCH 155 ergänzt die Panzerartillerie daher, ersetzen kann und soll sie diese nicht. Hinzu kommt die Niederlage auf dem größten Rüstungsmarkt der Welt. Dort ist allerdings erst ein Vorentscheid gefallen, und mit der RCH 155 TRACKED steht bereits die nächste Bewerbung um die Nachfolge der M109A7 bereit. In Europa hat die Haubitze aus Kassel den Durchbruch jedenfalls geschafft. Nun muss KNDS nachweisen, dass sich die vollen Auftragsbücher auch termingerecht abarbeiten lassen, denn die Ukraine, die Bundeswehr und Großbritannien benötigen die Systeme so rasch wie möglich.
