ICEYE und Nokia entwickeln souveräne Satellitenkommunikation

Die finnischen Unternehmen ICEYE und Nokia wollen gemeinsam Breitband-Kommunikationssysteme im niedrigen Erdorbit entwickeln, die staatliche Kunden selbst besitzen und betreiben. Die ersten Satelliten sollen 2028 starten.
Radaraufklärungssatelliten | Foto: ICEYE

Die finnischen Unternehmen ICEYE und Nokia wollen gemeinsam Breitband-Kommunikationssysteme im niedrigen Erdorbit entwickeln, die staatliche Kunden selbst besitzen und betreiben. Die ersten Satelliten sollen 2028 starten.

ICEYE und Nokia haben am 1. Oktober 2026 in Helsinki eine Partnerschaft zur Entwicklung von Satellitenkommunikationssystemen im niedrigen Erdorbit (Low Earth Orbit, LEO) bekannt gegeben. Das Angebot richtet sich an Regierungen. Als Einsatzfelder nennen die Unternehmen Verteidigung, Grenzschutz, Rettungsdienste und Katastrophenhilfe, die Systeme sind also für militärische und zivile Nutzung ausgelegt.

Eigentum und Kontrolle über Satelliten, Bodensegment und Endgeräte sollen beim jeweiligen Staat liegen. Der Start der ersten Kommunikationssatelliten ist für 2028 vorgesehen.

Ergänzung bestehender Netze

Die Unternehmen begründen das Vorhaben mit der Verwundbarkeit terrestrischer Netze. Fallen diese aus oder werden sie kompromittiert, verlieren Streitkräfte, Einsatzkräfte und Behörden den Zugang zu Informations- und Führungssystemen. Die geplanten Systeme sollen Verbindungen mit hoher Datenrate und geringer Latenz gezielt über priorisierten Einsatzgebieten bereitstellen. Sie sind nicht als Ersatz für militärische und kommerzielle Netze gedacht, sondern sollen diese um Reichweite, Ausfallsicherheit und Kapazität ergänzen.

Technische Eckdaten enthält die Mitteilung nicht. Offen sind unter anderem die Zahl der Satelliten, die Bahnkonfiguration, die Frequenzbänder, die Spezifikationen der Endgeräte und der Startdienstleister.

Aufgabenteilung

ICEYE bringt Erfahrung mit Satellitenmissionen für staatliche Auftraggeber ein, Nokia Netzwerktechnik und ein wachsendes Verteidigungsportfolio. Gemeinsam wollen die Partner Satelliten, Bodeninfrastruktur und gehärtete Endgeräte zu einem Gesamtsystem integrieren. ICEYE überträgt damit sein Geschäftsmodell, Staaten eigene Satellitensysteme zu liefern, von der Radaraufklärung auf die Kommunikation. Für das Unternehmen, das bislang auf Satelliten mit Synthetic Aperture Radar (SAR) spezialisiert ist, bedeutet das eine Erweiterung des bisherigen Schwerpunkts.

ICEYE-Chef Rafal Modrzewski betont, Staaten müssten ihre Kommunikation vollständig selbst kontrollieren können, ohne von den Nutzungsbedingungen ausländischer kommerzieller Betreiber abhängig zu sein. Er verweist auf Polen, dem ICEYE ein eigenes Radarsatellitensystem in weniger als einem Jahr geliefert habe. Ein ähnliches Tempo strebe man nun bei der Satellitenkommunikation an. Nokia-Chef Justin Hotard erklärt, souveränes Handeln setze voraus, in Echtzeit Lagebilder gewinnen, entscheiden und handeln zu können. Dafür sei sichere Konnektivität über Land, See, Luft und Weltraum erforderlich.

Polen als Bezugspunkt

Der Schritt in die Satellitenkommunikation hatte sich bereits abgezeichnet. Am 11. September 2026 unterzeichneten ICEYE und der staatliche polnische Rüstungskonzern PGZ auf der Messe MSPO in Kielce eine Absichtserklärung über die Konzeption eines militärischen Satellitenkommunikationssystems für die polnischen Streitkräfte. Nach Angaben von PGZ soll das Programm von 2026 bis 2030 umgesetzt werden. ICEYE tritt dabei als Technologiepartner auf und soll die Systemarchitektur entwickeln, die Satellitenplattformen bauen und den Betrieb übernehmen. Ministerpräsident Donald Tusk sprach in diesem Zusammenhang von einem polnischen Starlink.

Ob die ersten Kommunikationssatelliten aus der Partnerschaft mit Nokia für Polen bestimmt sind, wollte ICEYE nicht bestätigen.

Europäischer Kontext

Parallel baut die Europäische Union mit IRIS² eine eigene Konstellation für sichere Kommunikation auf. Am 7. August 2026 unterzeichneten die EU-Kommission und das Konsortium SpaceRISE die Umsetzungsvereinbarung. Vorgesehen sind 330 Satelliten im niedrigen und 18 im mittleren Erdorbit. Die ersten Starts sind für 2029 geplant. Während IRIS² als gemeinsame Infrastruktur der EU angelegt ist, zielt das Angebot von ICEYE und Nokia auf nationale Systeme im Eigentum einzelner Staaten.

Modrzewski und Hotard treten am 2. Oktober gemeinsam beim Helsinki Security Forum auf. Thema der Veranstaltung ist die technologische Souveränität Europas.

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