Patria 6×6: Endmontage in Freisen ab Jahresende

KNDS Deutschland und der finnische Hersteller Patria haben bei einem Arbeitsbesuch im saarländischen Freisen ihre Kooperation im CAVS-Programm bestätigt. Ab Ende 2026 sollen dort die ersten Serienfahrzeuge des Transportpanzers Patria 6x6 für die Bundeswehr ausgerüstet und endmontiert werden
Foto: KNDS

KNDS Deutschland und der finnische Hersteller Patria haben bei einem Arbeitsbesuch im saarländischen Freisen ihre Kooperation im CAVS-Programm bestätigt. Ab Ende 2026 sollen dort die ersten Serienfahrzeuge des Transportpanzers Patria 6×6 für die Bundeswehr ausgerüstet und endmontiert werden.

Wie KNDS am 30. September 2026 mitteilte, trafen sich Jyri Häkämies, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Patria, und Florian Hohenwarter, CEO von KNDS Deutschland und KNDS Deutschland Maintenance, zu einem Arbeitsbesuch am Standort Freisen. An dem Austausch nahm auch die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger teil. Thema waren neben dem Stand des Programms die wirtschaftlichen Perspektiven für das Saarland.

Rahmenvertrag seit August

Grundlage der Zusammenarbeit ist ein Rahmenvertrag vom 11. August 2026 zwischen KNDS Deutschland Maintenance und Patria über die Herstellung des Transportpanzers Patria 6×6 im multinationalen Programm Common Armoured Vehicles (CAVS). KNDS tritt dabei über seine Tochtergesellschaft als Unterauftragnehmer von Patria auf.

Nach Unternehmensangaben werden ab Ende des Jahres die ersten Serienfahrzeuge, die noch in Finnland gefertigt werden, in Freisen mit ihren Rüstsätzen ausgestattet und endmontiert. Bereits im August hatte KNDS mitgeteilt, dass die Anfang 2026 an die Bundeswehr übergebenen Vorserienfahrzeuge in Freisen nachgerüstet werden und der Know-how-Transfer ab Anfang 2027 intensiviert wird. Die Fertigung in Deutschland soll laut Patria ab 2027 schrittweise ausgebaut werden.

Christoph Cords, CEO von KNDS Deutschland Maintenance, stellte während des Besuchs die Arbeitspakete des Unternehmens und den Stand beim Aufbau der Serienfertigung vor. Auch eine mögliche Ausweitung der Kapazitäten wurde besprochen.

Positionen der Beteiligten

Rehlinger hob die Bedeutung des Auftrags für Freisen und das Saarland hervor und verwies auf Wertschöpfung und qualifizierte Arbeitsplätze. Die Landesregierung unterstütze den Ausbau des Standorts, die Vermittlung von Fachkräften und den Aufbau eines Zulieferernetzwerks, unter anderem aus der saarländischen Automobilindustrie.

Cords bezeichnete die Zusammenarbeit mit Patria, dem Bundesministerium der Verteidigung und dem BAAINBw als konstruktiv und sieht in dem Programm die Möglichkeit, Wertschöpfung nach Deutschland und ins Saarland zu verlagern. Hohenwarter betonte, dass KNDS als Systemhaus in der Rolle eines Unterauftragnehmers einen für das Unternehmen neuen Weg gehe, um europäische Produktionskapazitäten zu stärken. Jussi Järvinen, bei Patria für den Bereich Protected Mobility verantwortlich, erklärte, die Zusammenarbeit verlaufe planmäßig. Technologietransfer und lokaler Fähigkeitsaufbau sollen nach seinen Angaben die Liefersicherheit erhöhen.

Hintergrund: Bestellungen und Bedarf der Bundeswehr

Der Rahmenvertrag ist Teil der beiden Beschaffungsverträge, die Patria und die Bundeswehr im Dezember 2025 geschlossen haben. Nach Angaben der Bundeswehr sind 349 Fahrzeuge fest bestellt. Dem Fachportal hartpunkt zufolge handelt es sich dabei um Varianten für Pioniergruppen und Panzeraufklärungsgruppen, um Feuerleitfahrzeuge sowie um Träger des 120-mm-Mörsersystems NEMO, ergänzt um zehn Fahrzeuge in der schwedischen Truppentransporter-Konfiguration. Einschließlich der Optionen umfasst der Auftrag bis zu 876 Fahrzeuge.

Der Gesamtbedarf der Bundeswehr wird auf rund 4.000 Fahrzeuge beziffert, die den Transportpanzer Fuchs ablösen sollen. Die ersten fünf Fahrzeuge wurden im Februar 2026 in Zeithain übergeben, im Juli berichtete die Bundeswehr über die Erprobung bei der Wehrtechnischen Dienststelle 41 in Trier. Die Serienauslieferung soll ab Anfang 2027 hochgefahren werden.

Neben KNDS sind mit Jungenthal Wehrtechnik und der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft weitere deutsche Unternehmen eingebunden, mit denen Patria 2024 eine erste Vereinbarung geschlossen hatte.

Das CAVS-Programm

CAVS wurde 2020 von Finnland und Lettland gestartet und basiert auf dem Patria 6×6. Laut Patria beteiligen sich inzwischen auch Schweden, Dänemark, Norwegen, Deutschland und Großbritannien. Ausgeliefert wurden Fahrzeuge bislang nach Finnland, Schweden, Lettland, Dänemark und Deutschland.

Der Patria 6×6 hat nach Herstellerangaben ein Maximalgewicht von 24 Tonnen bei 8,5 Tonnen Zuladung. Der Schutz entspricht STANAG 4569 Level 2 und kann bei Bedarf auf Level 4 erhöht werden.

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