Das niederländische Verteidigungsministerium hat den europäischen Rüstungshersteller Destinus mit der Entwicklung einer schiffsgestützten Abwehrfähigkeit gegen unbemannte Luftfahrzeuge beauftragt. Grundlage ist der Abfangflugkörper Hornet B2, der bis zum zweiten Quartal 2027 auf mehreren Einheiten der Koninklijke Marine erprobt werden soll.
Vertrag mit den Materialkommando COMMIT
Das Materiel- und IT-Kommando des Ministeriums, COMMIT, hat am 24. August 2026 einen Vertrag über ein sogenanntes Concept-Development-and-Evaluation-Programm (CD&E) geschlossen. Vorgesehen sind die Lieferung von Hornet-B2-Systemen, deren Integration auf mehreren Kriegsschiffen der niederländischen Marine sowie begleitende Maßnahmen der integrierten logistischen Unterstützung mit dem Ziel einer möglichen ersten Einsatzbereitschaft. Die Zahl der auszurüstenden Einheiten wurde nicht genannt.

Das Verteidigungsministerium begründet den Schritt mit einer wachsenden Bedrohung durch Drohnen mittlerer Reichweite. Nach Darstellung des Ministeriums ergibt sich dieser Befund sowohl aus operativen Analysen als auch aus dem aktuellen Lagebild maritimer Operationen; seegehende Verbände benötigten daher zusätzliche Mittel zur Eigensicherung. Das System soll aus einer Bodenstation und einer Startvorrichtung bestehen und die vorhandene Bewaffnung ergänzen, nicht ersetzen.
Technisches Konzept
Hornet B2 unterscheidet sich im Aufbau von klassischen Flugabwehrlenkflugkörpern. Der Effektor lagert in einem versiegelten Kanister und wird über einen Raketenbooster gestartet; anschließend klappt er Tragflächen aus und geht in einen elektrisch angetriebenen Marschflug über. Zur Bekämpfung von Einwegdrohnen nutzt das System elektrooptische und infrarote Sensorik, in der Endphase unterstützt durch KI-gestützte Datenverarbeitung. Die Entscheidung über einen Waffeneinsatz bleibt nach Herstellerangaben menschlicher Führung vorbehalten.
Der Hersteller gibt für die Block-2-Variante eine Reichweite von mehr als 150 Kilometern und eine Nutzlast von drei Kilogramm an. Als Zielspektrum werden Drohnen, Loitering Munition und Hubschrauber genannt, wobei sich die Bekämpfung auf Unterschallziele beschränkt; der Startcontainer entspricht dem Format eines 20-Fuß-ISO-Containers. Bei der Vorstellung des Systems auf der Messe BEDEX in Brüssel im März 2026 hatte Destinus die Reichweite noch mit mehr als 70 Kilometern beziffert und das System als Lückenschluss zwischen Nächstbereichs- und Kurzstreckenflugabwehr positioniert. Die Vorgängerversion Hornet B1 befindet sich bereits in Serienfertigung.
Kostenrelation als Treiber
Destinus-Chef Mikhail Kokorich begründet den Ansatz mit der Kostenverzerrung der Flugabwehr: Der wiederholte Einsatz millionenteurer Lenkflugkörper gegen billige, in großer Zahl anfliegende Ziele sei für keine Marine dauerhaft tragfähig. Hochwertige Flugabwehrsysteme sollen deshalb nicht ersetzt, sondern um eine günstigere zusätzliche Abfangschicht ergänzt werden.
Dieses Problem trat vor allem während der Sicherungsoperationen im Roten Meer auf, in denen westliche Kriegsschiffe wiederholt huthische Drohnen bekämpften. Die US Navy verfolgt mit der Integration der turbinengetriebenen Abfangsysteme Coyote Block 2 und Roadrunner-M auf Aegis-Zerstörern einen vergleichbaren Ansatz.
Vorlauf und weitere Vorhaben
Der niederländische Auftrag folgt auf mehrere maritime Erprobungen. Am 18. Juni 2026 startete die spanische Marine einen Hornet Block 1 von der Fregatte „Santa María“ (F-81), um die containerisierte Aufstellung an Bord bestehender Plattformen zu prüfen. Der Startcontainer stand dabei auf dem Hubschrauberdeck der Einheit aus der ehemaligen Oliver-Hazard-Perry-Klasse.Bereits am 19. August 2026 unterzeichnete Destinus zudem mit den dänischen Unternehmen CUBEDIN und OMT Group eine Absichtserklärung über ein containerisiertes Marinemodul, das die Hornet-Familie in ein 10- oder 20-Fuß-Missionsmodul integrieren soll.
Ziel ist es, Schiffe unterschiedlicher Klassen ohne bauliche Veränderungen nachzurüsten.
Im niederländischen Programm sollen Marineangehörige von Beginn an in die Entwicklung eingebunden werden und Anforderungen an Schiffsintegration, Logistik und Verfahren mitbestimmen. Nach Angaben des Herstellers soll dies nachträgliche Anpassungen nach Abschluss der Entwicklung verringern. Der Vertrag umfasst zusätzliche Erprobungen, da Hornet B2 ursprünglich für den landgestützten Einsatz ausgelegt wurde.
