Bundeswehr beschafft Schulungsflugzeug für Aufklärungssystem PEGASUS

Das Beschaffungsamt BAAINBw hat Lufthansa Technik mit der Lieferung einer gebrauchten Bombardier Global 6000 beauftragt. Die Maschine soll als Ausbildungsplattform für das luftgestützte Signalaufklärungssystem PEGASUS dienen.
PEGASUS | Foto: Lufthansa Technik Defense

Das Beschaffungsamt BAAINBw hat Lufthansa Technik mit der Lieferung einer gebrauchten Bombardier Global 6000 beauftragt. Die Maschine soll als Ausbildungsplattform für das luftgestützte Signalaufklärungssystem PEGASUS dienen.

Direktvergabe mit Fertigstellung bis Ende September

Wie aus einer Bekanntmachung des BAAINBw auf der europäischen Vergabeplattform TED hervorgeht, umfasst der Auftrag neben der Beschaffung des Flugzeugs auch mögliche Nachrüstungen und Anpassungen an der Avionik sowie eine neue Lackierung. Die Umsetzung ist bis Ende September vorgesehen.

Der Auftrag wurde ohne Wettbewerb direkt an Lufthansa Technik vergeben. Zur Begründung verweist das Beschaffungsamt darauf, dass es sich um eine Verschlusssachenleistung mit Verteidigungs- und Sicherheitsrelevanz handelt.

Die parlamentarische Grundlage schuf der Haushaltsausschuss des Bundestages Anfang Juli mit der Billigung einer entsprechenden Vorlage. Nach damaliger Darstellung des Verteidigungsministeriums sind Cockpit und Avionik der Schulungsmaschine baugleich mit den PEGASUS-Einsatzflugzeugen, Aufklärungssensorik erhält sie jedoch nicht. Ziel ist es, die Ausbildung und Qualifizierung des fliegenden Personals über die gesamte Nutzungsdauer des Waffensystems sicherzustellen, ohne dafür die vollausgestatteten Einsatzmaschinen binden zu müssen. Beschafft wird ein Gebrauchtflugzeug, da neue Global 6000 nicht mehr gebaut werden.

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Rüstungsvorhaben oberhalb eines Auftragswerts von 25 Millionen Euro bedürfen seit 1981 der Zustimmung des Haushaltsausschusses. Verträge dürfen erst nach dessen Billigung rechtsverbindlich unterzeichnet werden.

Fähigkeitslücke seit 2010

PEGASUS steht für Persistent German Airborne Surveillance System. Das Vorhaben soll die Bundeswehr in die Lage versetzen, militärische Funkverkehre und Radaremissionen aus großer Entfernung zu erfassen. Laut Verteidigungsministerium dient das System der Krisenfrüherkennung, der Lagebeurteilung und der Feststellung der Bedrohungslage in möglichen Einsatzgebieten.

Generalauftragnehmer ist Hensoldt, das mit Kalaetron Integral auch das rein passiv arbeitende Missionssystem beisteuert. Es erfasst, ortet und analysiert elektromagnetische Emissionen. Zum Gesamtsystem gehören neben den Flugzeugen ein Bodensegment zur Auswertung, ein Referenzsystem und eine Ausbildungsanlage. Der Haushaltsausschuss hatte das Vorhaben im Juli 2021 mit rund 1,5 Milliarden Euro freigegeben.

Hintergrund des Programms ist eine seit Jahren bestehende Lücke bei der signalerfassenden luftgestützten Weitbereichsaufklärung. Sie entstand mit der Außerdienststellung der Breguet 1150 M Atlantic der Marine im Jahr 2010. Ursprünglich war eine Drohne als Trägerplattform vorgesehen; Anfang 2020 entschied sich die Bundeswehr stattdessen für ein bemanntes Muster, unter anderem wegen der Kosten und der Zulassungsrisiken im europäischen Luftraum.

Integration in Hamburg, Übergabe ab 2027

Die strukturellen Umbauten an den drei bestellten Global 6000 erfolgten bei Bombardier Defense im US-amerikanischen Wichita. Nach den 2024 begonnenen Testflügen und der Musterzulassung durch die US-Luftfahrtbehörde FAA wurden die Maschinen Ende 2025 nach Deutschland überführt. Die Integration der Missionshardware verantwortet Lufthansa Technik und führt sie im Kompetenzzentrum für Sondereinsatzflugzeuge in Hamburg durch. An Entwicklung und Umbau sind nach Angaben der Bundeswehr rund 30 weitere Unternehmen beteiligt.

Die Übergabe an die Truppe ist nach bisheriger Planung ab dem kommenden Jahr vorgesehen, die initiale Einsatzbereitschaft soll 2028 erreicht werden. Stationiert wird die Flotte beim Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ auf dem Fliegerhorst Schleswig-Jagel. Geflogen werden die Maschinen von Personal der Luftwaffe, den Aufklärungsbetrieb übernimmt Personal aus dem Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum.

Aufstockung der Flotte in Vorbereitung

Nach Informationen aus dem Umfeld des Vorhabens plant die Bundeswehr die Beschaffung dreier weiterer PEGASUS-Maschinen. Mit einer Behandlung der zugehörigen 25-Millionen-Euro-Vorlage im Haushaltsausschuss wird noch im laufenden Jahr gerechnet. Damit würde sich die Flotte auf sechs Flugzeuge verdoppeln.

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