Rheinmetall steigert Halbjahresumsatz um 39 Prozent, Jahresprognose nach gesenkt

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern hat im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro erzielt und das operative Ergebnis um 74 Prozent gesteigert. Die Streichung des Fregattenprogramms F126 durch das Verteidigungsministerium zwingt das Unternehmen jedoch, seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr zu reduzieren.
Foto: Rheinmetall AG

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern hat im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro erzielt und das operative Ergebnis um 74 Prozent gesteigert. Die Streichung des Fregattenprogramms F126 durch das Verteidigungsministerium zwingt das Unternehmen jedoch, seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr zu reduzieren.

Umsatz und Ergebnis deutlich über Vorjahr

Rheinmetall hat am 6. August 2026 die Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt. Der Konzernumsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1.477 Millionen auf 5.227 Millionen Euro, ein Plus von 39 Prozent. Das operative Ergebnis erhöhte sich überproportional von 453 auf 786 Millionen Euro. Als Gründe nennt das Unternehmen einen veränderten Produktmix sowie Skaleneffekte durch die ausgeweitete Produktion. Die operative Ergebnismarge auf Konzernebene erreichte 15,0 Prozent nach 12,1 Prozent im Vorjahreshalbjahr; im zweiten Quartal allein lag sie bei 17,1 Prozent. Das Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Aktivitäten verbesserte sich von 4,69 auf 8,43 Euro.

Der Anteil des in Deutschland erwirtschafteten Umsatzes stieg um fünf Prozentpunkte auf 38 Prozent. Die Rheinmetall Nomination, eine Kennzahl, die neben dem klassischen Auftragseingang auch das Volumen neu geschlossener Rahmenverträge umfasst, lag bei 16,2 Milliarden Euro nach 12,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Backlog, der zusätzlich erwartete Abrufe aus bestehenden Rahmenverträgen einschließt, erreichte zum 30. Juni 80,5 Milliarden Euro nach 56,0 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.

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Negativ entwickelte sich der operative Free Cashflow, der um 985 Millionen auf minus 1.616 Millionen Euro sank. Das Unternehmen führt dies auf verschobene Anzahlungen, gestiegene Kundenforderungen, den Vorratsaufbau für die Folgequartale sowie anhaltend hohe Investitionen in den Kapazitätsausbau zurück.

Entwicklung der Divisionen

Vehicle Systems steigerte den Umsatz um 28 Prozent auf 2.431 Millionen Euro bei einer operativen Marge von 11,3 Prozent. Die Nomination des Segments erhöhte sich um 5.262 auf 6.691 Millionen Euro. Beigetragen haben unter anderem die Nachbestellung von 200 Schützenpanzern Puma durch die Bundeswehr sowie ein rumänischer Auftrag über 298 Schützenpanzer Lynx.

Weapon and Ammunition kam auf 1.757 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von 33 Prozent, getragen vor allem von einem Munitionspaket für Ungarn sowie Artillerie- und Mittelkalibermunition für die Ukraine. Mit 23,7 Prozent weist die Division die höchste operative Marge im Konzern aus. In Kapazitätsausbau und Transformation flossen 184 Millionen Euro, unter anderem in die Rohrfertigung in Großbritannien, ein neues Werk in Litauen und die Pulverfertigung bei der Nitrochemie Aschau.

Air Defence verzeichnete mit 62 Prozent das höchste relative Umsatzwachstum auf 478 Millionen Euro, im Wesentlichen durch die Fertigung der Flugabwehrsysteme Skynex und Skyranger. Die Nomination versechsfachte sich nahezu auf 1.534 Millionen Euro.

Digital Systems erhöhte den Umsatz um 23 Prozent auf 820 Millionen Euro, getragen von den Digitalisierungsvorhaben TaWAN und D-LBO. Die Nomination fiel hier um 52 Prozent auf 4.702 Millionen Euro, da der Vorjahreszeitraum durch milliardenschwere Rahmenverträge geprägt war. Im Berichtszeitraum erhielt die Division unter anderem einen Rahmenvertrag über Loitering-Munition-Systeme für die Bundeswehr.

Erstmals eigenständig ausgewiesen wird das Segment Naval Systems, das aus der Anfang März 2026 abgeschlossenen Übernahme von Naval Vessels Lürssen hervorging. Rheinmetall hatte den militärischen Geschäftsbereich der Bremer Lürssen-Gruppe mit vier Werften und rund 2.100 Beschäftigten im September 2025 angekündigt; die EU-Kommission genehmigte die Transaktion im Februar 2026 ohne Auflagen. In den ersten vier Monaten der Zugehörigkeit erzielte die Division 334 Millionen Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis von 33 Millionen Euro. Von den Auftragseingängen über 1.004 Millionen Euro entfielen 920 Millionen Euro auf den Bau von vier Marineschiffen für Rumänien.

Das Bundesverteidigungsministerium hatte Ende Juni 2026 die Beschaffung von sechs Fregatten des Typs F126 beendet und dies mit Verzögerungen, Kostensteigerungen und Risiken bei einem Wechsel des Generalunternehmers begründet. Ersatzweise sollen acht Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU von TKMS beschafft werden. Für Rheinmetall ergeben sich daraus Umsatzausfälle von bis zu 300 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr.

Angepasste Jahresprognose

Der Konzern erwartet für 2026 nun einen Umsatz zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro nach 9.935 Millionen Euro im Vorjahr. Das organische Umsatzwachstum wird unverändert mit 28 bis 31 Prozent angegeben, die operative Ergebnismarge mit rund 19 Prozent nach 18,5 Prozent im Geschäftsjahr 2025.

Vorstandsvorsitzender Armin Papperger verweist auf die anhaltende Nachfrage und eine Book-to-Bill-Ratio von über 3. Im Marinegeschäft strebe das Unternehmen die Abarbeitung bestehender Aufträge sowie zusätzliche internationale Bestellungen an.

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