U.S. Navy stuft Virginia-Boote mit Payload-Modul zukünftig als SSGN ein

Die US-Marine ordnet 19 geplante U-Boote der Virginia-Klasse künftig als Lenkwaffen-U-Boote (SSGN) statt als Jagd-U-Boote (SSN) ein. Ausschlaggebend ist das Virginia Payload Module, das die Zahl der senkrecht startenden Marschflugkörper je Boot deutlich erhöht.
Foto: Defense Visual Information Distribution Service

Die US-Marine ordnet 19 geplante U-Boote der Virginia-Klasse künftig als Lenkwaffen-U-Boote (SSGN) statt als Jagd-U-Boote (SSN) ein. Ausschlaggebend ist das Virginia Payload Module, das die Zahl der senkrecht startenden Marschflugkörper je Boot deutlich erhöht.

Neue Kennung für Block V und Block VI

Das US-Marineministerium gab die Umklassifizierung am 3. August 2026 in Washington bekannt. Betroffen sind alle Einheiten der Bauabschnitte Block V und Block VI, die mit dem Virginia Payload Module (VPM) ausgerüstet werden. Sie führen künftig die Kennung SSGN, bleiben aber Teil des laufenden Virginia-Programms.

Konteradmiral Rob Gaucher, Direktor der U-Boot-Programme, begründet den Schritt mit der gestiegenen Waffenkapazität der Plattform. Der Chief of Naval Operations, Admiral Daryl Caudle, verweist darauf, dass die Bezeichnung Reichweite und Einsatzflexibilität der Boote treffender abbilde. Vizeadmiral Rick Seif, Befehlshaber der U-Boot-Streitkräfte, ordnet die Boote dem Konzept der Distributed Maritime Operations zu, das auf verteilte, schwer aufzuklärende Gefechtsverbände setzt.

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Eine technische Änderung ist mit der Umklassifizierung nicht verbunden. Sie betrifft ausschließlich die Typbezeichnung von Einheiten, die überwiegend noch im Bau oder in der Planung sind.

Was das Virginia Payload Module leistet

Das VPM ist ein zusätzliches Rumpfsegment von rund 84 Fuß (etwa 25,6 Metern), das zwischen Operationsabteilung und Antriebsbereich eingesetzt wird. Es enthält vier Startrohre großen Durchmessers, die jeweils sieben Tomahawk-Marschflugkörper aufnehmen können, insgesamt also 28. Zusammen mit den zwei Startrohren im Bug, die je sechs Flugkörper fassen, steigt die vertikale Waffenkapazität auf 40 Marschflugkörper. Boote der Blöcke I bis IV verfügen über zwölf.

Mit dem Modul wächst das Boot auf rund 140 Meter Länge und etwa 10.200 Tonnen Unterwasserverdrängung, gegenüber etwa 115 Metern und 7.900 Tonnen bei den früheren Blöcken. Die Startrohre sind nicht auf Tomahawks festgelegt. Vorgesehen ist auch die Aufnahme anderer Nutzlasten, etwa hypersonischer Flugkörper des Programms Conventional Prompt Strike oder großer unbemannter Unterwasserfahrzeuge.

Nach Angaben des Congressional Research Service liegen die Beschaffungskosten eines VPM-Bootes bei einer Rate von zwei Einheiten pro Jahr im Bereich von rund 4,3 Milliarden US-Dollar.

Hintergrund: Abgang der Ohio-Klasse

Der zeitliche Zusammenhang mit dem Auslaufen der bisherigen SSGN-Flotte ist zentral. Die USS Georgia kehrte am 27. Juli 2026 von ihrer letzten Fahrt zum Stützpunkt Kings Bay zurück und beginnt nach 42 Dienstjahren den Außerdienststellungsprozess. Sie ist das erste von vier zu SSGN umgerüsteten Ohio-Booten, die bis Ende des Jahrzehnts aus dem aktiven Bestand ausscheiden sollen. USS Ohio, USS Florida und USS Michigan folgen in den Haushaltsjahren 2027 bis 2029.

Die vier Ohio-SSGN tragen je bis zu 154 Tomahawks, zusammen 616. Sie bieten zudem Unterbringung für Spezialkräfte. Ein direkter Ersatz ist im Schiffbauprogramm nicht vorgesehen. Rechnerisch sind etwa vier VPM-Boote erforderlich, um die Waffenkapazität eines Ohio-SSGN abzudecken.

Zeitplan

Das erste Boot mit Payload-Modul, die künftige USS Arizona (SSGN 803), soll nach Angaben der Navy im Haushaltsjahr 2029 abgeliefert werden. Die Auslieferungen der übrigen Einheiten sind bis 2038 terminiert. Ende Juli 2026 schloss das Pentagon die gesetzlich vorgeschriebene Zertifizierung für einen Mehrjahresvertrag über neun Block-VI-Boote ab, der Einsparungen von rund 2,4 Milliarden US-Dollar gegenüber jährlichen Einzelbeschaffungen bringen soll.

Zwischen der Außerdienststellung der Ohio-Boote und der Verfügbarkeit der neuen Einheiten entsteht damit eine mehrjährige Lücke in der unterseeischen Marschflugkörperkapazität. Verzögerungen im Virginia-Programm, die Rechnungshof und Kongressdienste seit Jahren dokumentieren, sind dabei nicht eingerechnet.

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