USA konsultieren Verbündete zur Neuordnung der Truppenpräsenz in Europa

Der ranghöchste Politikbeauftragte des Pentagon hat Ende Juli Gespräche mit Vertretern aus Deutschland, Großbritannien, Italien und Rumänien geführt. Sie gehören zur laufenden Überprüfung der amerikanischen Militärpräsenz in Europa, die bis Anfang 2027 Ergebnisse liefern soll.
Foto: NATO

Der ranghöchste Politikbeauftragte des Pentagon hat Ende Juli Gespräche mit Vertretern aus Deutschland, Großbritannien, Italien und Rumänien geführt. Sie gehören zur laufenden Überprüfung der amerikanischen Militärpräsenz in Europa, die bis Anfang 2027 Ergebnisse liefern soll.

Konsultationsrunde im Juli

Elbridge Colby, im US-Verteidigungsministerium für Politikfragen zuständig, hat am 4. August 2026 über den Kurznachrichtendienst X eine Serie von Beiträgen veröffentlicht, in denen er den bisherigen Verlauf der sogenannten Europe Posture Review darstellt. Zwischen dem 23. und dem 31. Juli traf er nach eigenen Angaben mit Vertretern mehrerer europäischer Regierungen zusammen.

Am 23. Juli empfing Colby den deutschen Generalinspekteur sowie den Politischen Direktor des Verteidigungsministeriums zu einem Gespräch über die neue deutsche Militärstrategie und die Zusage, das in Den Haag vereinbarte Ausgabenziel zügig zu erreichen. Am Folgetag sprach er mit dem britischen Botschafter Christian Turner unter anderem über die Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus. Ein Austausch mit der italienischen Diplomatin Cecilia Piccioni am 27. Juli befasste sich mit regionalen Sicherheitsfragen und der südlichen Flanke des Bündnisses. Am 29. Juli traf Colby den rumänischen Sicherheitsberater Marius Lazurca im Pentagon, am 31. Juli folgte ein Telefonat mit dem Stabschef von NATO-Generalsekretär Mark Rutte und dem US-Botschafter bei der NATO.

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Hintergrund der Überprüfung

Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte die Überprüfung am 18. Juni 2026 bei einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel angekündigt. Sie soll bis zu sechs Monate dauern und Truppenstärke, Stationierungsorte und Infrastruktur der amerikanischen Präsenz auf dem Kontinent erfassen; einbezogen werden das US-Regionalkommando für Europa, der Kongress sowie die Verbündeten. Hegseth nannte in Brüssel zudem Basiszugang und Überflugrechte als konkrete Prüfkriterien und verwies darauf, dass mehrere Verbündete während des amerikanischen Militäreinsatzes gegen den Iran entsprechende Anfragen abgelehnt hätten.Der formale Beginn der Überprüfung erfolgte laut Berichterstattung Ende Juli.

Sie soll die amerikanische Präsenz an der Nationalen Sicherheitsstrategie von 2025 und der Verteidigungsstrategie von 2026 ausrichten; verantwortlich für den militärischen Zuarbeitsteil ist General Alexus Grynkewich als Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa. Derzeit sind rund 80.000 US-Soldaten in Europa stationiert.

Bezug zum Ausgabenziel von Den Haag

Colby verknüpft die Überprüfung mit dem Begriff „NATO 3.0″, der in der US-Administration für eine Umverteilung der konventionellen Verteidigungslasten zugunsten der europäischen Mitgliedstaaten steht. Die Vereinigten Staaten sollen dabei die nukleare Abschreckung des Bündnisses weiterhin tragen, militärische Ressourcen aber stärker auf andere Weltregionen konzentrieren.

Bezugspunkt ist das Ausgabenziel des NATO-Gipfels in Den Haag vom Juni 2025. Die Mitgliedstaaten hatten sich darauf verständigt, spätestens ab 2035 fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aufzuwenden. Davon entfallen 3,5 Prozent auf klassische Militärausgaben, weitere 1,5 Prozent auf Infrastruktur, Rüstungsindustrie, gesamtstaatliche Resilienz und direkte Unterstützung der Ukraine. Über die Annäherung an das Ziel soll jährlich Rechenschaft abgelegt werden, eine Neubewertung ist nach vier Jahren vorgesehen. Zuvor hatte die Zielmarke bei zwei Prozent gelegen.

Vorausgegangener Teilabzug aus Deutschland

Anfang Mai 2026 ordnete Hegseth den Abzug von rund 5.000 der zu Jahresbeginn über 36.000 in Deutschland stationierten Soldaten an. Das Pentagon bestätigte einen Zeitrahmen von sechs bis zwölf Monaten und begründete den Schritt mit einer Überprüfung der Truppenpräsenz und der Anforderungen der Einsatzgebiete. Der Defence Blog verweist darauf, dass mit dem Abzug auch eine ursprünglich für dieses Jahr vorgesehene Verlegung weitreichender Wirkmittel sowie eine Rotation gepanzerter Verbände entfällt.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnete die Entscheidung als absehbar und erklärte, die Abschreckungsfähigkeit des Bündnisses werde dadurch nicht geschwächt. Colby verwies in seinem Thread ferner auf Einschätzungen, wonach das Jahr 2027 als möglicher Zeitpunkt gleichzeitiger Konflikte mit China und Russland gilt. Diese Annahme fließe in die Abwägung zwischen europäischen und globalen Kräfteanforderungen ein.

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