Marine verlegt „Fulda“ und „Mosel“ zurück ins Mittelmeer

Das Minenjagdboot „Fulda“ und der Tender „Mosel“ haben den Suezkanal passiert und steuern Dschibuti an. Hintergrund ist ein möglicher Einsatz zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus, über den der Bundestag noch entscheiden muss.
Minenjagdboot „Fulda“ | Foto: Bundeswehr/PIZ Marine

Das Bundesverteidigungsministerium zieht die für einen möglichen Hormus-Einsatz vorgesehenen Marineeinheiten aus dem Einsatzraum zurück. Grund ist der weiterhin unklare Zeitpunkt eines Missionsbeginns.

Das Minenjagdboot „Fulda“ und der Tender „Mosel“ werden in den kommenden Tagen in das östliche Mittelmeer verlegt. Das teilte das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) am 23. Juli 2026 mit. Die Bundesregierung habe diese Entscheidung getroffen, weil ein längeres Vorhalten der Kräfte in der Region angesichts der volatilen politischen Lage die technischen Systeme unnötig belaste. Ein sogenanntes „permissive environment“ – also ein hinreichend sicheres Umfeld für den Einsatz – sei kurzfristig nicht herzustellen, ein zeitnaher Einsatzbeginn daher nicht absehbar.

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Verlegebereitschaft bleibt bestehen

Nach Angaben des Ministeriums bleiben beide Einheiten in Verlegebereitschaft. Sobald belastbare Hinweise auf einen baldigen Missionsbeginn vorlägen, sollen sie erneut in das Operationsgebiet verlegt werden. Bis dahin soll die Einsatzbereitschaft im östlichen Mittelmeer – und damit in relativer Nähe zum möglichen Einsatzraum – erhalten bleiben. Zudem sollen Trainingsmöglichkeiten mit internationalen Partnern genutzt werden, um den Ausbildungsstand zu erhöhen. Das Vorgehen sei mit den Partnern abgestimmt; Deutschland halte an seinem Beitrag fest, sobald die Voraussetzungen erfüllt seien und der Bundestag zugestimmt habe.

Geplante Mission in der Straße von Hormus

Die beiden Einheiten waren für eine mögliche Beteiligung an einer multinationalen Operation zum Schutz der freien Seefahrt in der Straße von Hormus vorgesehen. Die von Frankreich und Großbritannien angestoßene Initiative für eine defensive maritime Mission wurde im Mai 2026 bei einem virtuellen Treffen mit Vertretern von mehr als 40 Staaten erörtert. Nach der Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zur Beendigung des Iran-Kriegs galt eine Befassung des Bundestags mit einem Mandat zunächst für Anfang Juli als möglich.

Die deutschen Bedingungen für eine Beteiligung haben sich seither nicht geändert: Das Verteidigungsministerium nennt eine nachhaltige Beendigung der Kampfhandlungen, eine völkerrechtliche Grundlage und ein Mandat des Bundestages als Voraussetzungen. Ein Mandatsbeschluss liegt bislang nicht vor.

Der bisherige Weg der Einheiten

Die „Fulda“ war Anfang Mai von Kiel aus in Richtung Mittelmeer ausgelaufen, um näher am potenziellen Einsatzort stationiert zu sein. Der Tender „Mosel“ wurde dafür aus der NATO-Unterstützung in der Ägäis herausgelöst; beide Schiffe wechselten in den Minenabwehrverband SNMCMG 2 im Mittelmeer, wodurch der deutsche Beitrag zur NATO-Aktivität in der Ägäis vorübergehend ausgesetzt wurde.

Am 18. Juni 2026 passierten beide Einheiten den Suezkanal in Richtung Rotes Meer, begleitet vom britischen Versorgungsschiff „Lyme Bay“, mit Ziel Dschibuti. Während des Transits waren sie in die EU-geführte Operation EUNAVFOR ASPIDES eingebunden und trugen zum maritimen Lagebild bei. Für einen möglichen Einsatz wurden die Schiffe zusätzlich mit autonomen Systemen, Minentauchern und Vessel Protection Teams ausgestattet; insgesamt sind rund 140 Soldatinnen und Soldaten an Bord.

Bedeutung der Meerenge

Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Nadelöhren des Welthandels. Nach Daten der US-Energiebehörde EIA passierten im ersten Halbjahr 2025 durchschnittlich 20,9 Millionen Barrel Öl pro Tag die Meerenge – rund ein Fünftel des weltweiten Verbrauchs an Erdölprodukten und etwa ein Viertel des seewärtigen Ölhandels. Alternative Transportwege könnten im Fall einer Sperrung nur einen Teil dieser Mengen aufnehmen.

Wie stark der Konflikt den Verkehr getroffen hat, zeigen Daten der IWF-Plattform PortWatch: Anfang März 2026 brach die Zahl der Durchfahrten nahezu vollständig ein – am 2. März passierten nur noch zwei Tanker die Meerenge, verglichen mit einem Vorjahresdurchschnitt von rund 72 bis über 90 Schiffen pro Tag.

Minenabwehr gilt dabei als eine Fähigkeit, die Deutschland in besonderem Maße einbringen kann. Die Deutsche Marine beherrscht nach eigenen Angaben das gesamte Spektrum von der Minenjagd bis zum Minentauchen und kann andere Schiffe durch verminte Gewässer geleiten.

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