Auf der Farnborough International Airshow haben Boeing und Lufthansa Technik Defense am Mittwoch eine Rahmenvereinbarung zur Instandhaltung der künftigen Schwerlasthubschrauber CH-47F Block II der Bundeswehr unterzeichnet. Sie legt die Bedingungen für ein bundesweites Netz von Ersatzteillagern fest.
Grundlage für einen Hauptvertrag
Die beiden Unternehmen haben sich zunächst auf allgemeine Vertragsbedingungen verständigt. Die Vereinbarung bildet damit die Basis für die spätere Instandhaltung der deutschen Chinook-Flotte und schafft zugleich den Rahmen für einen Hauptvertrag, in dem der Aufbau eines flexiblen Ersatzteillager-Netzwerks für die künftigen CH-47F-Einsatzstandorte geregelt werden soll.

Eingebracht wird die Logistikkompetenz über die Konzerntochter Lufthansa Technik Logistik Services, die nach Unternehmensangaben seit Jahrzehnten in der zeitkritischen Ersatzteillogistik tätig ist. Diese Erfahrung soll mit dem Plattformwissen von Boeing kombiniert werden, um Ersatzteilversorgung, Transport und Lagerhaltung für die Bundeswehr sicherzustellen. Vorgesehen ist zudem, dass Lufthansa Technik künftig auch die Versorgung mit Verbrauchs- und Betriebsstoffen (Consumables and Expendables) übernimmt.
Torbjorn Sjogren, Vice President und General Manager bei Boeing Global Services – Government Services, bezeichnete die Vereinbarung als wichtigen Schritt zur geplanten Indienststellung der deutschen Maschinen. Michael von Puttkamer, Senior Vice President Special Aircraft & Defense bei Lufthansa Technik, verwies darauf, dass der Chinook das erste Hubschraubermuster im MRO-Portfolio des Unternehmens werde. Eine belastbare Versorgungskette sei aus seiner Sicht entscheidend, um ersatzteilbedingte Ausfallzeiten gering zu halten – zumal die Flotte in den USA beschafft wurde, die Instandhaltung aber in nationaler Verantwortung erfolgen soll.
Hintergrund: 60 Hubschrauber ab 2027
Die Vereinbarung ordnet sich in das Beschaffungsprogramm Schwerer Transporthubschrauber (STH) ein. Die Bundeswehr bestellte im Juli 2023 insgesamt 60 Maschinen des Typs CH-47F Block II SR AAR und investiert dafür rund sieben Milliarden Euro aus dem Sondervermögen; die Kürzel stehen für Standard Range und Luft-zu-Luft-Betankung. Der Auswahlentscheidung des Verteidigungsministeriums vom Juni 2022 war ein 2015 gestartetes Projekt zur Ablösung der ab 1972 eingeführten CH-53G vorausgegangen; im Wettbewerb stand die CH-47F gegen die CH-53K von Lockheed Martin.
Von den 60 Hubschraubern sollen 47 am Standort Schönewalde/Holzdorf und zwölf in Laupheim stationiert werden – beide gehören zum Hubschraubergeschwader 64 der Luftwaffe. Eine Maschine ist für die Wehrtechnische Dienststelle 61 im bayerischen Manching vorgesehen. Gebaut werden die deutschen Maschinen seit Mai 2025 im Boeing-Werk in Philadelphia. Im November 2025 befanden sich alle großen Strukturbaugruppen – Heck, Kabine und Cockpit – in fortgeschrittener Fertigung. Die erste Auslieferung nach Deutschland ist für Oktober 2027 vorgesehen, die letzte für Oktober 2032.
Mit dem Chinook erhält die Luftwaffe erstmals einen Hubschrauber, der sowohl am Boden als auch in der Luft betankt werden kann, sowie die Fähigkeit zur bewaffneten Suche und Rettung bei Rückführungsoperationen. Erste praktische Erfahrungen sammelte die Luftwaffe im April 2026 in Holzdorf gemeinsam mit zwei Chinooks der niederländischen Streitkräfte.
Ausbau einer bestehenden Zusammenarbeit
Die Vereinbarung erweitert eine bereits laufende Kooperation. Im November 2025 schlossen Boeing und Lufthansa Technik Defense einen mehrjährigen Vertrag über die technische Betreuung der acht P-8A-Poseidon-Flugzeuge der Deutschen Marine. Der Leistungsumfang deckt weite Teile des MRO-Portfolios ab, darunter Flugzeuginstandhaltung, Triebwerksbetreuung, Komponentenversorgung und technische Schulungen; die Nähe zur Boeing 737, auf der die P-8A basiert, gilt dabei als Vorteil. Die Maschinen sind beim Marinefliegergeschwader 3 stationiert.
Lufthansa Technik Defense bündelt seit 2023 die Verteidigungsaktivitäten des Konzerns. Das Unternehmen ist unter anderem an den Industrieteams für PEGASUS, die P-8A Poseidon und den CH-47 Chinook beteiligt und hat darüber hinaus eine Absichtserklärung mit Lockheed Martin, Rheinmetall und ESG zur technischen Unterstützung der künftigen deutschen F-35-Flotte unterzeichnet.
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