Die Deutsche Marine hat die Führung ihres Kontingents bei der UN-Mission UNIFIL im Libanon neu besetzt. Der Wechsel fällt in die letzte Phase des deutschen Engagements, das Ende 2026 ausläuft.
Übergabe im Libanon
Am 20. Juli 2026 übergab Vizeadmiral Axel Deertz das Kommando über die deutschen Einsatzkräfte und die Führung der multinationalen Maritime Task Force (MTF) von UNIFIL an Flottillenadmiral Christian Scherrer. Scherrer folgt auf Flottillenadmiral Stephan Plath. Deertz, stellvertretender Inspekteur der Marine und Befehlshaber der Flotte und Unterstützungskräfte, war für die Übergabe in den Libanon gereist.

Scherrer war zuvor unter anderem Kommandant der Fregatte „Brandenburg“ und sammelte durch Verwendungen im Bundesverteidigungsministerium sowie bei der NATO in Brüssel Erfahrung in multinationalen Führungsstrukturen. Nach eigenen Angaben will er die Arbeit der Task Force in den verbleibenden Monaten fortsetzen und die Zusammenarbeit mit den libanesischen Streitkräften vertiefen.
Deutscher Beitrag zur Mission
Deutschland beteiligt sich bis zum Jahresende weiterhin an der UN-Friedensmission. Der Beitrag umfasst die Fregatte „Baden-Württemberg“ im UNIFIL-Marineverband, Stabspersonal im Hauptquartier in Naqoura sowie Ausbildungspersonal für den Fähigkeitsaufbau der libanesischen Marine im Hafen Jounieh.
Die Fregatte „Baden-Württemberg“ hatte am 19. Juni 2026 die Seeraumüberwachung vor der libanesischen Küste von der Fregatte „Nordrhein-Westfalen“ übernommen; beide Schiffe gehören der auf Überwachungsaufgaben in Krisenregionen ausgelegten Baden-Württemberg-Klasse an. Die Besatzung umfasst rund 170 Soldatinnen und Soldaten unter dem Kommando von Fregattenkapitän Bastian Saphörster.
Auftrag und Hintergrund
UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) besteht seit 1978 und zählt zu den ältesten friedenserhaltenden Einsätzen der Vereinten Nationen. Grundlage sind zunächst die Resolutionen 425 und 426 des UN-Sicherheitsrats. Nach dem Libanonkrieg 2006 wurde das Mandat durch Resolution 1701 erweitert; seither unterstützt der Marineverband den Libanon dabei, die Seegrenzen zu sichern, das seeseitige Waffenembargo durchzusetzen und die libanesische Marine auszubilden.
Für die Bundeswehr ist der aktuelle Einsatz der letzte im Rahmen von UNIFIL. Das Bundeskabinett beschloss im Mai 2026 eine letztmalige Verlängerung; der Bundestag mandatierte den Einsatz am 25. Juni 2026. Der operative Auftrag endet am 31. Dezember 2026, anschließend beginnt eine Abwicklungsphase, die mit dem Abzug der Vereinten Nationen bis zum 30. Juni 2027 abgeschlossen sein soll. Für den deutschen Beitrag ist bis Ende 2026 eine Obergrenze von 300 Soldatinnen und Soldaten vorgesehen, ab Januar 2027 sinkt sie auf bis zu 80. Die Ausbildung libanesischer Kräfte war wegen der Sicherheitslage im März 2026 vorübergehend ausgesetzt worden.
Das Auslaufen der Mission geht auf einen Beschluss des UN-Sicherheitsrats vom August 2025 zurück. Mit Resolution 2790 verlängerte das Gremium das Mandat ein letztes Mal und legte fest, dass die Blauhelme den Libanon im Verlauf des Jahres 2027 verlassen. Auf ein Ende der Mission hatten insbesondere Israel und die USA gedrungen. UNIFIL umfasst derzeit knapp 10.000 militärische und zivile Kräfte; größte Truppensteller sind Indonesien, Indien, Ghana, Italien und Nepal.
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