250.000 Gewehre für die Truppe: G95-Beschaffung vollständig ausgelöst

250.000 Gewehre für die Truppe: G95-Beschaffung vollständig ausgelöst
G95 | Foto: Bundeswehr/Deutsches Heer

Das Beschaffungsamt der Bundeswehr hat den Rahmenvertrag über 250.000 Sturmgewehre des Typs G95A1/KA1 vollständig ausgeschöpft. Damit ist die Einführung des neuen Standardsturmgewehrs, das das G36 ablöst, in vollem Umfang beauftragt.

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat den mit Heckler & Koch geschlossenen Rahmenvertrag über insgesamt 250.000 Sturmgewehre der Typen G95A1 und G95KA1 vollständig abgerufen. Das teilte der Oberndorfer Waffenhersteller am 7. Juli 2026 mit. Mit dem Abruf des gesamten Vertragsvolumens wird die Ausstattung der Truppe mit dem neuen Standardsturmgewehr nun in vollem Umfang umgesetzt.

Vom Rahmenvertrag zum Vollabruf

Der zugrunde liegende Rahmenvertrag zwischen dem BAAINBw und Heckler & Koch stammt aus dem Januar 2023 und umfasste zunächst 118.718 Gewehre mit einem Volumen von knapp 275 Millionen Euro. Im Dezember 2025 billigte der Haushaltsausschuss des Bundestages eine Vertragsänderung, mit der die maximale Abrufmenge auf 250.000 Waffen mehr als verdoppelt und das Gesamtvolumen auf etwas mehr als 800 Millionen Euro angehoben wurde. Die Laufzeit des Vertrags wurde dabei bis 2032 verlängert. Hintergrund der Aufstockung ist der geplante personelle Aufwuchs der Streitkräfte, der den Bedarf an Handwaffen deutlich erhöht.

Die ersten Serienwaffen hatte Heckler & Koch im Dezember 2025 an die Bundeswehr übergeben. Als erster Verband des Heeres erhielt das Panzergrenadierbataillon 122 im bayerischen Oberviechtach rund 300 Exemplare. Nach Angaben aus dem Verteidigungsbereich soll die Vollausstattung der Truppe schrittweise bis Anfang der 2030er-Jahre erfolgen.

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Nachfolger des G36

Das G95 basiert auf dem Gewehr HK416 von Heckler & Koch und löst das seit den 1990er-Jahren genutzte G36 als Standardsturmgewehr ab. Die Bundeswehr führt die Waffe in zwei Ausführungen ein: als G95A1 mit 16,5-Zoll-Lauf (419 Millimeter) und als kompaktere Variante G95KA1 mit 14-Zoll-Lauf (355 Millimeter), mit der der Großteil der Soldatinnen und Soldaten ausgestattet wird. Beide Versionen verschießen das NATO-Kaliber 5,56 x 45 Millimeter und sind beidseitig bedienbar. Zum Gesamtsystem „Sturmgewehr Bundeswehr“ gehören neben der Waffe auch ein Zielfernrohr des kanadischen Herstellers Raytheon ELCAN sowie ein Laser-Licht-Modul von Rheinmetall, für die das BAAINBw separate Verträge geschlossen hat.

Heckler & Koch verweist auf Investitionen

Der Vorstandsvorsitzende der H&K AG, Jens Bodo Koch, wertet den vollständigen Abruf nach Unternehmensangaben als Beleg für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Beschaffungsamt und als Signal für die Stärkung der Einsatzbereitschaft der Streitkräfte. Zugleich sieht er die langfristige Unternehmensstrategie bestätigt: Lieferfähigkeit entstehe nicht erst mit dem Eingang eines Auftrags, sondern durch kontinuierliche Investitionen über Jahre hinweg.

Nach dem Abschluss des Investitionsprogramms HK100 setzt das Unternehmen seinen Ausbau mit dem Programm „HK Evolution“ fort. Insgesamt investiert Heckler & Koch nach eigenen Angaben mehr als 230 Millionen Euro in zusätzliche Produktionskapazitäten, Fertigungstechnologien, Infrastruktur und die Weiterentwicklung seiner internationalen Standorte. Damit will sich das Unternehmen in die Lage versetzen, auch großvolumige Beschaffungsvorhaben nationaler und internationaler Streitkräfte termingerecht zu bedienen.

Einordnung

Der vollständige Abruf des Rahmenvertrags fällt in eine Phase umfangreicher Modernisierungsvorhaben der Bundeswehr. Beobachter halten es für möglich, dass der Bedarf an Sturmgewehren perspektivisch weiter steigt, sollte neben der aktiven Truppe auch die Reserve vollständig mit dem neuen System ausgestattet werden. Fachmedien nannten hierfür Größenordnungen von bis zu 500.000 Waffen. Ob und wann darüber entschieden wird, ist derzeit offen.

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