Hessen hat als erstes Bundesland eine kostenfreie, KI-basierte Online-Anwendung zur Bewertung unternehmerischer Resilienz eingeführt. Das Werkzeug richtet sich an Betriebe in ganz Deutschland und entstand in einer ungewöhnlichen Kooperation aus Wirtschaft, Verbänden und Bundeswehr.
Vorstellung in Wiesbaden
Am 17. Februar 2026 präsentierten der hessische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Kaweh Mansoori sowie mehrere Partner die Plattform ResilienzCheck.org auf einer Landespressekonferenz in Wiesbaden. Beteiligt an der Entwicklung waren die GAL Digital GmbH aus Hungen-Oberndorf, das Landeskommando Hessen der Bundeswehr, der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) sowie die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU). Das hessische Wirtschaftsministerium begleitete das Projekt und stimmte der Veröffentlichung als gemeinsames hessisches Produkt zu.
Wie das Tool funktioniert
Die Anwendung ermöglicht es Unternehmen, in etwa 15 Minuten anonym und kostenfrei eine quantifizierte Ersteinschätzung ihrer Krisenfestigkeit zu erhalten. Mithilfe künstlicher Intelligenz bündelt die Plattform Resilienzanforderungen, die bislang in keiner einheitlichen deutschen Informationsplattform zusammengefasst waren. GAL Digital entwickelte das Tool als Pro-Bono-Leistung; HIHK und VhU brachten Bedarfsanalysen aus der Unternehmenspraxis ein, das Landeskommando Hessen steuerte Fachwissen aus den Bereichen Krisenschutz und zivil-militärische Zusammenarbeit bei.
Von der Projektidee im April 2025 bis zur funktionsfähigen Testversion vergingen lediglich sechs Monate. Bereits zum Start wird die Anwendung von Industrie- und Handelskammern, der Hessenagentur, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Mitgliedsverbänden des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) sowie der VhU in der Unternehmensberatung eingesetzt.

Hintergrund: Resilienz als sicherheitspolitisches Thema
Der Kontext für das Projekt ist die veränderte geopolitische Lage seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Zivil-militärische Zusammenarbeit, bei der Bundeswehr und zivile Akteure wie Behörden und Unternehmen eng kooperieren, gilt in Deutschland als ein zentrales Element der gesamtgesellschaftlichen Widerstandsfähigkeit. Studien zeigen, dass die Krisenresilienz produzierender Unternehmen durch Maßnahmen wie Lieferkettendiversifizierung, Digitalisierung und finanzielle Stabilität erheblich gesteigert werden kann.
Bundeswehr sucht Reservisten
Das Landeskommando Hessen nutzte die Präsentation auch, um auf einen weiteren Bedarf hinzuweisen: In Hessen gibt es 31 Verbindungskommandos, die im Krisenfall den Austausch zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Bundeswehr sicherstellen. Brigadegeneral Holger Radmann, Kommandeur des Landeskommandos, betonte, dass eine resiliente Wirtschaft ein wesentlicher Bestandteil der gesamtstaatlichen Verteidigungsfähigkeit sei. Reservistinnen und Reservisten – vom Feldwebel bis zum Stabsoffizier – aus ganz Hessen werden aufgerufen, sich für einen der über 300 offenen Dienstposten in diesen Verbindungskommandos zu bewerben; Voraussetzungen sind der Reservistenstatus und ein Geburtsjahr ab 1969. Für Anfragen wurde ein Callcenter eingerichtet, erreichbar unter 0611 799 8333 (Montag bis Donnerstag, 8–16 Uhr).
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