Jetzt offiziell: Pistorius will 16 neue A400M bestellen

Jetzt offiziell: Pistorius will 16 neue A400M bestellen
A400M | Foto: Bundeswehr/Stefan Petersen

Verteidigungsminister Boris Pistorius plant, 16 nur für logistische Aufgaben ausgelegte Transportflugzeuge vom Typ A400M durch neue, taktisch ausgerüstete Maschinen zu ersetzen. Die Kosten beziffert er auf einen Milliardenbetrag; der Bundestag muss noch zustimmen.

Selbstschutz für die gesamte Flotte

Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) prüft die Beschaffung weiterer Airbus A400M. Das erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Dienstag, 29. September, in Bremen am Rande der SPD-Fraktionsvorsitzendenkonferenz. Zuvor hatte er das dortige Airbus-Werk besucht.

Hintergrund: Von den 53 A400M der Luftwaffe sind 16 ausschließlich für logistische Einsätze konfiguriert. Angesichts der veränderten Sicherheitslage sollen nach Auffassung des Ministers alle Maschinen über Systeme zum Schutz vor Raketenbedrohungen verfügen. Die logistischen Flugzeuge sollen daher schrittweise durch neue taktische Maschinen ersetzt werden. Mit Airbus laufen nach Angaben von Pistorius bereits Gespräche. Über einen Auftrag muss der Bundestag entscheiden. Die Bild-Zeitung hatte bereits am Samstag über die Pläne berichtet.

Die ausgemusterten Flugzeuge sollen laut Pistorius Partnerstaaten zum Kauf angeboten werden. Was konkret mit ihnen geschieht, ist noch offen.

Klärungsbedarf bei Einsatzbereitschaft und Betriebskosten

Vor einem Vertragsabschluss sind noch Fragen mit dem Hersteller zu klären. Pistorius verwies auf hohe Anforderungen des Ministeriums an Einsatzbereitschaft und Betriebskosten; die entsprechenden Abstimmungen seien eingeleitet. Eine konkrete Summe nannte er nicht. Aus Industriekreisen hieß es gegenüber Table.Briefings, auch der Aufbau von Produktionsinfrastruktur sei Gegenstand der weiteren Verhandlungen.

Zustimmung kommt auch aus der Opposition. Die Grünen-Verteidigungspolitikerin Jeanne Dillschneider bezeichnete die Beschaffung von Maschinen mit integriertem Eigenschutz gegenüber Table.Briefings als sinnvoll. Sie mahnte zugleich an, Infrastruktur und Personal für zusätzliche Flugzeuge von Beginn an einzuplanen.

Bedeutung für den Standort Bremen

Pistorius stellte das Vorhaben auch in einen industriepolitischen Zusammenhang: Ein Austausch der 16 Flugzeuge würde nach seinen Worten Produktionskapazitäten und Wertschöpfung in Deutschland halten und Arbeitsplätze in Bremen sichern. Dort fertigt Airbus den Rumpf des A400M. Nach einem Bericht von Radio Bremen könnte ein Auftrag die Produktion für rund 800 Beschäftigte im Bremer Werk über Jahre absichern. Die Wartung der Flugzeuge erfolgt überwiegend in Deutschland und Spanien; am Fliegerhorst Wunstorf baut Airbus derzeit ein neues A400M-Wartungszentrum.

Neue Konfiguration mit erweitertem Schutz

Die neuen Maschinen sollen wie die übrige Flotte beim Lufttransportgeschwader 62 (LTG 62) in Wunstorf stationiert werden, berichtete Bild. Vorgesehen sind demnach moderne Avionik- und Satellitenkommunikationssysteme, ein satellitengestütztes Landesystem sowie eine aktuelle Freund-Feind-Kennung. Zum Selbstschutz gehören das Defensive Aids Sub-System (DASS) und gerichtete Infrarot-Selbstschutzsysteme (DIRCM).

Die Auslieferung der ursprünglich bestellten 53 Maschinen ist seit diesem Frühjahr abgeschlossen: Ende April wurde das 53. Flugzeug in Wunstorf offiziell an das LTG 62 übergeben. Der erste deutsche A400M war im Dezember 2014 in Dienst gestellt worden. Das Flugzeug hat die Aufgaben der Transall C-160 übernommen und wird für Truppen- und Materialtransport, Luftbetankung und humanitäre Einsätze genutzt. Nach Herstellerangaben kann es bis zu 37 Tonnen Ladung transportieren und Strecken von knapp 6.300 Kilometern zurücklegen.

Kommentar: Militärischer Bedarf oder Industrieförderung?

Die 16 neuen Maschinen sollen einen Teil der Bestandsflotte ersetzen – eine Erhöhung der Stückzahl ist nicht vorgesehen. Fraglich ist daher, ob hinter dem Vorhaben ein tatsächlicher militärischer Bedarf steht oder ob es sich wieder einmal um verdeckte Industrieförderung handelt.

Für Letzteres spricht zum einen das Alter der Flotte. Die ersten A400M stehen erst seit Dezember 2014 im Dienst, die letzte Maschine wurde im April 2026 übergeben. Das Ende ihrer Nutzungsdauer haben die Flugzeuge damit noch lange nicht erreicht – wenngleich sie intensiver genutzt werden als ursprünglich geplant. Zum anderen passt die Stückzahl auffällig genau zur Lage des Herstellers: Airbus und die europäische Rüstungsagentur OCCAR haben eine Produktionsrate von acht A400M pro Jahr bis 2029 vereinbart. Ohne neue Bestellungen müsste die Endmontagelinie in Sevilla nach Airbus-Angaben bis Ende 2028 schließen. 16 Maschinen würden es Airbus Defence and Space erlauben, die Produktion für genau zwei weitere Jahre aufrechtzuerhalten.

Kommt die Beschaffung zustande, wäre sie das zweite Vorhaben binnen kurzer Zeit, das stark nach Industrieförderung aussieht. Mitte September hatte Pistorius bei der Kiellegung des dritten Flottendienstboots der Klasse 424 in Wolgast ein viertes Boot angekündigt und dies mit dem Fähigkeitsprofil der Bundeswehr begründet. Für die Peene-Werft ist der Auftrag nach dem Aus für die Fregatte F126 von besonderer Bedeutung. In beiden Fällen werden militärische Bedarfe angeführt, von denen zuvor bemerkenswerterweise nie die Rede war. Aber was machen schon ein paar Milliarden mehr oder weniger.

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