HENSOLDT erhält Millionenauftrag für digitale Sichtsysteme

HENSOLDT erhält Millionenauftrag für digitale Sichtsysteme
SPz Schakal | Foto: KNDS

Der Rüstungskonzern HENSOLDT stattet neue Kampf- und Schützenpanzer der Bundeswehr mit digitaler Optronik aus. Der Gesamtwert der Aufträge beläuft sich auf über 400 Millionen Euro.

Der Sensor- und Verteidigungselektronikspezialist HENSOLDT hat vom Rüstungskonzern KNDS mehrere Großaufträge zur Ausrüstung von Militärfahrzeugen erhalten. Im Zentrum stehen digitale Sichtsysteme für den Radschützenpanzer Schakal sowie den Kampfpanzer Leopard 2 A8. Die Verträge gehören zu den größten Einzelaufträgen für digitale Optronik im Landbereich und sind Teil der laufenden Modernisierung der Bundeswehr.

Schakal-Programm mit 290 Millionen Euro Volumen

Der Hauptauftrag betrifft den Radschützenpanzer Schakal, eine Kombination aus der Boxer-Plattform und dem Turmsystem des Schützenpanzers Puma. HENSOLDT liefert 288 vollständige Sätze digitaler Optronik im Wert von rund 290 Millionen Euro. Jeder Satz umfasst das digitale Kommandantensichtgerät PERI RTWL HD, das Richtschützensichtgerät WAO HD, das Multifunctional Self-Protection System MUSS sowie Monitore zur Darstellung der Videostreams.

Der Schakal ist für die sogenannten Mittleren Kräfte des Heeres vorgesehen und kombiniert strategische Verlegbarkeit mit hoher Feuerkraft. Das 8×8-Radfahrzeug transportiert drei Besatzungsmitglieder und sechs Panzergrenadiere. Die Bewaffnung besteht aus einer fernbedienten 30-Millimeter-Kanone sowie Panzerabwehrlenkflugkörpern vom Typ Spike LR. Der Haushaltsausschuss des Bundestags billigte im Oktober 2025 die Beschaffung von zunächst 150 Fahrzeugen mit einer Option auf bis zu 200 weitere Einheiten.

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Leopard 2 A8 erhält digitale Sichtsysteme

Parallel wurde HENSOLDT Ende 2025 mit der Ausstattung des Kampfpanzers Leopard 2 A8 beauftragt. Der Auftrag umfasst 178 Sätze digitaler Sichtsysteme im Wert von mehr als 110 Millionen Euro. Zu den Komponenten gehören das PERI RTWL HD, das Zusatzvisier FERO Z18, der Sensorkopf Spectus II, das Wärmebildgerät ATTICA GL sowie das Entfernungsmess- und Einschießsystem EMES OPO. Insgesamt soll HENSOLDT damit 301 Sätze digitaler Sichtsysteme für die deutsche Leopard-2-Flotte bereitstellen.

Der Leopard 2 A8 stellt die neueste Modernisierungsstufe des bewährten Kampfpanzers dar. Das Fahrzeug basiert auf dem Leopard 2 A7A1 und verfügt über ein aktives Schutzsystem, optimierte Elektronik sowie ein neues Bedienkonzept. Zwischen 2027 und 2030 sollen insgesamt 123 Einheiten an die Bundeswehr ausgeliefert werden.

Digitale Optronik als Schlüsseltechnologie

Ein zentrales Merkmal beider Programme ist die konsequente Digitalisierung. Die Sichtsysteme sind als softwarefähige Sensoren konzipiert und ermöglichen die Vernetzung mit anderen Systemen. Um Interoperabilität und Verfügbarkeit zu erhöhen, sind die Komponenten des Puma und des Schakals untereinander austauschbar.

Das Kommandantensichtgerät PERI RTWL HD bildet das Kernelement der Ausstattung. Das stabilisierte digitale Periskop ermöglicht Rundumaufklärung und Zielerfassung auch während der Fahrt sowie unter schwierigen Bedingungen wie Staub oder Dunkelheit. Das Richtschützensichtgerät WAO HD löst ein analoges System ab und basiert auf derselben digitalen Architektur wie das PERI. Es bietet hochauflösende Videoausgabe, erweiterte Sichtreichweite und verbesserte Stabilisierung.

Die digitalen Sichtsysteme schaffen die Grundlage für weiterführende Funktionen wie Bilddatenfusion, Videotracking und die Vernetzung mit Führungs- und Waffensystemen. Christina Canitz, Leiterin der Optronik-Sparte bei HENSOLDT, bezeichnet digitale Optronik als zentralen Baustein für Software-Defined Defence. Die Technologie soll die Einsatzbereitschaft moderner Streitkräfte nachhaltig stärken.

Auslieferung ab 2027 geplant

Die Auslieferung der Sensor-Pakete beginnt voraussichtlich 2027. Prototypen digitaler Sichtsysteme für den Puma-Turm wurden bereits geliefert. Der Start der Serienauslieferung für den Schakal ist für das vierte Quartal 2027 vorgesehen.

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