Frankreich erwägt Ausstieg aus Eurodrohnen-Programm

Frankreich erwägt Ausstieg aus Eurodrohnen-Programm
Eurodrohne | Foto: DeffiSK / Wikimedia Commons

Das gemeinsame europäische Drohnenprojekt steht vor einem möglichen Einschnitt. Frankreich verhandelt mit seinen Partnern Deutschland, Italien und Spanien über einen Rückzug aus dem Programm, das bis Anfang der 2030er Jahre eine Aufklärungsdrohne liefern soll.

Verhandlungen über französischen Rückzug

Laut Berichten des französischen Fachportals Challenges führt Frankreich derzeit Gespräche mit den drei Partnerländern über einen Ausstieg aus dem Eurodrohnen-Programm. Die verbleibenden Nationen Deutschland, Italien und Spanien haben demnach ihre Absicht bekundet, das Projekt trotz der zu erwartenden Mehrkosten fortzusetzen. Nach vorliegenden Berechnungen würden sich die Kosten für die drei verbliebenen Länder um rund 700 Millionen Euro erhöhen.

Technische Differenzen als Ursache

Hintergrund der Unstimmigkeiten sind unterschiedliche Vorstellungen über Größe und technische Auslegung der Drohne. Paris favorisierte bereits in der Vergangenheit eine kleinere, einmotorige Variante, während insbesondere Deutschland auf eine zweimotorige Auslegung drängte. Die deutsche Position zielte dabei auf eine bessere Zertifizierbarkeit im zivilen Luftraum ab, ein zentrales Ziel des gesamten Programms. Bereits im Sommer 2025 hatte es erste Meldungen über ein mögliches Ausscheiden Frankreichs gegeben.

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Projektziele und beteiligte Unternehmen

Das Eurodrohnen-Programm zielt auf die Entwicklung einer europäischen Aufklärungsdrohne der Klasse MALE ab, was für Medium Altitude Long Endurance steht. Die vier ursprünglichen Partnerländer hatten insgesamt 20 Systeme mit jeweils drei Drohnen bestellt, wobei Deutschland sieben, Italien fünf sowie Frankreich und Spanien jeweils vier Systeme abnehmen wollten. Als Hauptauftragnehmer fungiert Airbus Defence and Space, unterstützt von den Unterauftragnehmern Dassault aus Frankreich und Leonardo aus Italien.

Die Entwicklung wird über die Gemeinsame Organisation für Rüstungskooperation OCCAR koordiniert. Das Projekt ist Teil der Permanent Structured Cooperation der Europäischen Union und soll Europa technologische Souveränität im Bereich unbemannter Luftfahrtsysteme sichern.

Kosten und Zeitplan

Das Programm gehört zu den kostspieligsten europäischen Rüstungsvorhaben mit Gesamtausgaben von über sieben Milliarden Euro für die 20 Systeme. Bereits in der Vergangenheit war es zu erheblichen Kostensteigerungen gekommen. Laut Rüstungsbericht des Verteidigungsministeriums verteuerte sich das Projekt um 1,39 Milliarden Euro, was einer Steigerung von fast 40 Prozent entsprach.

Der erste Prototypenflug war ursprünglich für Januar 2027 vorgesehen. Die Auslieferung des ersten Luftfahrzeugs samt Bodenkontrollstation an Deutschland sollte im April 2030 erfolgen. Verzögerungen im Projekt wurden unter anderem auf Abstimmungsprobleme zwischen dem Hauptauftragnehmer Airbus und dem Unterauftragnehmer Dassault zurückgeführt.

Strategische Bedeutung für Europa

Mit der Eurodrohne verfolgt Europa das Ziel, eigene Kompetenzen im Bereich unbemannter Luftfahrzeuge aufzubauen und die Abhängigkeit von außereuropäischen Systemen zu verringern. Ein besonderer Fokus liegt auf der Integration der Drohnen in den stark frequentierten europäischen Luftraum. Die Zertifizierung für den zivilen Luftverkehr gilt als eines der anspruchsvollsten Ziele des Programms.

Neben den militärischen Anwendungen wie Aufklärung und Überwachung sollen auch technologische Innovationen gefördert und europäische Kernkompetenzen in der Luftfahrtindustrie gesichert werden. An dem Programm nehmen zudem Indien und Japan als Beobachter teil.

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