Beim deutsch-brasilianischen Regierungsgipfel in Hannover haben beide Länder am 20. April 2026 zwei Vereinbarungen zur Stärkung ihrer Rüstungskooperation unterzeichnet. Im Zentrum stehen der Ausbau der gemeinsamen Rüstungsbeschaffung sowie die mögliche Erweiterung des laufenden Fregattenprogramms.
Zwei Vereinbarungen unterzeichnet
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und der brasilianische Außenminister Vieira – der in Abwesenheit des brasilianischen Verteidigungsministers handelte – unterzeichneten eine Absichtserklärung zur umfassenden Kooperation bei der Beschaffung von Rüstungsgütern. Darin vereinbarten beide Seiten eine engere Zusammenarbeit bei maritimen, land- und luftgestützten Beschaffungsprojekten. Die Kooperation soll den gesamten Beschaffungsprozess umfassen – von Vertragsverhandlungen über Ausbildung bis hin zu Systembetrieb und -integration.
Darüber hinaus wurde eine gesonderte Vereinbarung über den möglichen Kauf von bis zu vier weiteren Fregatten der Klasse Tamandaré für die brasilianische Marine abgeschlossen.

Das Tamandaré-Programm
Das Tamandaré-Programm basiert auf dem modularen MEKO-A100-Konzept von thyssenkrupp Marine Systems (TKMS). Der Bau der vier Fregatten des ersten Loses findet in Brasilien statt – auf der TKMS-Werft Estaleiro Brasil Sul in Itajaí, Santa Catarina. Umgesetzt wird das Projekt durch das Konsortium Águas Azuis, ein gemeinsames Unternehmen von TKMS, Embraer Defense & Security und Atech.
Bau und Lieferung der vier Fregatten des ersten Loses liegen im Zeitplan, erste Seetests verliefen erfolgreich. Im Januar 2026 erfolgte der erste Stahlschnitt für die vierte Einheit „Mariz e Barros“. Das Programm hat für Brasilien auch industriepolitische Bedeutung: Rund 2.000 direkte und 6.000 indirekte Arbeitsplätze stehen mit dem Tamandaré-Programm in Verbindung.
Strategische Partnerschaft auf Augenhöhe
Bundeskanzler Friedrich Merz betonte beim Treffen, die Nähe beider Länder sei in einer Zeit grundlegender Veränderungen der Weltordnung notwendiger denn je. Beide Seiten sprachen sich zudem gemeinsam für eine Reform des UN-Sicherheitsrats aus, in dem Deutschland und Brasilien seit Langem ständige Sitze anstreben.
Die Rüstungsvereinbarungen sind Teil einer breiteren strategischen Annäherung: Neben der Fregattenfrage wurden auch Gespräche über gepanzerte Fahrzeuge, Luftabwehr und Drohnen geführt. Brasilien gilt für Deutschland als wichtigster strategischer Partner in Lateinamerika.
Für TKMS bedeutet das Abkommen eine mögliche deutliche Ausweitung des Brasilien-Geschäfts. Bereits beim Tamandaré-Programm war die Erweiterung auf bis zu acht Einheiten ins Gespräch gebracht worden. Das Gesamtvolumen der im TKMS-Konzern vorliegenden Aufträge liegt aktuell bei 18,7 Milliarden Euro.
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