Als Ergänzung für die bemannten Kampfflugzeuge sowie zum Aufbau der Fähigkeit, Ziele tief im gegnerischen Raum präzise bekämpfen zu können, plant die Bundeswehr die Beschaffung von bis zu 400 Jagdbomberdrohnen. Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über das geplante Beschaffungsvorhaben sowie die infrage kommenden Kandidaten.
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Beschaffungsvorhaben
Die Bundeswehr plant die Beschaffung von sogenannten Jagdbomberdrohnen. Dabei handelt es sich um Collaborative Combat Aircraft, kurz CCA – also strahlgetriebene, bewaffnete, unbemannte Kampfflugzeuge, die bemannte Plattformen ergänzen sollen. Der zugrunde liegende Technologieansatz wird als Manned-Unmanned Teaming bezeichnet, kurz MUM-T.
Damit ist die Zusammenarbeit zwischen bemannten Kampfflugzeugen und unbemannten Systemen gemeint. Geplant ist die Beschaffung von zwei verschiedenen CCA-Typen: eines in der Vier- bis Fünf-Tonnen-Klasse und eines in der Zehn-Tonnen-Klasse. Die Vier- bis Fünf-Tonnen-Klasse soll vorrangig für Aufklärungsmissionen und Elektronische Kampfführung eingesetzt werden. Die Zehn-Tonnen-Klasse ist hingegen für Luft-Boden- und Luft-Luft-Einsätze vorgesehen. Letzteres soll voraussichtlich auch für weitreichende Präzisionsschläge genutzt werden – mit dem Ziel, Ziele in der Tiefe des gegnerischen Raums präzise bekämpfen zu können.
Aktuell befindet sich das Vorhaben in der Planungsphase. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, kurz BAAINBw, arbeitet an der Fertigstellung eines FFF-Phasenpapiers für die Jagdbomberdrohne. FFF steht für Fähigkeitslücke und Funktionale Forderung mit Lösungsvorschlag. Ein solches Phasenpapier stellt in der Regel den ersten Schritt für eine folgende Beschaffung dar. Von Beobachtern wird mit Interesse verfolgt, ob nur ein Unternehmen oder mehrere Unternehmen für die Umsetzung ausgewählt werden, da das Projekt großes Interesse in der Industrie hervorruft.
Nach den Vorstellungen der Bundeswehr soll die Fähigkeit zur Nutzung eines CCA erstmals im Jahr 2029 zur Verfügung stehen. Bis dahin soll ein souveränes, einsatzbereites, unbemanntes Collaborative Combat Aircraft bereitstehen.
Mehrere Unternehmen haben bereits ihr Interesse bekundet oder befinden sich in Gesprächen mit der Bundeswehr. Airbus Defence and Space hat im Juli 2025 offiziell eine Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Unternehmen Kratos bestätigt. Das Angebot umfasst die XQ-58A Valkyrie mit einem Airbus-Missionssystem.
Auch das Münchner Defence-Tech-Start-up Helsing zeigt Interesse. Das auf Künstliche Intelligenz spezialisierte Unternehmen hat den Flugzeugbauer Grob übernommen und ist eine Partnerschaft mit HENSOLDT zur Entwicklung des CA-1 Europa eingegangen – einem unbemannten Stealth-Bomber.
Rheinmetall führt parallel Gespräche mit drei US-Partnern. Dazu gehören Boeing mit der MQ-28 Ghost Bat, Anduril mit der Fury sowie Lockheed Martin voraussichtlich mit der Vectis. Mit Anduril hat Rheinmetall bereits im Juni 2025 eine strategische Partnerschaft geschlossen, die Fury-Kampfdrohnen umfasst. Zur Wertschöpfungsverteilung äußerte sich Rheinmetall-CEO Papperger wie folgt: Bei gemeinsamen Projekten mit US-Anbietern würden 30 bis 40 Prozent der Wertschöpfung beim amerikanischen Anbieter liegen, der Rest bei europäischen Partnern. Rheinmetall strebt bei einem europäischen Business Hub die Mehrheit an und wäre für die Implementierung der US-Technologie zuständig.
General Atomics Aeronautical Systems, kurz GA-ASI, bietet die Gambit-Serie an. Diese basiert auf einem YFQ-42A-Derivat mit europäischem Missionssystem. Im Dezember 2025 präsentierte das Unternehmen sein System am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen. Die Flugerprobung hatte zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen.
Als weiterer potenzieller Akteur ist der schwedische Rüstungskonzern Saab zu nennen. Laut Papperger ist die Bundeswehr auf eine schnelle Umsetzung bedacht, was Anbieter, die sich bereits seit Längerem mit CCAs befassen, bevorzugen könnte.
Nach Informationen des Rheinmetall-CEO benötigt die Bundeswehr rund 400 CCA. Diese Zahl stammt aus einem Analysten-Call im August 2025 und ist nicht offiziell vom Bundesverteidigungsministerium bestätigt worden.
Das Kostenvolumen des Vorhabens ist nicht bekannt, kann jedoch auf mehrere Milliarden Euro geschätzt werden – wahrscheinlich in einem mittleren bis hohen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich.
Ein zentraler technischer Aspekt ist die Frage der Führung. Zunächst dürfte die Steuerung von Bodenstationen aus erfolgen. Dies ist eine notwendige Übergangslösung, bis die Führung vom Eurofighter aus möglich wird.
Für die Anfangsentwicklung könnte die Führung auch auf anderen Luftfahrzeugen als dem Eurofighter erprobt werden. Airbus führte bei einer Flugdemonstration vor einigen Jahren über der Ostsee bereits Drohnen von einem Learjet aus. Damit müssten für erste Tests keine Eurofighter vorgehalten werden.
Mittel- bis langfristig soll der Eurofighter als Kommando-Plattform dienen, doch die aktuellen Varianten eignen sich nicht für die CCA-Führung. Der Grund liegt in der ausgereizten Rechner- und IT-Architektur. Experten zufolge benötigt ein Kommando-Flugzeug zwei separate Rechner- und IT-Netze: eines für die Avionik des Kampfflugzeugs selbst und ein separates für die Steuerung der CCAs und ihrer Nutzlasten. Ein Eurofighter mit geeigneter Architektur ist erst mit der Ausbaustufe LTE (Long Term Evolution) geplant, die dem Vernehmen nach erst mit der fünften Tranche Anfang der 30er-Jahre der Luftwaffe zulaufen wird. Eine kurzfristige Umrüstung wird als schwierig eingestuft, da umfangreiche Anpassungen an Rechner, Energieversorgung, Funkgeräte, Antennen und Avionik erforderlich wären. Zudem wäre eine Abstimmung mit den drei anderen Eurofighter-Partnernationen notwendig, was im ungünstigsten Fall Jahre dauern könnte.
Als Interim-Ansatz wird offenbar von Airbus eine Litening-Pod-Lösung verfolgt. Diese wäre deutlich schneller und kostengünstiger umsetzbar. Die Führung des CCA würde über die Kommunikationsschnittstelle eines externen Pods erfolgen. Die Bundeswehr beschafft 90 Litening-5-Pods zur Zielbeleuchtung des israelischen Herstellers Rafael für die Eurofighter-Flotte. Die Pods könnten als Kommunikationsrelais dienen und verfügen nach Experteneinschätzung über genug Aufwuchspotenzial für die Verbindung mit CCAs. Die Integration eines Link 16 ist möglich, Bauraum und Schnittstelle sollen vorhanden sein. Der Litening 5 soll über ausreichend Rechenkapazitäten verfügen, und die Zertifizierung stellt kein Hindernis dar, da eine frühere Version bereits für den Eurofighter zugelassen ist. Die Schnittstelle mit dem Piloten erfolgt über ein elektronisches Tablet, das auf dem Oberschenkel fixiert wird. Die Funktechnik zwischen Tablet und Pod ist noch nicht abschließend geklärt.
Die Pod-Lösung bietet mehrere Vorteile: Es sind keine bedeutenden Eingriffe in das Kampfflugzeug erforderlich, und auch ältere Eurofighter könnten als Behelfs-Kommando-Flugzeuge fungieren. Zunächst wäre allerdings nur die reine Führung möglich, also die Erteilung von Missionsaufträgen. Die Steuerung von Nutzlasten oder die Übertragung von Sensordaten wären auf diesem Weg voraussichtlich nicht ohne Weiteres möglich. Ein wichtiger Aspekt ist die Interoperabilität: Die Pod-Lösung könnte so ausgelegt werden, dass auch CCAs anderer Anbieter angebunden werden können. Dies wäre von Bedeutung, falls die Luftwaffe im ersten Schritt gleich zwei verschiedene CCA beschafft.
Kandidaten
Mehrere Unternehmen haben Interesse am deutschen Jagdbomberdrohnen-Programm bekundet. Im Folgenden werden die wahrscheinlichsten Kandidaten vorgestellt.
CA-1 Europa
Das Münchner Defence-Tech-Start-up Helsing und das deutsche Verteidigungssystemhaus HENSOLDT entwickeln gemeinsam den CA-1 Europa – einen autonomen Kampfjet, der als intelligenter Knoten in vernetzten Gefechtsverbünden operieren soll. Das am 25. September 2025 vorgestellte System steht für einen eigenständigen, rein europäischen Weg im Bereich der Jagdbomberdrohnen und verkörpert die enge Verzahnung von KI, Sensorik und Wirkung im Rahmen einer „Software-Defined Defence“-Architektur.
Der CA-1 Europa ist ein autonomer Kampfjet in der Drei- bis Fünf-Tonnen-Klasse, ausgelegt als Stealth-Bomber. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklungsgeschwindigkeit: Das Designkonzept entstand in nur 14 Wochen. Die Designstudie ist abgeschlossen, der Erstflug ist für 2027 geplant. Diese Geschwindigkeit ist möglich, da Helsing im Jahr 2025 den Flugzeughersteller Grob aus Augsburg übernommen hat und damit weitreichende Fähigkeiten im Luftfahrzeugbau nun in-house besitzt.
Mehrere hundert Millionen Euro Eigenmittel sollen investiert werden, um das System zur Einsatzreife zu bringen. Die Stückkosten sind noch nicht bekannt; laut Helsing soll der CA-1 jedoch nur einen Bruchteil eines bemannten Kampfflugzeugs kosten.
Das System ist elf Meter lang, verfügt über eine Spannweite von zehn Metern und ein maximales Abfluggewicht von vier Tonnen. Es soll hohe Unterschallgeschwindigkeit erreichen. Deutlich erkennbar sind die Merkmale einer reduzierten Signatur: interne Waffenschächte und ein einziehbares Fahrwerk. Auf Basis der Dimensionen wird die Nutzlast auf rund 500 Kilogramm geschätzt, die Reichweite auf etwa 1.000 Kilometer – Letzteres ohne offizielle Herstellerangabe. Konzipiert ist der CA-1 als Mehrzweck-CCA. Er kann für Aufklärung, Elektronische Kampfführung, Luft-Luft- und Luft-Boden-Einsätze eingesetzt werden. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Bekämpfung hochwertiger Ziele tief im gegnerischen Hinterland im Tiefflug. Zugleich ist das System für dezentrale Logistik und den Betrieb von behelfsmäßigen Start- und Landeplätzen mit minimaler Infrastruktur ausgelegt. Damit entsteht ein operativer Vorteil in dynamischen Lagen – insbesondere dann, wenn Kommunikationsverbindungen gestört oder eingeschränkt sind.
Ein zentrales Element sind drei KI-Systeme, die Helsing entwickelt hat:
- Centaur: Ein Reinforcement-Learning-Agent für autonomen Luftkampf mit hoher Entscheidungsgeschwindigkeit.
- Cirra: Ein Deep-Learning-System zur Analyse und Klassifizierung elektronischer Bedrohungen.
- Symphony: Eine KI-Plattform zur Koordination verteilter Ressourcen und zur schnellen Generierung einsatzrelevanter Informationen.
Diese KI-Komponenten sollen den autonomen Einsatz auch in umkämpften und elektromagnetisch gestörten Einsatzräumen ermöglichen.
Im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz 2026 haben Helsing und HENSOLDT bekanntgegeben, eine strategische Partnerschaft einzugehen, wobei das erste gemeinsame Produkt der CA-1 sein wird. Damit erhält der CA-1 eine weitere Dimension: Durch die Software-Suite MDOcore von HENSOLDT bekommt der Kampfjet eine offene System- und Schnittstellenarchitektur, die es erlaubt, Sensordaten unterschiedlicher Quellen zusammenzuführen und strukturiert an andere Knoten im Verbund zu übertragen. HENSOLDT bringt zudem eine skalierbare, plattformübergreifende Missionssystem-Architektur ein, die insbesondere für unbemannte Plattformen ausgelegt ist und die vernetzte, multidomain-fähige Einsatzführung ermöglicht. Im Zusammenspiel mit Helsings KI-Agent Centaur erhält die Kampfdrohne so die Fähigkeit, Missionen autonom durchzuführen und Informationen sicher zu verarbeiten sowie dimensionsübergreifend zur Verfügung zu stellen – auch unter Störbedingungen und bei eingeschränkter Kommunikation.
Die Rollenverteilung zwischen den beiden deutschen Partnern ist klar definiert: Helsing verantwortet die Plattform selbst, die KI-Modelle, die Entscheidungslogik sowie die datengetriebene Wirkungsoptimierung. HENSOLDT agiert als plattformunabhängiger Sensorspezialist und Integrator: Das Unternehmen bringt nicht nur Sensorik aus Radar, EO/IR-Sensoren, Selbstschutzsystemen und elektronischer Kampfführung ein, sondern auch Fähigkeiten in Datenverarbeitung, Missionsavionik, Mission Management und Systemintegration.
Entscheidend dabei ist: HENSOLDT stellt sicher, dass die Sensoren nicht isoliert arbeiten, sondern in bestehende militärische Architekturen und Multi-Domain Operations (MDO)-Vernetzung mit MDOcore integriert werden können.
Diese Arbeitsteilung unterstreicht, dass es sich beim CA-1 nicht um ein isoliertes Drohnenprojekt handelt, sondern um einen Baustein einer umfassenden Software-Defined Defence-Architektur. HENSOLDT fungiert dabei nicht als bloßer Zulieferer, sondern als Integrator, der heterogene Sensordaten über Plattformgrenzen hinweg fusioniert und in ein gemeinsames Lagebild bringt.
Auf diese Weise können die Systeme nahtlos in übergeordnete Führungssysteme und MDO-Architekturen eingebunden werden. Dabei ist HENSOLDT bewusst plattformunabhängig aufgestellt: Das Unternehmen baut keine eigenen Plattformen und hat daher kein Lock-in-Interesse. Die Integrationslösungen funktionieren für unterschiedliche Drohnentypen, bemannte Plattformen, Bodenfahrzeuge oder maritime Systeme – eine Kernkompetenz in einer Zukunft, in der Jagdbomberdrohnen nicht isoliert operieren werden.
Gerade im aktuellen geopolitischen Kontext – mit Blick auf transatlantische Abhängigkeiten, ITAR-Restriktionen und Cloud-Thematik – ist die strategische Dimension des CA-1 von besonderer Bedeutung. Helsing und HENSOLDT setzen bewusst auf eine souveräne Fertigung und Lieferkette für Soft- und Hardware. Die Lösung wird ausschließlich mit deutschen Partnern realisiert.
Mit Helsing als deutschem Neo-Prime und HENSOLDT als Industriepartner mit staatlicher Beteiligung und erfahrenem Sensorhersteller entsteht hier die Grundlage für eine souveräne europäische Lösung – ein Alleinstellungsmerkmal, das Kooperationen mit US-Partnern nicht bieten können. Der CA-1 ist damit das einzige rein europäische System im Wettbewerb.

XQ-58A Valkyrie
Airbus Defence and Space verfolgt einen zweigleisigen Ansatz. Das Unternehmen hat im Juli 2025 offiziell eine Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Hersteller Kratos bestätigt und bietet die XQ-58A Valkyrie an. Dieses System der Drei-Tonnen-Klasse ist bereits seit März 2019 im Flug erprobt und gehört damit zu den ausgereiftesten Kandidaten. Die Valkyrie erreicht eine Geschwindigkeit von 0,86 Mach und verfügt über eine beachtliche Reichweite von 5.666 Kilometern. Das strahlgetriebene System kann in einer Flughöhe von bis zu 13.716 Metern operieren und besitzt sowohl einen internen Waffenschacht als auch externe Hardpoints mit einer Gesamtnutzlast von etwa 544 Kilogramm. Der Start erfolgt von einer Schiene oder einem Katapult mit Unterstützung von Booster-Raketen, die Landung per Fallschirm. Nach der Landung ist das System binnen Tagen wieder einsatzbereit.
Die Valkyrie wurde ursprünglich als Testbed für die Kooperation von bemannten und unbemannten Flugzeugen konzipiert und folgt dem Loyal-Wingman-Konzept. Das bedeutet, sie soll bemannte Kampfflugzeuge begleiten und unterstützen. Die Plattform kann autonome Missionen fliegen oder im Verbund mit Kampfjets operieren. Dieses Manned-Unmanned-Teaming wurde bereits mit der F-35, F-22, F-15EX und F-18 erfolgreich erprobt.
Airbus entwickelt für die Valkyrie ein souveränes, plattformunabhängiges Missionssystem, das nahtlos in die Valkyrie und andere bestehende oder zukünftige Plattformen integriert werden kann. Dieses System soll nationale Datenhoheit gewährleisten und ist dank offener Architektur mit bestehenden deutschen Kampfflugzeugen wie dem Eurofighter und der künftigen F-35A kompatibel.
Für 2026 ist eine Flugtestkampagne geplant, und bis 2029 soll das System für die deutsche Luftwaffe einsatzbereit sein. Der strategische Ansatz von Airbus sieht vor, dass die Erkenntnisse und operative Expertise aus den Valkyrie-Tests direkt in die Entwicklung eines weiteren Projekts einfließen. Mit einem Stückpreis von weniger als zehn Millionen US-Dollar ist die Valkyrie ausgesprochen kosteneffizient. Das Design greift auf Kratos-Erfahrungen bei Zieldrohnen zurück und ist bewusst als verbrauchbares System für große Stückzahlen konzipiert.

Deutsch-Schwedisches CCA
Parallel dazu laufen seit Längerem Gespräche zwischen Airbus und dem schwedischen Hersteller Saab über die Entwicklung eines deutsch-schwedischen CCA der Sechs-Tonnen-Klasse. Dieses System soll auf spezielle europäische Anforderungen zugeschnitten werden und könnte in Kürze angestoßen werden. Die Final Operational Capability, kurz FOC, ist für 2032 geplant. Airbus möchte mit den Valkyrie-Tests die Entwicklung des deutsch-schwedischen CCA beschleunigen. Eine technisch interessante Komponente ist die mögliche Integration von Helsings Centaur-KI, einem KI-Agenten für den Luftkampf, der bereits erfolgreich in der schwedischen Gripen-E integriert und getestet wurde.
Der politische Kontext dieses deutsch-schwedischen Projekts ist bemerkenswert. Gerüchten zufolge könnte das Future Combat Air System FCAS vor dem Ende stehen, und es existieren Spekulationen in Berlin über ein mögliches Joint Venture zwischen Saab und Airbus zum Bau eines neuen Kampfflugzeugs als Nachfolger von Eurofighter und Gripen. Die deutsch-schwedischen Rüstungsbeziehungen funktionieren bereits gut: Saab modernisiert deutsche Fregatten der Klasse 123, und Deutschland rüstet Eurofighter mit dem Saab-Selbstschutzsystem Arexis aus. Laut Boris Pistorius ist darüber hinaus der GlobalEye ein Favorit für die AWACS-Nachfolge im Rahmen der NATO. Es muss jedoch betont werden, dass dieses deutsch-schwedische CCA noch im Konzeptstadium ist und auf Gerüchten sowie inoffiziellen Informationen basiert. Weder Airbus noch Saab haben das Projekt offiziell bestätigt.
MQ-28 Ghost Bat
Rheinmetall verfolgt einen anderen Ansatz und führt parallel Gespräche mit drei US-Anbietern. Der am weitesten fortgeschrittene Kandidat ist die MQ-28 Ghost Bat von Boeing. Dieses System wird seit 2017 zusammen mit Australien entwickelt und hat bereits zahlreiche Testflüge absolviert. Die Ghost Bat ist 11,7 Meter lang, hat eine Spannweite von 7,3 Metern und erreicht eine Geschwindigkeit von 0,9 Mach. Die Reichweite liegt bei über 3.700 km, und das System kann in Höhen von mehr als 12.192 Metern operieren. Im Dezember 2025 hat die MQ-28 erstmals AMRAAM-Luft-Luft-Flugkörper von externen Waffenstationen zur Bekämpfung realer Ziele eingesetzt. Der nächste Entwicklungsschritt ist die Ertüchtigung zum Einsatz von Luft-Boden-Effektoren. Für Australien ist die Initial Operating Capability, kurz IOC, bis 2028 vorgesehen.
Ein besonderes Merkmal der Ghost Bat ist ihre Interoperabilität. Das System wurde explizit so konzipiert, dass es mit allen vorhandenen Kampfflugzeugen zusammenarbeiten kann, einschließlich des Eurofighters. Das vollkommen offene Missionssystem ermöglicht flexible Anpassungen, und Nutzer können Wartung und Instandhaltung selbstständig durchführen. Die Produktion ist prinzipiell weltweit möglich. Von den drei Rheinmetall-Optionen verfügt die Ghost Bat über den höchsten Reifegrad und ist das einzige System, das bereits operativ mit anderen Kampfflugzeugen zusammen getestet wurde.

Fury
Der zweite Rheinmetall-Partner ist Anduril mit der Fury-Kampfdrohne. Mit diesem Unternehmen hat Rheinmetall bereits im Juni 2025 eine strategische Partnerschaft geschlossen, die neben Fury-Kampfdrohnen auch die gemeinsame Entwicklung von Marschflugkörpern und Feststoffraketenmotoren für Europa umfasst. Die Fury profitiert von Erkenntnissen aus der Entwicklung des CCA für die US Air Force, wo Anduril neben General Atomics einer der zwei verbliebenen Finalisten ist. Das System soll ein breites Spektrum an Sensoren und Nutzlasten integrieren können und verfügt über eine offene Architektur für länderspezifische Konfigurationen. Die Integration in Rheinmetalls Battlesuite-Ökosystem ist geplant.

Vectis
Der dritte US-Anbieter, mit dem Rheinmetall im Gespräch ist, ist Lockheed Martin. Um welches System es sich dabei handelt, ist nicht offiziell bekannt. Am wahrscheinlichsten dürfte es sich um das jüngst vorgestellte Vectis-System handeln. Dieses wird von der Skunk Works-Abteilung entwickelt, die auf Innovationsthemen spezialisiert ist. Das System wurde im September 2025 vorgestellt und befindet sich im Prototypenstadium. Der Erstflug ist innerhalb der kommenden zwei Jahre geplant. Vectis ist als CCA der Kategorie 5 klassifiziert und soll kleiner als eine F-16 sein. Nach aktueller Einschätzung ist Überschallflug nicht erforderlich. Das System verfügt über ein Stealth-Design mit Signaturen ähnlich wie bemannte Flugzeuge der fünften Generation. Laut Skunk Works soll Vectis in seiner Klasse die höchste Überlebensfähigkeit aufweisen.
Analysen zu Crewed-Uncrewed Operations mit F-35 und F-22 sollen beeindruckende Ergebnisse geliefert haben. Das System ist für Luft-Luft-, Luft-Boden- und ISR-Missionen – also Aufklärung, Überwachung und Erkundung – ausgelegt. Start und Landung erfolgen von klassischen Runways. Die offene Architektur soll Interoperabilität gewährleisten und domänenübergreifende Konnektivität ermöglichen. Lockheed Martin strebt wettbewerbsfähige Kosten an. Für Rheinmetall ist diese Option interessant, da das Unternehmen bereits mit Lockheed Martin bei der Produktion von Mittelrumpfteilen für die F-35 zusammenarbeitet. Allerdings ist Vectis definitiv der am wenigsten fortgeschrittene Kandidat.

Gambit
General Atomics bietet mit der Gambit-Serie ein weiteres System an. Das Unternehmen kündigte im Juli 2025 an, ein CCA nach Deutschland zu bringen, und präsentierte im Dezember 2025 am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen eine europäische Version. Diese verbindet die flugerprobte GA-ASI-Plattform mit einem europäischen Missionssystem. Die Gambit basiert auf dem YFQ-42A, das im Rahmen des Collaborative Combat Aircraft Program Increment 1 der US Air Force entwickelt wird. Das strahlgetriebene System verfügt über geringe Signatur, interne Waffenschächte und ist teilautonom. Der Autonomie-Kern wurde über mehr als fünf Jahre mit der MQ-20 Avenger trainiert, ebenfalls einem strahlgetriebenen System von General Atomics. Dieser Vorsprung verschafft dem System laut Hersteller einen in dieser Klasse einzigartigen Reifegrad.
Die Gambit-Serie umfasst verschiedene Varianten für unterschiedliche Einsatzzwecke. Gambit 1 ist für Aufklärung konzipiert, Gambit 2 für Luft-Luft-Einsätze, Gambit 3 als fortgeschrittener Trainer, Gambit 4 für Aufklärung mit Stealth-Eigenschaften, Gambit 5 für trägergestützte Operationen und Gambit 6 für Luft-Boden-Einsätze. General Atomics präsentierte das System Vertretern führender deutscher Industrieunternehmen aus den Bereichen Sensorik, Künstliche Intelligenz, Missionssysteme, Software, Datenlink und Systemintegration. Die europäische Version soll in Europa montiert werden und ein souveränes Missionssystem erhalten.

Fazit
Die geplante Beschaffung von Jagdbomberdrohnen stellt für die Luftwaffe ein wichtiges Vorhaben auf dem Weg zur Kriegstüchtigkeit dar. Deutschland könnte durch dieses Vorhaben vom Nachzügler zum Vorreiter werden. Eine operationale Fähigkeit vor 2029 würde Deutschland tatsächlich zu den ersten Betreibern strahlgetriebener Hochleistungs-UAVs machen und den jahrzehntelangen Rückstand bei unbemannten Luftfahrzeugen aufholen.
Die operationalen Vorteile sind überzeugend. CCA ermöglichen durch große Stückzahlen günstiger Systeme die notwendige Kampfmasse, die der Ukraine-Krieg als essenziell aufgezeigt hat. Sie reduzieren das Risiko für bemannte Flugzeuge, steigern die eigene Kampfkraft und bieten die dringend benötigte Deep-Strike-Fähigkeit gegen Ziele im gegnerischen Hinterland. Verluste verbrauchbarer Systeme sind zudem leichter zu kompensieren als der Verlust bemannter Plattformen und ihrer Besatzungen.
Allerdings ist der Zeitplan bis 2029 für Deutschland sehr ambitioniert. Vier Jahre sind äußerst kurz für Entwicklung, Beschaffung, Zulassung und Einführung eines völlig neuen Waffensystems. Die technischen Herausforderungen sind erheblich. Der Eurofighter eignet sich in seiner aktuellen Konfiguration nicht als Führungsplattform. Dafür sind umfangreiche Anpassungen erforderlich. Die Abstimmung mit den drei Eurofighter-Partnernationen könnte im ungünstigsten Fall Jahre dauern. Die Litening-Pod-Lösung stellt lediglich eine Behelfslösung dar, die zunächst nur die reine Führung der CCAs ermöglicht, nicht jedoch die Steuerung von Nutzlasten oder die Übertragung von Sensordaten.
Hinsichtlich der Kandidaten steht die Frage im Mittelpunkt, welcher Aspekt stärker bewertet wird: Reifegrad oder Souveränität. Sind Reifegrad und schnelle Verfügbarkeit ausschlaggebend, dürften die MQ-28 Ghost Bat und die XQ-58A Valkyrie in der Pole Position sein. Ist das Thema Souveränität entscheidend, dürften Helsing mit dem CA-1 Europa sowie Airbus und Saab mit ihrem geplanten CCA die Favoriten sein.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass Helsing und HENSOLDT die Entwicklung des CA-1 Europa bereits aus eigenen Mitteln gestartet haben – ohne formale Kundenbeauftragung. Die technologische Grundlage wird also bereits heute geschaffen. Je nachdem, wie zügig die bereits begonnene Entwicklung voranschreitet, könnte damit zeitnah eine europäisch-souveräne Lösung verfügbar sein, die nicht nur politisch überzeugt, sondern auch vom Reifegrad her auf Augenhöhe kommt – und damit den anderen Wettbewerbern ernsthaft Konkurrenz macht.
Unabhängig vom Ausgang der Beschaffung bleibt HENSOLDT als plattformunabhängiger Integrator in der Lage, unterschiedliche CCA-Konzepte technologisch zu unterstützen und in bestehende wie zukünftige Gefechtsarchitekturen einzubinden.
Die Beschaffung von Jagdbomberdrohnen ist strategisch richtig und operativ notwendig. Der Zeitplan ist ambitioniert, aber angesichts der Bedrohungslage gerechtfertigt. Die Bundeswehr steht vor schwierigen Entscheidungen zwischen bewährten, schnell verfügbaren US-Systemen und souveränen europäischen Entwicklungen mit längeren Zeitlinien. Eine Kombination aus beiden Ansätzen könnte die Lösung darstellen: schnelle Verfügbarkeit durch ein ausgereiftes System wie die Valkyrie als Lernplattform und parallele Entwicklung eines souveränen europäischen Systems für die langfristige Fähigkeit. Dies würde sowohl den zeitkritischen Bedarf bis 2029 decken als auch strategische Autonomie gewährleisten. Die größte Herausforderung wird sein, diese Entscheidungen zügig zu treffen und die notorisch langsamen deutschen Beschaffungsprozesse zu beschleunigen.
