Das Bundesverteidigungsministerium führt Gespräche mit dem US-israelischen Rüstungs-Start-up Covenant über dessen Marschflugkörper Anthem. Das Unternehmen will die Waffe ab Anfang 2027 auch in Leipzig fertigen.
Das Verteidigungsministerium bestätigte am 11. September 2026 laufende Gespräche mit Covenant, wie das Fachportal Defense News berichtet. Zum Stand der Verhandlungen und zur möglichen Rolle des Flugkörpers in der Bundeswehrplanung machte ein Sprecher keine Angaben. Zuvor hatte bereits die Deutsche Presse-Agentur über Kontakte des Unternehmens zur Bundeswehr und zum Beschaffungsamt BAAINBw berichtet.
Lücke bei weitreichenden Waffen
Die Bundeswehr verfügt bislang nur über begrenzte Mittel für Präzisionsschläge auf große Distanz. Der luftgestützte Taurus erreicht gut 500 Kilometer, eine neue Version ist laut Defense News erst in einigen Jahren zu erwarten. Die geplante Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern aus den USA gilt als unsicher, weil im Krieg gegen den Iran große Mengen verbraucht wurden. Das europäische Entwicklungsvorhaben ELSA steht noch am Anfang.
Für die bodengestützte Komponente setzt Deutschland bisher auf Typhon-Startgeräte von Lockheed Martin. Sie können unter anderem Tomahawks mit mehr als 1.500 Kilometern Reichweite verschießen.
Nach Angaben des Fachportals Defence Network will Deutschland rund 12 Milliarden Euro in die Tiefschlagfähigkeit investieren. Dazu gehören der Kauf von etwa 400 Tomahawks, dessen Vertrag noch aussteht, und eine gemeinsame Entwicklung mit Großbritannien. Anthem zählt demnach neben zwei ukrainischen Systemen zu den Flugkörpern, die für eine schnelle Beschaffung in großer Stückzahl in Betracht kommen.
Das Unternehmen und sein Flugkörper
Covenant wurde 2024 gegründet und trat erst Anfang September 2026 an die Öffentlichkeit. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Washington und betreibt Werke im Großraum Dallas (Texas) und in Israel. Nach eigenen Angaben hat es mehr als 250 Millionen US-Dollar von Investoren eingeworben, darunter der von Peter Thiel mitgegründete Founders Fund. Reuters beziffert die Belegschaft auf rund 200 Beschäftigte.
Anthem ist ein bodengestützter Marschflugkörper. Den Start übernimmt ein Feststoffbooster, den Marschflug ein Strahltriebwerk. Fachmedien nennen eine Reichweite von rund 1.500 Kilometern und einen Gefechtskopf von 200 bis 300 Kilogramm. Offizielle Zahlen liegen laut Defence Network nicht vor.
Der Hersteller bezeichnet das System als serienreif und verweist auf mehr als 200 Tests seit dem Erstflug im August 2025, teils gemeinsam mit den US-Streitkräften. Der Stückpreis soll im mittleren sechsstelligen Dollarbereich liegen. Ein Taurus kostet nach Angaben von Defense News eine Million Dollar oder mehr. Taurus und Tomahawk tragen je nach Ausführung allerdings etwa die doppelte Nutzlast.
Fertigung in Leipzig ab 2027
Das deutsche Werk liegt in einem Gewerbegebiet im Leipziger Norden nahe dem Flughafen Leipzig/Halle. Covenant hat dort nach eigenen Angaben ein bestehendes Gebäude angemietet, der Standort umfasst rund 10.000 Quadratmeter. Am 5. Oktober 2026 wurde er im Beisein von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer offiziell eröffnet.
Die Serienfertigung soll im ersten Quartal 2027 beginnen. Geplant sind zunächst rund 1.000 Flugkörper pro Jahr, später bis zu 5.000. Nach Unternehmensangaben stammen mehr als 95 Prozent der Zulieferteile aus Europa. Für die Produktion in Deutschland besteht laut Covenant bereits ein Liefervertrag mit einem europäischen Erstkunden, dessen Name nicht genannt wird.
Offen ist, wo Treibsatz und Gefechtskopf eingebaut werden. Laut Tag24 soll in Leipzig nicht mit Explosivstoffen gearbeitet werden. Das Werk fiele damit unter die Vorschriften für metallverarbeitende Betriebe und nicht unter die für Munitionsfabriken. Auf Nachfrage von Defense News machte Covenant dazu keine näheren Angaben.
