Bundeswehr laut Pistorius erstmals wieder über 190.000 Soldaten

Verteidigungsminister Boris Pistorius zufolge hat die Bundeswehr im Oktober 2026 erstmals wieder mehr als 190.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die offizielle Statistik für den Monat wird allerdings erst Mitte November veröffentlicht.
Der Bundesminister der Verteidigung, Boris Pistorius, im Gespräch mit Beschäftigten des BAAINBw in Koblenz, am 20.02.2025. | Foto: Bundeswehr/Dirk Bannert

Verteidigungsminister Boris Pistorius zufolge hat die Bundeswehr im Oktober 2026 erstmals wieder mehr als 190.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die offizielle Statistik für den Monat wird allerdings erst Mitte November veröffentlicht.

Aussage auf dem Deutschen Arbeitgebertag

Pistorius äußerte sich am 13. Oktober auf dem Deutschen Arbeitgebertag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin. Nach seinen Angaben ist die Truppe in diesem Monat auf knapp 192.000 Soldatinnen und Soldaten angewachsen. Damit sei die Bundeswehr so groß wie zu keinem Zeitpunkt seit der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011. Ein Transkript seiner Aussagen hat Table Briefings veröffentlicht.

Die Veranstaltung im Berlin Congress Center stand unter der Frage, wie Staat, Bundeswehr und Wirtschaft gemeinsam verteidigungsfähig werden können. Zentrales Thema der Diskussionsrunde mit dem Minister war der geplante personelle Aufwuchs der Streitkräfte. Pistorius verwies dabei auf einen hohen Rücklauf der Fragebögen im Neuen Wehrdienst sowie auf steigende Bewerbungs- und Einstellungszahlen. Zudem soll die Reserve zur Erfüllung der NATO-Fähigkeitsziele auf mindestens 200.000 Reservistinnen und Reservisten wachsen.

Offizielle Zahlen liegen noch nicht vor

Die Angabe des Ministers lässt sich derzeit nicht anhand amtlicher Daten überprüfen. Die zuletzt veröffentlichte Statistik weist für Ende August 2026 einen Umfang von 186.356 aktiven Soldatinnen und Soldaten aus. Werte für September waren am 14. Oktober noch nicht veröffentlicht, die Zahlen für Oktober folgen voraussichtlich Mitte November.

Ende Juli 2026 hatte das Verteidigungsministerium rund 186.700 Soldatinnen und Soldaten gemeldet und den Personalumfang damit zur Jahresmitte im Zielkorridor für 2026 verortet. Nach Ministeriumsangaben war dies der höchste Stand seit rund 13 Jahren. Im August ging die Zahl leicht zurück. Ein Anstieg auf knapp 192.000 im Oktober würde damit ein Plus von gut 5.000 Personen innerhalb von zwei Monaten bedeuten.

Einordnung des historischen Vergleichs

Die Aussage, die Bundeswehr sei so groß wie seit Aussetzung der Wehrpflicht nicht mehr, trifft nach Recherchen des Fachportals Augen geradeaus nicht vollständig zu. Nach damaligen Angaben des Ministeriums umfasste die Truppe noch im Januar 2013, also rund eineinhalb Jahre nach Aussetzung der Wehrpflicht, 191.838 aktive Soldatinnen und Soldaten. Ob der aktuelle Stand diesen Wert übertrifft, hängt von der genauen Zahl für Oktober ab.

Bedeutung für den gesetzlichen Aufwuchspfad

Die Marke von 190.000 ist im Soldatengesetz verankert. Paragraf 91 sieht bis 2035 einen Aufwuchs der Streitkräfte auf insgesamt 460.000 Soldatinnen und Soldaten vor, davon bis zu 260.000 aktive Kräfte und mindestens 200.000 Reservistinnen und Reservisten. Für 2026 legt der Aufwuchspfad einen Korridor von 186.000 bis 190.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten fest, für 2027 von 190.000 bis 193.000. Die Zahl 190.000 markiert damit die Obergrenze für das laufende Jahr und die Untergrenze für das kommende.

Die Korridore haben politische Bedeutung, weil sie mit der Frage einer Wehrpflicht verknüpft sind. Der Neue Wehrdienst setzt so lange wie möglich auf Freiwilligkeit. Melden sich nicht ausreichend Freiwillige gemäß den Zielvorgaben oder verschärft sich die sicherheitspolitische Lage, kann der Bundestag auf Antrag der Bundesregierung per Gesetz eine Bedarfswehrpflicht beschließen. Ab dem 1. Januar 2027 muss das Verteidigungsministerium dem Bundestag halbjährlich über die Entwicklung des Aufwuchses berichten, aufgeschlüsselt nach Statusgruppen und Verpflichtungszeiten.

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